Dienstag, 13. Mai 2008

Kleines Schlusswort

Inzwischen bin ich schon seit über einer Woche wieder in Deutschland und habe mich schon mehr als eingelebt. Damit hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten, obwohl es natürlich eine völlig andere Welt ist, weil ich hier fast mein ganzes bisheriges Leben verbracht habe und alles so vertraut ist. Ich genieße es gerade total, wieder zu Hause bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein. Das tolle Wetter macht alles noch schöner. Wenn ich an meine insgesamt geniale Zeit in Peru zurückdenke, werde ich dennoch etwas traurig, weil ich das Land und die Leute einfach lieb gewonnen habe und sie vermisse. So bin ich sehr froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und habe mir schon fest vorgenommen, wenn möglich, eines Tages wieder nach Peru und Südamerika zu reisen!

Webalbum?

Besser spät als nie: wenn Interesse bestünde, würde ich noch ein kleines Webalbum erstellen. Also wenn ihr euch ein solches wünschen würdet, schreibt mir doch einen kleinen Kommentar oder eine Mail. Die Adresse würde ich dann auf den Blog stellen und per Mail weitergeben.

Máncora

Zum Abschluss meiner kleinen Reise habe ich mit der Berlinerin noch einen einwöchigen Strandurlaub in Máncora gemacht. Máncora liegt ganz im Norden von Peru, unweit der ekuadorianischen Grenze. Das ganze Jahr über ist es dort sehr warm und man kann immer im Pazifik baden gehen. Das haben wir auch richtig genossen und haben fast die ganz Zeit am Strand verbracht. In Máncora bleibt einem auch nicht viel anderes übrig, da es nur ein kleines nicht sonderlich schönes Dorf an der Panamerikana ist. In der Hochsaison wird wohl auch kräftig gefeiert, als wir da waren, waren die Clubs aber immer ziemlich leer. Der dortige Strand ist auf Grund des feinen weißen Sandes, der Palmen und des sehr klaren Wassers auf jeden Fall schön, wenn auch kein Traumstrand, da direkt an ihn viele Hostals und Restaurants grenzen. Uns hat es aber völlig gereicht, denn wir wollten uns einfach nur entspannen und bräunen. Zur Erfrischung sind wir trotz der großen Wellen im Meer baden gegangen, oder haben uns eine Kokosnuss gegönnt, deren Kokosmilch wir dann mit einem Strohhalm direkt getrunken haben. Ab und zu war der Wind leider so stark, dass man innerhalb weniger Minuten völlig mit Sand bedeckt war und Schwierigkeiten hatte das Handtuch zu finden. War das der Fall sind wir an den Pool unseres Hostals ausgewichen, wo man es sich Liegestühlen oder Hängematten gemütlich machen konnte. Zweimal sind wir an Strände in der näheren Umgebung gefahren, die noch ruhiger waren. Einer von ihnen war besonders schön, da dem Strand einige kleinere Felsreihen vorgelagert waren, durch die sich viele kleine Becken gebildet haben, in denen man schön planschen konnte.
Obwohl die Tage in Máncora alles andere als abwechslungsreich waren, hätte ich es dort noch gut länger aushalten können. Da ich mir aber noch ein paar Sehenswürdigkeiten in Lima anschauen wollte und mein Rückflug immer näher rückte, habe ich mich schweren Herzens auf den Rückweg nach Lima gemacht.

Montag, 12. Mai 2008

Trujillo

Am nächsten Morgen kamen die Holländerin und ich in der schönen Kolonialstadt Trujillo an, die an der Nordküste liegt. Dort trennten sich leider unsere Wege. Doch kaum hatte ich mich von der Holländerin verabschiedet, setzte sich eine Berlinerin zu mir an den Tisch und wir verstanden uns auf Anhieb gut. Also haben wir gleich mal zusammen einen Strandtag eingelegt. Die Sonne hat mir nach den kalten Tagen in Huaráz richtig gut getan. Da die Wellen aber bestimmt 1,5m groß waren, haben wir uns nicht ins Wasser getraut. Dafür konnten wir aber den Sufern und den einheimischen Fischern zusehen. Die dortigen Fischer benutzen seit mehr als 1000 Jahren kleine aus Schilf geflochtene Boote. Auf denen sitzen sie dann mit den Beinen im Wasser und paddeln geschickt gegen die großen Wellen an. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang ging es wieder zurück ins Hotel.

Für den nächsten Tag hatte ich eine Tour zum Mond-und Sonnentempel und zur riesigen Lehmstadt Chan Chan gebucht. Doch zunächst fuhren wir zu den Tempeln. Diese aus Millionen von Lehmziegeln erbauten Pyramiden stammen aus der Moche-Kultur (200 v. Chr.-850 n. Chr.) und liegen mitten in der Wüste. Leider wurde ein großer Teil durch heftige Regenfälle zerstört und es gab nicht mehr so viel interessantes zu sehen. Doch einige erstaunlich gut erhaltene Wandfriese mit ihren stilisierten Figurendarstellungen waren doch sehr beeindruckend.
Am Nachmittag haben wir uns Chan Chan angeschaut. Das etwa 1300 n. Chr. von den Chimú erbaute und 25 km² große Chan Chan ist die größte präkolumbische Stadtanlage ganz Amerikas und zugleich die größte Lehmziegelstadt der Welt. Einst wohnten in ihr etwa 60.000 Menschen und sie besaß unermessliche Schätze an Gold, Silber und Keramik. Durch die Plünderungen der Spanier ist davon heute kaum noch etwas übrig geblieben. Auch Chan Chan viel starken Regenfällen zum Opfer, weshalb heutzutage vor allem seine Größe beeindruckt. Einige original Friese und einige restaurierte kann man allerdings entdecken.
Obwohl ich alles ziemlich interessant fand, war ich doch froh, als die Tour dann vorbei war, da es ganz schön anstrengend ist den ganzen Tag einem spanischsprechendem Führer zuzuhören und das Neugelernte aufzunehmen.

Am dritten und letzten Tag in Trujillo bin ich durch die schöne Stadt geschlendert und habe mir einige der wunderschönen Kolonialhäuser angeschaut. Diese gibt es dort in allen Farben und sie bestechen vor allem durch ihre schönen Innenhöfe und die verschnörkelten Fenstergitter. Auf der Plaza de Armas lässt es sich in Trujillo auch gut aushalten, da auf dieser Palmen und eine Statue stehen und sie von bunten Häusern umgeben ist.
Am Abend habe ich mich dann wieder mit der Berlinerin getroffen, weil wir beschlossen hatten zusammen nach Máncora an den Strand zu fahren.

