Donnerstag, 20. Dezember 2007

La hora peruana

La hora peruana-was kann das bloß bedeuten? Gehen in Peru vielleicht die Uhren anders? Eigentlich nicht, aber manchmal habe ich so das Gefühl, da die Peruaner es nicht gerade ernst mit der Zeit nehmen.

Fabrizzio zum Beispiel, mein 14-jähriger Gastbruder, muss theoretisch jeden Morgen um 8 Uhr in der Schule sein. Praktisch jedoch, kommt er aber erst um 8 Uhr zum Fruehstueck herunter und verlässt so das Haus frühestens um 8:15 Uhr. Er sagt, wenn er pünktlich kommen würde, saesse er noch mindestens eine halbe Stunde mit ein paar vereinzelten Klassenkameraden dumm herum, denn die Lehrer kommen genauso so spät.

Nun aber die Krönung: An einem Wochenende wollte ich mit ein paar Leuten zum Konzert der Gruppe "Grupo 5" gehen. Laut der Plakate sollte das Konzert um 18 Uhr beginnen. Also haben wir uns um 17 Uhr getroffen, um noch Karten zu bekommen. Als wir kamen, war die Schlange auch schon recht lang und wurde im Laufe der Zeit immer länger. Aber drei Stunden lang sind wir keinen Zentimeter vorangekommen! Dazu hat es auch noch geregnet! Zum Glück wurden wenigstens an jeder Ecke Plastikponchos verkauft. Irgendwann sind dann zwei von uns losgezogen, um Pisco und Sprite zu besorgen. So war das Warten schon etwas erträglicher. Um 20 Uhr waren wir dann endlich drinnen. Da aber wider Erwarten die Taschen kontrolliert wurden, mussten wir noch schnell den Pisco leeren. Danach war die Stimmung dann wieder echt gut. Leider aber nicht lange, denn "Grupo 5" wollte und wollte einfach nicht anfangen. Stattdessen mussten wir uns noch ewig schlechte Vorbands anhören, die teilweise einfach die Lieder von "Grupo 5" gecovert haben! Geregnet hat es immer noch und so war die Stimmung echt am Tiefpunkt als "Grupo 5" um 22:45 Uhr, also fast fünf Stunden zu spät (!), endlich auf der Bühne stand. Ihre Lieder, die in den Discos hier rauf und runter gespielt werden, haben unsere Laune etwas gebessert, aber um 0 Uhr hat es uns nach 7 Stunden stehen endgültig gereicht und wir sind schon vor dem Ende gegangen. Eigentlich war geplant danach noch weg zu gehen, aber wir waren so fertig, dass wir es nur noch geschafft haben, etwas essen zu gehen.

Und dies sind nur zwei von unendlich vielen Beispielen.

Ich habe mich noch immer nicht an die "hora peruana" gewöhnt. Auch wenn ich schon längst nicht mehr pünktlich komme, bin ich meistens immer noch viel zu früh dran!

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Spanisch

Jetzt bin ich nun schon zweieinhalb Monate in Peru und werde nun mal eine Einschätzung abgeben, wie es inzwischen um meine Spanischkenntnisse bestellt ist. Das finde ich ziemlich schwierig, denn meine Meinung dazu schwankt ständig. Dennoch ein Versuch.

Laut meiner Gastfamilie spreche ich fast perfekt und ohne Akzent. Dazu muss man aber sagen, dass die Peruaner gerne zu Übertreibungen neigen und ich weiss ganz genau, dass mir noch sehr viel dazu fehlt-leider. Verstehen tu ich aber so gut wie alles. Nur manche Kinder haben mir zu sehr genuschelt und manche Jugendliche sprechen für mich auch zu schnell und zu umgangssprachlich. So muss ich dann doch noch ab und zu nachfragen. Beim Essen erzählt mir meine Gastfamilie gerne lustige und unheimliche Geschichten und da ich diese meist verstehe, kann ich mitlachen oder mich mitgruseln. Da das Fernsehprogramm hier ziemlich gut ist, schaue ich mir gerne auch mal einen Film auf Spanisch an und es hat mich überrascht wie gut ich diese schon verstehen kann.

Mit der Verständigung sieht es leider etwas schlechter aus. Zwar kann ich meistens sagen was ich will und man versteht mich auch, aber so richtig flüssig ist es noch nicht und ich merke selber, dass ich noch einige Fehler mache. Die Spanische Grammatik ist einfach etwas kompliziert, vor allem die vielen Zeiten. Es gibt im Spanischen davon ganze 18(!) und das sind nur die geläufigen. Zum Beispiel komme ich oft mit den vier Vergangenheiten durcheinander, auch wenn ich die Grammatik theoretisch durchaus beherrsche. Erschwerend kommt noch das "Subjuntivo" dazu, ein Modus, den es im Deutschen gar nicht gibt und der wiederrum vier weitere Zeiten einschliesst. Den ebenfalls nicht einfachen Imperativ kann ich inzwischen aber ganz gut, bei der Arbeit hatte ich auch viel Gelegenheit ihn zu üben. Ich hatte das Gefühl, dass die Kinder mich schon verstanden haben, wenn ich ihnen etwas erklärt oder sie zurecht gewiesen habe. Dennoch haben sie nicht immer auf mich gehört.