Huaráz

Nach einigen Tagen in Lima bin ich nach Huaráz gereist, das in der Cordillera Blanca auf ca. 3000m liegt. Dort gibt es besonders viele schneebedeckte Andengipfel, viele türkisblaue Seen und es werden viele Trekkingtouren angeboten. Ich habe mich für den dreitägigen Santa Cruz Trek entschieden. Da es nicht sofort losging, habe ich mit einer Holländerin, die ich im Bus kennengelernt habe, und einem Israeli noch eine kleine Mountainbiketour unternommen. Das war ein ganz guter Fitnesstest, weil man die Höhe ja nicht unterschätzen sollte. Es war auch richtig anstrengend aber auch sehr schön.
Am nächsten Tag ging es dann um sechs Uhr früh los. Zunächst saßen wir aber ewig in einem dieser engen Kleinbusse, die dazu auch noch ganz vollgestopft werden. Vom Bus aus haben wir schon einige tolle Berge und türkisfarbene Seen gesehen. Doch als wir endlich ankamen regnete es und man sah überhaupt nichts mehr! Das war natürlich sehr schade, aber die Landschaft war trotzdem schön, teilweise so verwunschen, weshalb der Regen und die Wolken auch gar nicht so unpassend waren. Obwohl es gar nicht so viel bergauf ging, war es teilweise schon echt anstrengend. So war es sehr angenehm, dass die Zelte und unser Gepäck von Maultieren getragen wurden. Zum Glück besserte sich das Wetter etwas und wir konnten unsere Zelte im Trockenen aufbauen. Kaum war das aber geschafft, fing es schon wieder an zu regnen, was in einem undichten Zelt besonders angenehm ist. Zum Glück konnten wir aber noch das Zelt tauschen, sonst hätte ich vor lauter Angst schwimmend wieder aufzuwachen wohl noch schlechter geschlafen.
Am Morgen mussten wir wieder früh raus, da wir heute viel vorhatten. Es ging nämlich in mehreren Stunden auf einen Pass in 4750m Höhe hinauf. Wir hatten wieder Pech mit dem Wetter und konnten außer Wolken kaum etwas sehen. Hinzu kam noch, dass wir gar nicht auf richtigen Wegen liefen, sondern im Matsch von Stein zu Stein springen mussten. Später kam noch etwas Schnee hinzu und wir mussten auch rutschige Steinplatten hinauf. Je höher wir uns kamen, desto anstrengender wurde es. Jeder Schritt kostete große Überwindung und Kraft. Als wir den Pass dann aber endlich erreicht hatten, war jede Anstrengung vergessen, es war einfach ein tolles Gefühl, es soweit hinauf geschafft zu haben. Da störte es uns auch kaum, dass wir außer Wolken und Schnee eigentlich nichts sahen. Normalerweise ist die Aussicht von dort oben wohl gigantisch. Weil es dort oben sehr kalt war, haben wir uns schnell an den Absstieg gemacht. Ging das schön einfach! Allerdings fanden wir wieder keinen Weg vor, sondern nur kleine Flüsse in denen wir von Stein zu Stein springen mussten. So waren die Füße natürlich schnell nass. Wir kamen an einem wunderschönen türkisfarbenen See vorbei und unten im Tal sahen wir zwei grün schimmernde Seen und endlich etwas blauen Himmel. Auf der anderen Seite des Passes verbesserte sich das Wetter zum Glück schlagartig und wir konnten vereinzelte Schneegipfel entdecken. Nach siebenstündiger Wanderung ohne größere Pausen kamen wir an unserem Zeltplatz an, der wunderschön zwischen den Bergen an einem See gelegen war. Da die Sonne schon um 18 Uhr unterging und es dann auch schnell dunkel wurde, sind wir schon um ca. 19 Uhr ins Bett gegangen, weil es einfach nichts mehr zu tun gab und wir alle natürlich ziemlich erschöpft waren. Da die Nächte sehr kalt waren und der geliehene Schlafsack mir nur bis zur Brust reichte, habe ich immer mit Fleece, Wollsocken, Stulpen und Mütze geschlafen.
Als wir am nächsten Morgen wieder früh aus unseren engen Zelten krochen, schien endlich richtig die Sonne, was richtig gut getan hat. In einem engen Tal sind wir runter gelaufen und es wurde grüner und grüner. Wir kamen wieder durch ein paar kleine Dörfer, wo uns Kinder nach Süßigkeiten fragten. Heute sahen wir auch endlich mehr von der Cordillera Blanca und so konnte ich den letzten Tag noch richtig genießen. Trotzdem war ich dann doch ganz froh, als wir am Nachmittag dann in den Bus nach Huaráz steigen konnten, schließlich hatte ich drei Tage lang nicht geduscht und kein richtiges Klo gesehen! Ich habe mich auch schon sehr auf den Strand in Trujillo gefreut, wo ich mich von der Wanderung erholen wollte. Nach der ersehnten Dusche und einem leckeren Essen, bin ich mit der Holländerin auch schon in den Bus nach Trujillo gestiegen.

Sonntag, 11. Mai 2008

Lima

Insgesamt war ich fast eine Woche in der 8 Millionen-Stadt Lima. Nach dem beschaulichen Cusco mit seinen 300.000 Einwohnern war das natürlich erstmal ein kleiner Schock und ich musste mich etwas an die Hauptstadt gewöhnen. Schnell habe ich es aber auch zu schätzen gelernt, endlich mal wieder in einer richtigen Großstadt zu sein, wo man einfach fast alles findet. So hatte ich auch keine Schwierigkeiten meine Tage in Lima mit einem abwechslungsreichen Programm zu füllen.
Ich habe bei einem Verwandten meiner Gastfamilie gewohnt, was sehr hilfreich war, weil ich ohne ihn in dieser riesen Stadt echt aufgeschmissen gewesen wäre. Sehr hilfreich war auch, dass in Lima gerade eine Freundin wohnt, die mir viel zeigen konnte.
So waren wir beispielsweise zusammen in Miraflores, einem sehr reichen Viertel Limas, das mit seinen vielen Hochhäusern eher an eine amerikanische Stadt erinnert. Um allerdings ersteinmal dorthin zu kommen, saß ich fast eineinhalb Stunden im Bus! Das ist in Lima nicht ungewöhnlich, da die Stadt wie gesagt so riesig und das Verkehrsaufkommen ungemein groß ist. In Miraflores ist es einfach schön an der Küste entlang zu schlendern und sich in einen der vielen schönen Parks zu setzen. Dort kann man dabei auch ganz entspannt bleiben, weil Miraflores im Vergleich zu anderen Vierteln sehr sicher ist. Es gibt in Miraflores auch die Möglichkeit Gleitschirm zu fliegen, über dem Meer und an den Hochhäusern vorbei. Das sah einfach toll aus und hätte mich auch gereizt, doch leider war es viel zu teuer. Man kann dort auch sehr gut und teuer essen und einkaufen gehen, zum Beispiel im Larcomar-Einkaufszentrum. Dieses liegt direkt an der Küste und die Meerseite ist komplett verglast, so dass man eine tolle Aussicht hat. Den Sonnenuntergang sieht man von dort aus wohl auch ganz besonders schön, ich war jedoch leider immer zu spät dran.
An Miraflores schließt sich das Vergnügungs- und ehemalige Künstlerviertel Barranco an. Barranco gehört ebenfalls zu den reichen Teilen, gefiel mir aber deutlich besser als Miraflores. Dort sieht man statt der vielen Hochhäuser mehr alte schöne Kolonialhäuser. Nachts kann man zwischen unzähligen Bars, Clubs und Discos wählen. Es gibt sogar ein "Bierhaus", wobei ich nicht weiß was sich die Peruaner dabei denken. In Deutschland zumindest habe ich noch nie ein Bierhaus gesehen. An einem Abend waren wir in einem Club bei einem Konzert, was sehr gut und unterhaltsam war.
Das Zentrum konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Dieses unterscheidet sich mit seiner imposanten Kathedrale und den vielen großen Kolonialhäusern nochmal deutlich von Miraflores und Barranco. Die Plaza de Armas dort ist einfach riesig und sehr schön, da sie von gelben Kolonialhäusern mit aufwändig geschnitzten Balkonen umgeben ist. Auf ihr stehen auch viele Palmen und ein großer Brunnen. An einer Seite befindet sich der Regierungpalast, wo jeden Tag um 12 Uhr die Wachablösung stattfindet. Die Kathedrale ist bei weitem nicht die einzige Kirche im Zentrum. Wir haben uns noch die Kirche San Francisco mit dem schönen dazugehörigen Kloster und den gruseligen Katakomben, mit den viel Totenköpfen, angeschaut. Sobald man aus dem schönen Zentrum herauskommt, befindet man sich in einer sehr armen Gegend, wo man alleine echt aufpassen sollte. Das fand ich ziemlich schockierend. Auch als wir mit einem Touribus auf den Cerro San Cristobal gefahren sind, einem kleinen Berg im Zentrum, kamen wir durch sehr arme Gegenden, was für mich sehr bedrückend war. Oben angekommen war aber alles vergessen, da man von dort aus eine wunderbare Aussicht auf das Häusermeer Limas hat. Es war schon dunkel und die Lichter wollten, egal in welche Richtung man schaute, einfach nicht aufhören! Dort oben wurde einem Limas Größe richtig vor Augen geführt.
An einem Abend haben wir uns den "Circuito Magico del Agua" angeschaut. In einem Park gibt es ganz viele verschiedene Brunnen, unter anderem mit einer 80m Fontäne den höchsten der Welt. Jeden Abend findet dort eine Licht und Lasershow begleitet von Musik statt. Die Brunnen leuchten dann in allen Farben und sind einfach schön anzuschauen. Ein Brunnen ist so konstruiert, dass die Wasserstrahlen einen Tunnel bilden, durch den man durchlaufen kann und trocken wieder herauskommt. Ein anderer ist großflächig angelegt und das Wasser kommt abwechselnd aus verschiedenen Drüsen. Theoretisch ist es wohl möglich trocken in die Mitte zu kommen; die Leute, die es versucht haben, sind aber alle klatschnass geworden. Auf einem weiteren wurden viele Bilder und Lasereffekte gezeigt. So war es ein schöner unterhaltsamer entspannter Abend.
Um an einen schönen Strand zu kommen, muss man allerdings ein gutes Stück aus Lima heraus. Das haben wir an einem Tag auch gemacht und es war wirklich schön. Tagsüber war es zwar noch sehr heiß in Lima, der Pazifik war zum Baden aber schon fast zu kalt. Trotz der großen Wellen, haben wir uns aber reingetraut. Nachts wurde es aber auch immer schneller ganz schön frisch und so haben wir es mit unserem Wein am Strand nicht mehr so lange ausgehalten.
Das war ein kleiner Eindruck aus der großen Stadt Lima, durch den vielleicht deutlich wurde, wie viele verschiedenen Dinge man dort erleben kann. So hat mir Lima insgesamt auch echt gut gefallen. Manchmal habe ich mich aber auch etwas eingeschränkt gefühlt, weil man immer so vorsichtig sein muss, und war so schon ganz froh, als es wieder ins beschauliche Unterjesingen zurückging.

Donnerstag, 24. April 2008

Reisen

Also seit ca. 2 Wochen bin ich auf Reisen. Ich erlebe so viel Neues und unternehme so viel (u.a. den ganzen Tag am Strand in der Sonne liegen;-), dass ich gar nicht wirklich zum Blogschreiben komme. Aber in einer Woche fliege ich ja schon zurück und dann kann ich entweder persönlich von meinen Erlebnissen erzählen und für diejenigen, die ich erstmal nicht sehen werde, schreibe ich dann auch wieder Einträge. Bis dann!

Donnerstag, 10. April 2008

Die letzten Wochen bei der Arbeit

Ich habe ja schon fast nicht mehr daran geglaubt, aber die letzten beiden Wochen konnte ich doch tatsächlich noch mit den älteren Kindern zusammen arbeiten. Das war eine willkommene Abwechslung und hat meine Motivation wieder etwas gesteigert. Eigentlich hätten die Kinder ja schon am 3. März in die Schule gehen sollen, aber wie es hier in Peru nun mal so ist, dauerte es noch einen ganzen Monat länger. Aber schon davor haben wir mit acht der Grösseren
angefangen in der Behinderteneinrichtung selber zu arbeiten. Obwohl sie zwischen neun und 18 Jahren alt sind, können die wenigsten Buchstaben nicht einmal nach Vorlage schreiben und so haben wir uns darauf konzentriert ihre Geschicklichkeit durch Zeichnen, Malen und Kügelchen formen, die anschliessend in Zeichnungen geklebt wurden, zu fördern. Auch sollten sie die Alltagsgegenstände wie Zahnbürste, Besen, Kleidung... kennen und benutzen lernen. Während einige ganz gut mitgearbeitet haben und auch recht schnell lernten, bereiteten andere grosse Probleme. Ein Mädchen zum Beispiel fand immer eine Ausrede warum sie gerade nicht arbeiten kann. Entweder war es die fehlende Brille, ein schmerzender Finger oder sie verspürte regelmässig ganz plötzlich das dringende Bedürfnis auf die Toilette zu gehen. Ein Junge, der eigentlich sehr viel beherrscht, so kann er beispielsweise seinen Namen schreiben oder Türschlösser öffnen, um dann abzuhauen, bekommt öfters Anfälle und wird sehr aggressiv. Er geht dann auf die anderen Kinder los oder beschmiert einen mit seinem Speichel. Ein anderer Junge widerrum, langweilt sich sehr schnell, bekommt dann ebenfalls einen Anfall, fängt an zu heulen, zerreisst seine Klamotten, schlägt sich selber die Nase blutig oder schlägt die anderen Kinder und vorzugsweise auch mich. Da war sehr viel Geduld und Verständnis gefragt, was mir nicht immer leicht gefallen ist.