Da mir hier der Spanischunterricht echt gut gefällt, weil er sehr abwechslungsreich ist, und er im Vergleich zu Deutschland sehr günstig ist, nehme ich gerade weiter Spanischstunden, aber nur ca. vier pro Woche. Ich bin inzwischen im "Nivel Avanzado 1" und es gibt nur noch ein höheres. So denke ich, dass ich das letzte auch noch mitnehme und mich anschließend ganz auf die Praxis konzentrieren werde.

Vier Monate bleiben mir zum Glück noch, denn natürlich will ich noch viel besser Spanisch lernen =)!

Dienstag, 18. Dezember 2007

Die letzten Wochen im "Jardin Aldea"

Ferien!!! Die nutzte ich doch auch gleich mal, um so eine Art abschliessenden Bericht über meine Arbeit zu schreiben, denn die Ferien gehen bis Anfang März und in dieser Zeit werde ich in einem anderen Projekt arbeiten.

Ich muss sagen, dass mir gegen Ende meine Arbeit zum Glück etwas besser gefallen hat, begeistert war ich aber immer noch nicht. Ich habe mich einfach an die Bedingungen gewöhnt und die Kinder sind mir richtig ans Herz gewachsen und nun vermisse ich sie. Viele von ihnen wollten auch gar keine Ferien, weil sie sich zu Hause wahrscheinlich schrecklich langweilen werden.

In den letzten Wochen haben wir die Bücher fertig durchgearbeitet. Meine Aufgabe war es, den Kindern die Übungen zu erklären und ihnen dabei zu helfen, denn viele waren damit einfach überfordert. Diese Arbeit hat mir ganz gut gefallen, auch wenn sie sehr anstrengend war, weil ich immer mindestens drei Kinder gleichzeitig versorgen musste. Manche wollten Hilfe, andere einen Bleistift und wieder andere wollten petzten, wer wen geschlagen hat. Wenn ich nicht sofort ihren Wünschen entsprechen konnte, wurden sie ziemlich ungeduldig. Die eigentliche Lehrerin sass, wenn sie da war, oft nur in der Ecke und hat irgendwelche Sachen erledigt und so musste ich mich um 20 Vierjährige gleichzeitig kümmern. Nach der Pause musste ich dann "nur" noch dafür sorgen, dass die Kinder nicht auch noch die restlichen Puzzleteile verlieren und, dass sie sich nicht streiten, wenn ein Kind nicht tauschen wollte.

Ich musste der Lehrerin auch oft helfen zu basteln. Das war wirklich sehr viel Arbeit, weil die Kinder nichts selber machen konnten und die Peruaner in manchen Dingen zumindest sehr perfektionistisch sind. So hat es nicht gereicht, dass die Adventskränze samt der vier Kerzen und der zwei Glocken ausgeschnitten wurden, nein, sie mussten auch noch mit goldenem und silbernem Glitzer und viel Geschenkband verziert werden! Dann haben wir den Kindern noch kleine Weihnachtsmänner und Schuhe gebastelt.

Diese haben die Kinder dann am letzten Schultag erhalten. Zum Abschluss des Schuljahres wurde ein kleines Fest veranstaltet. Die Eltern sollten etwas zu essen mitbringen, nur wenige haben es auch gemacht, und so wurde gegessen und getanzt. Die Kinder war so schick angezogen! Viele Jungs kamen im Anzug und die Mädchen in Kleidern, die locker hätten Kommunionskleider sein können. Sie sahen so süss aus! Auf das Aussehen wird in Peru viel Wert gelegt, egal wie arm die Leute sind. Am Ende hat jedes Kind noch ein weiteres Geschenk erhalten. Für S/. 10 konnten die Eltern für die Mädchen Barbies und für die Jungs einen Dinobaukasten kaufen. Am Ende hat einfach ein Geschenk gefehlt! Und es waren sicher genug für alle da. Auch Süssigkeitentüten waren plötzlich zu wenig da. Manche Eltern haben sich wohl einfach bedient! Das scheint hier nicht selten vorzukommen. Da braucht man sich nicht wundern, wenn aus ihren Kindern nichts wird. Das finde ich echt traurig.

Ich habe auch eine schlimme Geschichte von einem Mädchen meiner Klasse gehört. Gerade hat sie sich im Waisenhaus gut eingelebt und im Kindergarten viel gelernt, sie war eine der Besten, da will sie ihre Mutter, eine Prostituierte, plötzlich wieder zurück! Das ist mir echt nah gegangen und ich hoffe, dass es doch noch ein gutes Ende nimmt. Mit der nötigen Unterstützung könnte diesen Mädchen bestimmt etwas erreichen, auch wenn sie im Moment noch ein Problemkind ist. Sie hat schon öfters Sachen geklaut und wenn ein Kind ein anderes geschlagen hat, kommt letzteres zu ihr und sie schlägt zurück. Andererseits ist sie aber auch immer die erste, die auf mich zugerannt kommt und in den Arm genommen werden will.