In meiner letzten Woche ging es doch tatsächlich noch in die Schule, oder eher gesagt in eine soziale Einrichtung, wo unserer kleinen Gruppe ein Raum zur Verfügung gestellt wurde. Die Direktorin wollte, dass die Kinder auch mal in die Stadt rauskommen und das Lernen von ihrem Zuhause getrennt bleibt. Da die Einrichtung aber in einem Randbezirk Cuscos liegt, das Klassenzimmer aber mitten im Zentrum, mussten wir jeden Tag eines der so genannten "Colectivos" nehmen. Das sind Kleinstbusse, die als Busersatz dienen sollen. Selbst ich haben in diesen kaum Beinfreiheit und sie werden auch gnadenlos "vollgeladen". Ausser dem Fahrer gibt es auch noch eine Person, die das Fahrgeld (S/0.6, keine 0.2 Euro) einsammelt. Ausserdem soll diese auch noch das Colectivo vollbekommen, das heisst an jeder Bushaltestelle gibt er im Vorbeifahren die Fahrtziele bekannt, was aber so schnell passiert, dass man kaum etwas versteht. Sobald er einen Fahrgast gefunden hat, schreit er: "¡Sube!" (einsteigen) und der Fahrer hält abrupt an. Wenn man aussteigen will, muss man rechtzeitig "¡Bajo!" (ich steige aus) rufen, sonst braust das Colectivo einfach an der Haltestelle vorbei. So war allein schon die Fahrt recht aufregend. Die Kinder waren so fasziniert, dass sie alle ganz brav und still waren.
Die Lehrerin hatte gewechselt und so verlief der Unterricht etwas anders. Wir malten und zeichneten auch, neu war allerdings, dass die Kinder jeden Tag Kartoffeln und Bohnen schälen sollen. Das fördert natürlich auch die Feinmotorik und noch dazu hat es den Kindern sehr gefallen. Ausser beim Essen war es sonst die so ruhig, da die Kinder sehr konzentriert arbeiteten. Ausgerechnet der Junge, der sich immer so schnell langweilt und dann seine Anfälle bekommt, war der absolute Meisterschäler. Plötzlich war er total ruhig und schälte seine Kartoffeln sehr gründlich, so dass keine schwarze Stelle übrig blieb. Danach räumten die Kinder noch das Klassenzimmer auf, bevor wir dann immer noch etwas durch die Stadt bis zur Bushaltestelle gebummelt sind. Das hat den Kindern auch immer ausgesprochen gut gefallen, da sie so viele neue Dinge entdecken konnten.

Irgendwann war der letzte Tag gekommen und ich musste mich von den Kindern und meinen Mitarbeitern verabschieden. So habe ich eine Schokotorte und Limo mitgebracht, worauf sich die Kinder freudig gestürzt haben. Der Abschied fiel mir ganz schön schwer, weil ich die Kinder in den drei Monaten richtig ins Herz geschlossen habe, obwohl es oft auch echt schwierig mit ihnen war und ich gemerkt habe, dass mich viele Kinder auch liebgewonnen haben, wofür sich die ganze Arbeit echt gelohnt hat!

Dienstag, 8. April 2008

Meine peruanische Gastfamilie

Jetzt ist mein Aufenthalt in Cusco schon um, aber vielleicht interessiert es den ein oder anderen ja doch noch, in was für einer Familie ich die sechs Monate gelebt habe.

Abuelita Visi:
Sie ist die Mutter meiner Gastmutter und schon über 90 Jahre alt. Da sie an starkem Rheuma leidet, kaum noch laufen kann, schlecht sieht und schlecht hört, hält sie sich fast ausschliesslich in ihrem Zimmer auf. Deshalb habe ich sie die ganze Zeit über auch nie wirklich kennen gelernt. Geistig ist sie wohl aber noch sehr wach, und weniger vergesslich als ihre eigene Tochter.

Señora Emmita:
Meine Gastmutter ist schon 64 Jahre alt und so ehrer eine Oma für mich. Ihre grosse Herzlichkeit und Führsorge tragen zu diesem Gefühl bei. Sie ist schon seit über 20 Jahren verwitwet und hat hart gearbeitet, um ihren drei Töchtern ein schönes Leben zu ermöglichen. Zwar ist sie schon seit vielen Jahren in Rente, sie war Lehrerin, aber auch noch heute arbeitet sie unglaublich viel. Fast immer sieht man sie beschäftigt in der Küche oder im sonstigen Haushalt. Um noch etwas hinzuzuverdienen, hat sie zum Beispiel zu Ostern mehrere Hundert Empanadas gebacken, die sie dann an Freunde und Verwandte verkauft hat. Auch hat sie schon unglaublich schöne Tischdecken und Servietten bestickt, um sie zu verkaufen. Obwohl sie dadurch oft sehr spät ins Bett geht, steht sie eigentlich immer um 6 Uhr morgens auf um das Frühstück und die Einkäufe zu machen. Die einzige Pause gönnt sie sich zu ihren Telenovelas. Um Punkt 20 Uhr lässt sie alles stehen und liegen, weil dann ihre Lieblingstelenovela anfängt. Immer wenn einer ihrer zahlreichen Freunde und Verwandten vorbeikommt, nimmt sie sich auch viel Zeit für sie und serviert ihnen Leckereien. Sie ist auch sehr gläubig und so geht sie wenn sie Zeit hat, zur Messe und engagiert sich in vielen Kirchenkreisen.

Lula:
Lula ist mit 34 Jahren eigentlich die älteste Tochter. Eigentlich, weil sie von sich selbst sagt, dass sie im Kopf noch 15 Jahre alt ist, was oft gut zutrifft. So ist sie zum Beispiel eine gnadenlose Partygängerin. Unter der Woche? Mehrmals hintereinander? Für Lula kein Problem! Dazu kommt sie immer erst morgens ziemlich betrunken nach Hause. Bei Cuba Libre kann sie einfach nicht widerstehen. Wenn es um irgendwelche Ausgaben und Preise geht, kommt von ihr immer die Anzahl der Cuba Libres, die man für dieses Geld kaufen könnte. Am Tag nach einer ausschweifenden Partynacht bekommt man sie kaum zu Gesicht, weil es ihr so schlecht geht und sie den Tag nur im Bett verbringt. Sobald aber einer ihrer Partyfreundinnen anruft, die noch verrückter sind, ist sie wieder topfit und bereit für die nächste Party. So kommt es, dass ihr Sohn Fabrizzio seinen nachtaktiven Fisch nach seiner Mutter benannt hat. Ausserdem hat Lula eine ausgesprochene Vorliebe für junge, hübsche Typen, von denen sie regelmässig schwärmt. Als ich einmal mit ihr in einem Taxi sass, schrie sie plötzlich: "¡Mira!" ("Schau!"), womit sie mich zu Tode erschrocken hat, weil ich gedacht habe, das Auto baue gleich einen Unfall. Aber das hätte sie wahrscheinlich nur halb so aufgebracht, wie die Grupper hübscher Kerle, die sie am Strassenrand erspät hat. Ausserdem ist sie ein absoluter Film- und Musikfilm. Sie bevorzugt Komödien, weil wenn ein Film auch nur eine Spur von traurig ist, ihr gleich die Tränen kommen. Ihre Lieblingsmusik ist Reaggeton, was absolute Partymusik ist.
Was ich an Lula auch noch mag, ist dass sie sehr begeisterungsfähig ist, fast alles "¡lindo!" (schön) findet und fast jeder ist gleich "muy buena gente" (ein toller Mensch) für sie. Passend zu ihrem lebendigen Charakter, bestitzt sie unglaublich viele bunte mit lustigen Motiven und Sprüchen bedruckte T-Shirts, sowie Crocks in allen Farben.
Wenn man das jetzt so liesst, kann man es kaum glauben, dass Lula doch tatsächlich studierte Buchhalterin ist! Im Moment arbeitet sie aber auftragsweise für ein Unternehmen aus Lima, wodurch sie viel Zeit hat fürs Fitnessstudio, Englischunterricht, den Haushalt und natürlich zum Feiern.

Karina:
Karina ist 33 Jahre alt und lebt seit 3 Jahren mit ihrem kanadischen Mann peruanischer Abstammung und ihrer kleine Tochter Daniela in Montreal, Kanada. Das ist für sie oft gar nicht so einfach, weil sie sehr an ihrer Familie hängt. So kommt sie so oft sie kann nach Peru und ruft täglich an. Oft um nach Rezepten zu fragen, weil Kochen überhaupt nicht ihr Ding ist. Dagegen wäscht, malt, stickt und dekoriert sie ausgesprochen gerne. Sie achtet sehr auf ihr Aussehen und das ihrer Tochter. So bringt sie jedesmal Unmengen von Gepäck mit, unter anderem einen Koffer für Kosmetikprodukte und einen für Daniela. Ihre Tochter ist fast ausschliesslich mit Tommy Hilfiger gekleidet, wo Karina arbeitet. Eigentlich hat sie aber Tourismus studiert, womit sie in Kanada aber leider nicht viel anfangen kann. Das klingt jetzt alles ziemlich oberflächlich, was aber gar nicht zu trifft. Sie ist wie alle aus ihrer Familie unglaublich, nett, herzlich und offen.

Emma:
Sie ist mit ihren 32 Jahren die Jüngste der drei Schwestern. Emma ist eine sehr fleissige, gewissenhafte und gute Anwältin. Leider muss sie aber sehr viel arbeiten. Fast täglich macht sie unbezahlte Überstunden, geht auch mal am Wochenende zur Arbeit und hat dazu im Jahr nur einen Monat Ferien, wenn überhaupt. Sie wirkt auch noch wesentlich jünger, bleibt am Wochenende im Gegensatz zu ihrer ältesten Schwester aber lieber zu Hause und schaut Novelas, Kochsendungen, Fashion-TV oder liest ihre geliebte Cosmopolitan. Für Lula ist sie so sehr langweilig, auch weil Emma kaum etwas trinkt. Da sie ganz gut verdient, noch zu Hause wohnt und kein Kind hat, kann sie sich unglaublich viele Klamotten und Kosmetikprodukte leisten. Manchmal wirkt sie wie Fabrizzios Mutter, weil sie oft viel strenger mit ihm ist als Lula. Fabri lässt sich davon aber nicht gross beeindrucken. Während Lula diejenige ist, mit der man viel Spass haben und super weggehen kann, kann ich mich mit Emma sehr gut unterhalten und wir sitzen nach dem Abendessen noch oft lange zusammen und reden über Jungs, Peru, Klamotten, ihre Arbeit... Sie ist wirkt zwar erstmal etwas schüchtern und zurückhaltend, aber sie redet auch gerne und viel und bringt mit ihrem Humor die Familie oft zum Lachen.

Fabrizzio:
Fabri ist Lulas 14-jähriger Sohn. Er ist zwar echt schlau, aber unglaublich faul. So sind ihm die Schule und der tägliche Englischkurs verhasst. Er widmet seine Zeit lieber seinem gigantischem Aquarium. Sobald er nur ein bischen Geld besitzt, kommen neue Steine, Pflanzen oder Fische hinzu. Vergeblich versucht er seine Faszination auf den Rest der Familie zu übertragen. Wenn man mit ihm redet, endet das Gespräch immer bei seinem Aquarium. Das macht er so penetrant, dass wir anderen, um ihn etwas aufzuziehen, oft einfach die Flucht ergreifen, wenn er wieder von seinen Fischen anfängt. Fast genauso wie sein Aquarium liebt er Musik der 80-er Jahre, vor allem aber YMCA, was ich jetzt fast auswendig kann. So entsteht im Wohnzimmer immer ein regelrechter Musikkrieg, weil der Rest der Familie lateinamerikanische Musik bevorzugt. Deshalb lässt er sich aber noch lange nicht von seinem etwas aussergewöhnlichen Musikgeschmack abbringen. Er tanzt auch mal gerne mit den Orginalschritten vor und stört sich nicht daran, dass seine Familie vor Lachem am Boden liegt. Fabri steh mit seiner jungen Mutter eher in einem geschwisterlichen Verhältnis. So ziehen sie sich gerne gegenseitig auf oder kloppen sich etwas. Sie laufen auch beide fast immer in ihren Crocks rum.Manchmal wirkt er aber auch wie ihr Vater, wenn er seine Mutter ermahnt, nicht so viel wegzugehen und nicht so viel zu trinken. Das widerum veranlasst Lula dazu, zu sagen er wirke wie ein Opa und sei todlangweilig. Es gibt aber auch Momente, in denen man merkt, dass Fabri Lulas Sohn ist. Er kommt nämlich oft an, um von seiner Mutter in den Arm genommen zu werden oder um sie zu knuddeln.

Daniela:
Daniela ist Karinas Tochter und etwas älter als ein Jahr. Sie ist ein kleines, unglaublich süsses und sehr, sehr freches Pummelchen. Karina verzweifelt regelmässig an ihrer frechen Tochter. Daniela zieht mit Vorliebe die Tischdecken von gedeckten Tischen herunter, verteilt das Essen im ganzen Zimmer oder räumt Ladentheken ab. Wenn man dann mit ihr schimpft, strahlt sie einen nur an, und macht grad weiter.


Allesamt sind sie ungemein nett, herzlich und lustig. So sind die gemeinsamen Essen immer äusserst unterhaltsam, weil sie viele lustige Geschichten auf Lager haben, die sie lebendig zu erzählen wissen. Sie sagen mir immer, dass ich noch länger bleiben soll und wollen nicht, dass ich gehe. Oft fragen sie mich, wann ich denn wiederkomme, in mein cusqueñer Zuhause. So habe ich mich die ganze Zeit bei meiner Famile total wohl gefühlt und bin schon sehr lange traurig, sie so bald verlassen zu müssen. Ich werde sie einfach total vermissen!