Das war also meine Arbei im "Jardin Aldea". Jetzt warte ich nur noch seit längerem auf mein Praktikumszeugnis...

Heute war ich mal wieder da, um dieses abzuholen. Doch ich habe es immer noch nicht, obwohl es nun endlich fertig ist, denn ich kriege es erst, wenn ich Tinte für den Drucker kaufe! Das hat mich richtig wütend gemacht! Die Tinte ist auch noch ziemlich teuer! Aber die Lehrerinnen benötigen sie, um Dokumente der Kinder anzufertigen. Dennoch sehe ich das überhaupt nicht ein und überlege mir so ernsthaft, mein Zeugnis einfach nicht abzuholen! Die Lehrerinnen sind wirklich so undankbar! Das war nun wirklich kein schöner Abschluss und so habe ich wenig Lust im März wieder dort zu arbeiten.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Eine weniger schöne Erfahrung in Peru

An jeder Strassenecke gibt es hier in Cusco sogenannte "Lavanderias". Ihr Service ist echt gut: ab S/. 3 pro Kilo waschen und bügeln sie deine Wäsche bis zum darauf folgenden Tag. Da macht es auch nicht viel aus, dass ihre Wagen meistens nicht stimmen. Dieses Angebot habe ich bisher immer gerne angenommen. Eines Abends bin ich also mal wieder zu einer Lavanderia, um meine Wäsche abzuholen. Aber sie war nicht da! Zunächst dachte ich, dass sie es einfach nicht geschafft haben, meine Klamotten termingerecht zu waschen, aber nein, mein Rucksack mit 5 kg (mehr oder weniger...) Wäsche war geklaut worden!!! Ich habe lange gebraucht, um das zu realisieren und war echt richtig fertig. Meine beiden absoluten Lieblingsjeans und noch viel mehr waren einfach weg! Mein Rucksack stand wohl schon abholbereit neben dem Schreibtisch, als die Diebe hereinkamen und mit ihm wieder herausgerannt sind. Eine Angestellte sass am Computer und konnte nicht mehr rechtzeitig reagieren. Verschlimmert wurde die Situation noch dadurch, dass ich am selben Tag noch zum Titicacasee reisen wollte und nur noch sehr wenige Klamotten im Schrank hatte. Mit meiner Gastschwester Lula bin ich dann nochmal hin, um zu verhandeln. Aber auch Lulas Übertreibungen - "Sie hat nur noch die Klamotten, die sie am Körper trägt!" haben nicht viel gebracht. Mit S/. 150 musste ich mich zufrieden geben, denn die verantwortliche Frau war wirklich nicht gerade reich. Sie hat immer wieder betont, wie arm sie ist und, dass sie keine Polizei will, was mich doch etwas stutzig gemacht hat. Dann hiess es aber doch, dass sie bei der Polizei war, um Anzeige zu erstatten, die Kopie würde ich erhalten. Lula und ich sind danach dennoch zur Touristenpolizei und die wussten nichts von einer Anzeige. Da ich schon die S/. 150 erhalten hätte, könne die Polizei nichts mehr tun und ausserdem sei ich ja aus Deutschland und könne ja nicht so arm sein, dass das so ein grosses Problem für mich darstelle. Echt unverschämt! Es ging mir auch weniger um das Geld, als um meine geliebten Klamotten!!! Danach hatte ich gerade noch Zeit, das Nötigste einzukaufen und in einer halben Stunde zu packen, bevor ich schon nach Bolivien aufgebrochen bin.
Die Hoffnung hatte ich aber noch nicht ganz aufgegeben, denn in Cusco gibt es einen Markt, wo viele gestohlene Sachen wieder verkauft werden. Auf diesem Markt gibt es echt alles: Klamotten, CDs, Essen, leere Flaschen, Schrottteile..., nur meine Kleider konnte ich absolut nicht finden! Selbst wenn sie dort verkauft wurden , bei riesigen Klamottenbergen auf dem Boden ist es beinahe unmöglich bestimmte Sachen zu finden. Hätte ich nicht nur meine Klamotten im Kopf gehabt, hätte ich dort echt das ein oder andere schöne Teil für sehr wenig Geld finden können.
Nun wollte ich wenigstens noch die Kopie der Anzeige bekommen. Ich bin mindestens vier Mal deswegen zur Wäscherei, aber immer hatten sie eine andere Ausrede parat. Inzwischen glaube ich, dass die Frau nicht bei der Polizei war und ganz vielleicht doch, auch wenn sie das Gegenteil behauptet, einfach meine Klamotten für sich behalten hat. Wer weiss... Inzwischen wasche ich immer selber!