Sonntag, 30. März 2008

Viertägiger Dschungeltrip ins Tambopatareservat

Peru verfügt nicht nur über Berge, Wüste und Küste, sondern auch über ein grosses Dschungelgebiet, was 3/5 der Landesfläche ausmacht. Die Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so bin ich für vier Tage ins Tambopatareservat gegangen. Dessen Regenwald gilt als der artenreichste der Welt. Peru ist sich schon recht früh über den ungemeinen Reichtum des Regenwaldes klargeworden und hat weite Teile streng geschützt.
Der Flug nach Puerto Maldonado dauerte keine halbe Stunde. Erst überflogen wir die schönen Anden, dann sah man eine Zeit nur Wolken und schon befanden wir uns über dem unendlich erscheinenden grünen Meer des Dschungels. Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt, denn durch die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit bekam ich zunächst gar keine Luft! Auf dem Boot, mit dem wir zur Lodge gefahren sind, wehte aber zum Glück ein angenehm frischer Wind und wir sassen im Schatten. Sobald es aber angehalten hat, fiel die Hitze wieder über einen her, ebenso die Moskitos. Die Bootsfahrt zur Lodge dauerte über drei Stunden und war zunächst echt interessant, weil man damit beschäftigt war die ganz neue Umgebung und die vielen neuen Eindrücke aufzunehmen. Aber ich war dann doch sehr froh, als wir am späten Nachmittag endlich angekommen sind. Wir wurden mit einem exotischen, erfrischenden Fruchtcocktail begrüsst. Hat das gut getan! Ich war ganz begeistert von der Lodge. Sie war zwar recht einfach, so ist sie nach traditioneller Art aus Holz und Palmblättern erbaut und es gibt nur im Essraum durch Solarenergie Strom, aber einfach schön. So mitten im Regenwald gelegen. Wahrscheinlich hat mich aber auch gerade diese Einfachheit begeistert. Wer will im Dschungel auch schon in ein Luxushotel? Wenn ich in mein Zimmer gekommen bin, wollte ich immer automatisch nach einem Lichtschalter suchen, musste dann aber zur Streichholzschachtel greifen. Das Zimmer besass natürlich auch keine Fenster sondern nur Moskitonetze, aber immerhin ein eigenes Bad mit richtiger Dusche und richtigem Klo. Zum Duschen blieb mir aber kaum Zeit, weil wir auf Kaimansuche gehen wollten. Kaimane sind eine Alligatorenart. Zunächst bekamen wir aber eine ausführliche Einführung, zu der leckere, salzige Bananenchips serviert wurden. Ich bin irgendwie in die Spanisch- und nicht in die Englischgruppe gerutscht. Das war aber auch gut so, denn ich hatte kaum Verständnisschwierigkeiten und die Gruppe bestand ausser mir nur noch aus einem argentinischen Ehepaar. Es war schon dunkel als wir endlich ins Boot gestiegen sind. Wir mussten ganz leise sein, während unserer Führer die Böschungen mit einem starken Scheinwerfer abgeleuchtet hat. Trifft das Licht auf einen an der Oberfläche schwimmenden Kaiman, so leuchten seine Augen rot auf und das Boot kann sich ihm vorsichtig nähern. Gleich am Anfang haben wir einen kleinen Kaiman entdeckt. Bei dem Gedanken, dass in dem Fluss, wo so viele Kaimane leben viele Leute schwimmen gehen, wurde mir bei dessen Anblick ganz mulmig zu mute. Mitten auf dem Fluss hat das Boot dann angehalten, der Motor wurde ausgestellt, das Licht wurde ausgemacht und jeder sollte ganz ruhig sein, um den Dschungel bei Nacht so richtig aufnehmen zu können. Das war ein tolles Erlebnis - der Mond schien und die Zikaden zirpten um die Wette. Ich hätte so ewig verweilen können. Aber schliesslich wartete das Abendessen in der Lodge auf uns und so haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Der Appetit wurde mir aber noch etwas verdorben, weil wir uns noch eine riesige Tarantel angeschaut haben, die sich in der Nähe der Lodge an einem Baumstamm ihr Nest gebaut hat. In der Nacht hatte ich so in meinem Zimmer immer etwas Angst, dass plötzlich so ein Vieh auftaucht, was natürlich nicht passiert ist. Vor dem Schlafengehen habe ich noch bei Kerzenlicht Tagebuch geschrieben und die Dschungelgeräusche auf mich einwirken lassen.

Am nächsten Morgen wurden wir schon um 4:30 Uhr geweckt! Wir wollten nämlich schon eine Stunde später zu einer 6-stündigen Dschungelwanderung aufbrechen und davor noch frühstücken. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, einem Bambusstock, langer Kleidung und viel Mückenschutzmittel haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Jetzt ging es das erste Mal richtig in den Dschungel! Na ja, auch nicht so ganz, denn schliesslich liefen wir auf angelegten Wegen und nicht durch das dichte grüne Dickicht. Das war aber schon beschwerlich genug, da die Wege teilweise sehr matschig waren und man oft fast bis zum Knie eingesunken ist. Durch die Umgebung wurde man aber mehr als entschädigt! Wir sahen viele exotische Pflanzen, Insekten, Frösche und Schmetterlinge in allen Farben und Grössen. Ab und zu haben wir uns auch ganz vorsichtig an einen schönen Vogel angeschlichen. Obwohl es dort unglaublich viele Tiere gibt, unter anderem auch Jaguare, ist es leider sehr schwierig diese auch zu sehen. Der Wald bietet ihnen einfach einen zu guten Schutz und sie sind natürlich sehr scheu. Als wir vergeblich nach Affen geschaut haben, lief plötzlich ein Ozelot an uns vorbei! Dieses sieht aus wie ein kleiner Jaguar. Ich habe es aber leider nur noch weglaufen gesehen. Unser Guide hat uns auch unglaublich viele Heilpflanzen gezeigt. Wenn er krank ist geht er nicht zum Arzt sondern in den Dschungel. Dort gibt es einfach Pflanzen gegen alles! Gegen Krebs, Fieber, Durchfall, zur schnelleren Wundheilung... Er liess uns auch viele Pflanzen und Früchte probieren. Wir sind auch an 60m hohen Bäumen mit unglaublich dicken Stämmen vorbei gekommen, sowie an Kautschukbäumen und dem so genannten Knoblauchbaum. Dessen Rinde riecht wie Knoblauch und wird von den Einheimischen auch als Mückenschutzmittel benutzt. Vor einem dieser unglaublich dicken Baumstämme hat der Argentinier die Fahne seines Lieblingsfussballclubs ausgepackt und sich fotografieren lassen - das sind Fans! Dann sind wir auch noch auf zwei seltsame Palmen gestossen. Zum einen war das die laufende Palme, deren Wurzeln schon ein gutes Stück über dem Boden anfangen, so dass es aussieht, als stehe sie auf ganz vielen Beinen. Die Wurzeln wachsen wohl auch immer auf der sonnenbeschieneneren Seite, so dass sie sich mehr Richtung Sonne bewegt und man den Eindruck bekommen kann sie laufe. Zum anderen sahen wir die erotische Palme. Deren Wurzeln, die ebenfalls weit über dem Boden wachsen, sehem dem männlichen Geschlechtsteil sehr ähnlich und haben so schon viele Dschungelbesucher in Verlegenheit gebracht.
Nach etwa drei Stunden und vielen neuen Eindrücken sind wir an unserem Ziel angekommen, an einem grossen See. In diesem See leben die vom aussterben bedrohten Riesenotter, die wir von weitem mit dem Fernglas beobachten konnten. Ausserdem sahen wir noch viele grosse, schöne Vögel und haben einfach im Kanu gesessen und diese wunderbare Stille auf dem See genossen. Da haben selbst die Moskitos und die intensive Sonneneinstrahlung kaum gestört.
Auf dem Rückweg hatten wir doch noch das Glück und haben eine ganze Horde kleiner Affen gesehen, die waghalsig von Baum zu Baum entlang des Weges gesprungen sind. Fotografieren lassen wollten sie sich leider nicht wirklich, obwohl sie sehr neugierig und gar nicht scheu waren. Ein süssen kleines Baby war auch dabei. Total erschöpft, denn es war inzwischen schon Mittag und drückend heiss, kamen wir wieder in der Lodge an.
Den Nachmittag über haben wir uns ausgeruht. Wir waren immer noch sehr kaputt und es ist einfach viel zu heiss, um etwas zu unternehmen. Ausserdem hat man morgens einfach die besten Chancen, Tiere zu sichten. Ich habe den Nachmittag lesend auf der Veranda in einem Liegestuhl verbracht. Trotz der Mücken kann man sich dort wunderbar entspannen. Man schaut in den Regenwald und hört die ganzen beruhigenden Dschungelgeräusche.
Vor dem Abendessen haben wir noch eine kleine Nachtwanderung gemacht. Der Regenwald ist einfach stockdunkel! In der Nacht kann man besonders gut Insekten, Frösche und nachtaktive Schmetterlinge sehen. Wäre unser Guide nicht gewesen , so hätte ich viele Tiere gar nicht gesehen, da sie wunderbar getarnt sind. Die Rücken der Frösche sehen Blättern zum Beispiel zum Verwechseln ähnlich. Wieder haben wir eine kleine Besinnungspause eingelegt und unsere Taschenlampen ausgestellt. Man sah nicht einmal die eigene Hand vor den Augen. Im Dunkeln und in der Stille konnte man die Geräusche und Atmosphäre besonders gut auf sich wirken lassen.
Beim Abendessen hat uns unser Guide dann erzählt, dass er die ganze Zeit ein Tapier gehört hat. Am Tag hatten wir Tapirspuren gesehen und die sind beängstigend gross! Um uns keinen Schrecken einzujagen, hat er es uns lieber erst nachher erzählt.

Am nächsten Tag konnten wir richtig ausschlafen, das heisst bis 5 Uhr. Da der Betrieb aber immer schon so um 4 Uhr los geht und die Dschungelgeräusche recht laut sind, war ich um diese Uhrzeit schon hellwach, was mir sonst nie passiert. Wir sind zu einer kleinen Papageienlehmlecke gefahren. In gut getarnten Häusschen mit nur einem kleinen Sehspalt und mit Ferngläsern bewaffnet haben wir auf die Papageien gewartet. Doch sie wollten nicht kommen! Es trieb sich nämlich ein Raubvogel um die Lehmlecke herum und so haben sich nur vereinzelte Papageien hergetraut. Diese waren grün und selbst mit Fernglas im Laub nur schwer zu entdecken. Nach einer Stunde sind wir etwas enttäuscht wieder aufgebrochen. Doch wir hatten Glück, denn die Papageien sind zu einer anderen Stelle am Flussufer ausgewichen, so dass wir sie vom Boot gut beobachten konnten. In Scharen kamen sie an und sassen an der Lehmwand, wo sie den Lehm assen. Das tun sie wohl, weil der wertvolle Mineralien enthält und ihren Körper von Giftstoffen befreit. Es war auf jeden Fall ein tolles, farbiges Spektakel!
Nach dem Frühstück haben wir uns noch die lodgeeigene kleine Ausstellung der Pflanzen und Tiere der Umgebung angeschaut. Wir sahen handgrosse Käfer, Piranhaskellette mit ihren langen scharfen Zähnen, eingelgte riesige Schlangen und viele unheimliche Tiere mehr. Da war ich ganz froh, dass die Tier doch so scheu sind.
Nach einer kurzen Pause haben wir eine Gemeinde von Einheimischen besucht. Doch leider war niemand von ihnen anzutreffen. Viele Familien sind auch in die Stadt, nach Puerto Maldonado, gezogen. Die Einheimischen besitzen ein grösseres Stück Sekundärwald, das sie bewirtschaften dürfen. Im Reservat selber darf weder Landwirtschaft betrieben werden, noch gejagt werden. Die Lodge hat ein enges Verhältnis zu einer der Familien. Der Besitzer hatte der Familie einst das Stück Land abgekauft, auf dem heute die Lodge steht. Er musste der Familie nicht nur Geld zahlen, sondern auch garantieren, dass die Lodge ihre Früchte von der Familie bezieht, Familienmitglieder einstellt und dass die Familie die Boote der Lodge mitbenutzen kann. Das nenne ich eine lobenswerte Kooperation. Wir wurden auf dem Grundstück der Familie herumgeführt und durften viele Früchte probieren. So assen wir Orangen, Sternfrucht, die leckere Frucht der Kakaopflanze und Cocoçao, eine brasilianische Frucht, aus der man besonders gut Cocktails machen kann. Ausserdem sahen wir Kaffeepflanzen, Bananenstauden und die Yukapflanze, deren Wurzeln man essen kann und die etwas an Kartoffeln erinnert. Diese Früchte kennt man bei uns nur aus dem Supermarkt und es war toll sie sich direkt vom Baum pflücken zu können und sie dann zu essen. Mmmh!
Am späten Nachmittag haben wir uns nochmal zu einem kleinen Dschungelspaziergang aufgemacht, aber leider ausser Insekten und Fröschen und den vielen Pfanzen nicht mehr gesehen. Danach sind wir zum Flussufer gelaufen, von wo aus man ganz wunderbar den Sonnenuntergang beobachten kann. Dieser war total farbintensiv und zu der Umgebung einfach richtig schön!
Damit war auch schon mein letzter Tag in der Lodge vergangen. Es ging einfach viel zu schnell! Andererseits braucht man aber auch sehr lange, um sich an das anstrengende Klima zu gewöhnen und ich habe mich schon wieder auf das frische Cusco gefreut.

Nach einem FRÜHstück sind wir auch schon mit dem Boot nach Puerto Maldonado aufgebrochen. Während der Bootsfahrt habe ich noch ein letztes Mal die tolle Dschungelatmosphäre genossen, die ich so schnell bestimmt nicht mehr erleben werde.

Mittwoch, 19. März 2008

Sucre

In Sucre habe ich meinen ehemaligen Klassenkameraden Christian besucht, der dort seinen Zivi macht.

Ich bin morgens angekommen und wir sind ersteinmal richtig lecker frühstücken gegangen. Vom Café aus hatte man eine wunderbare Aussicht auf Sucre. Danach sind wir ins Zentrum gelaufen. Sucre soll die schönste Stadt Boliviens sein und soweit ich das beurteilen kann, stimme ich dem auf jeden Fall zu. Sie wird auch "Ciudad Blanca", die weisse Stadt, genannt, da sich im Zentrum zahlreiche wunderschöne weisse Kolonialhäuser und Kirchen befinden. Der Markt dort hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, weil man dort für ein paar Bolivianos leckere frischgepresste Fruchtsäfte bekommt.
Am Nachmittag haben wir uns mit den anderen Zivis und Freiwilligen ein Fussballspiel angeschaut. Dafür mussten wir nur 8 Bolivianos zahlen, also keinen Euro. Und das war auch gut so, denn das Spiel war total langweilig und von niedrigem Niveau, obwohl es erste Liga war. Ich möchte mal behaupten, dass bei uns Drittligamannschaften bei weitem besser sind.
Abends sind wir noch Volleyballspielen gegangen. Obwohl ich seit Oktober keinen Sport mehr gemacht habe, fand ich es gar nicht anstrengend. Vielleicht macht sich Cuscos Höhe doch bemerkbar. Danach waren wir noch in einem "Gringoschuppen" lecker essen und haben uns noch einen Drink in einer netten Bar gegönnt.

Am Sonntag haben wir einen kleinen Ausflug zum "Parque Bolivar" gemacht, der mir echt gut gefallen hat, da es dort auch einen kleinen süssen Rummel gibt, mit Ponyreiten, Riesenrad, Zuckerwatte... Da kamen richtig Kindheitserinnerungen hoch. Man hatte das Gefühl, man befände sich in einem westlichen Stadtpark und nicht mitten in Südamerika. Das dortige Eifelturmmodell hat aber ganz sicher nicht dazu beigetragen. Denn der "bolivianisch Eifelturm" sah alles andere als originalgetreu aus und war eher lächerlich als schön.

Am Montag, meinem letzten Tag in Sucre, haben wir das "Museo de Arte Indígena", das Museum der indigenen Kunst, besucht, wo vor allem die verschiedenen Webkünste thematisiert werden. Es war wirklich interessant und die feinen, sehr komplizierten Muster sehr beeindruckend. Man konnte dort auch einer Frau beim Weben zusehen. Respekt! Das ist einfach eine Heidenarbeit und mir ist es auch ein Rätsel wie man bei so vielen Fäden den Überblick behalten kann. Für ein Tuch brauchen die Frauen drei Monate, vorausgesetzt sie arbeiten täglich viele Stunden daran. Da die Indígenas aber noch Arbeiten auf den Feldern und im Haushalt erledigen müssen, brauchen sie meistens doch ein halbes Jahr!
Anschliessend waren wir noch etwas essen und dann musste ich schon zum Bus. Wir hatten uns etwas verkalkuliert und so wurde es am Ende noch ganz schön stressig. Zwei Minuten vor Abfahrt kam ich am Busterminal an! Es hat aber noch alles wunderbar geklappt und einige Reisende waren sogar noch später dran.

Sonntag, 16. März 2008

La Paz

Mitte Februar lief mein Touristenvisum ab und um es verlängert zu bekommen, bin ich für eine Woche nach Bolivien gereist. Da meine Mitreisenden leider alle abgesprungen sind, habe ich mich mit einem etwas ungutem Gefühl alleine auf den Weg gemacht, weil mein Visum nun einmal verlängert werden musste.
Aber gleich am Terminal habe ich eine Engländerin kennen gelernt, mit der ich mich dann während der zwölfstündigen Nachtfahrt unterhalten habe. Früh am nächsten Morgen kamen wir an der bolivianischen Grenze an, die noch gar nicht geöffnet hatte. Es hatte sich jedoch bereits eine ewig lange Schlange gebildet. So mussten wir insgesamt bei prallem Sonnenschein zwei Stunden lang ansstehen, um die Aus- und Einreiseformalitäten zu erledigen. Wäre nicht unser ungeduldiger Busfahrer gewesen, der uns am Ende einfach durchgeschleust hat, hätte es noch viel länger gedauert, denn die Bolivianer wollten der Engländerin kein Touristenvisum geben, mit der Begründung, es gäbe kein England!
Mittags kamen wir dann endlich in La Paz an. La Paz ist Boliviens grösste und wichtigste Stadt, Hauptstadt ist allerdings Sucre, obwohl sich dort nur noch der oberste Gerichtshof befindet, alle anderen Regierunginstitutionen befinden sich in La Paz. Der Anblick war ganz schön beeindruckend, weil die Stadt in einem Talkessel liegt und sich Lehmhäuser weit in die Berge hoch hinaufziehen.
Für den Nachmittag habe ich mich gleich mit der Engländerin zum Essen verabredet. Nach dem Essen sind wir noch über den "Hexenmarkt" geschlendert. Dort werden viele Artikel zur Pachamamaverehrung, zur Verehrung der Muttererde, verkauft, darunter so gruselige wie Frösche und Lamaföten! Letztere werden beim Hausbau in einer Ecke vergraben, weil es Glück bringen soll. Ausserdem wurden noch allerlei Pülverchen für die Liebe, das Geld, das Glück usw. angeboten.
Anschliessend habe ich das äusserst interessante Coca-Museum besucht, wo jegliche Aspekte der Cocapflanze, vom Anbau, über die Bedeutung bis zum Missbrauch, anschaulich dargestellt wurden. Auf dem Weg zurück zum Hostal habe ich noch viele Souvenirs gekauft.

Am nächsten Morgen hiess es früh aufstehen, da ich eine Stadtrundfahrt gebucht hatte. Ja, ich habe es nocheinmal gewagt und bin in einen dieser Touribusse gestiegen. Zum Glück wurde ich aber belohnt, denn diesmal war es wirklich interessant und ich kam mir auch nicht ganz so blöd vor. Was den Peinlichkeitsfaktor schon einmal etwas heruntergeschraubt hat, war, dass es keinen Führer mit einem albernen Hut gab, der ins Mikro gesprochen hat, sondern nur Kopfhörer. So bekam ich die Informationen sogar auch auf Deutsch. Ausserdem muss man in La Paz auch etwas aufpassen, wenn man alleine unterwegs ist. Zunächst sind wir durch den historischen Teil gefahren, vorbei an vielen etwas heruntergekommenen aber immer noch sehr schönen Kolonialhäusern, Regierungsgebäuden und hässlichen Wolkenkratzern. Auch haben wir einen Aussichtspunkt besucht, wo man nochmals die fantastische Lage von La Paz bewundern konnte. Die schneebedeckten Gipfel der Umgebung konnte man aber leider wegen einiger Wolken nicht sehen. Anschliessend ging es hinunter in die Zona Sur. Diese liegt auf etwa 3000m, also 1000 Meter unter El Alto, wo viele Arme wohnen. Dort ist das Klima sehr viel angenehmer und es haben sich viele Reiche angesiedelt. Es war eine ganz andere Welt. Plötzlich war man nicht mehr von Lehmhäusern umgeben, sondern von kleinen, bestens gesichertenVillen. Man fühlte sich eher wie in einer amerikanischen Vorstadt, als wie in Bolivien. Es fuhren dort auch viele dicke Autos herum und ein Golf- und Tennisclub durften natürlich nicht fehlen. Der Bus verliess La Paz und wir erreichten das "Valle de la Luna", das Mondtal. Dort haben sich durch Regen und Erosionen bizarre Felsformationen gebildet, so dass man wirklich fast meinen könnte, man befände sich auf dem Mond. Nur das Hüpfen wollte nicht so recht klappen. Damit war die Tour beendet. Mit einem amerikanischen Pärchen wollte ich zurück ins Zentrum laufen, vorbei an einer Demonstration. Ich hatte schon ein etwas ungutes Gefühl, aber zunächst verlief alles ganz ruhig. Plötzlich jedoch, kam eine Kolonne von Polizisten auf Motorrädern an und fing an mit Tränengas zu schiessen. Alle sind einfach nur panisch geflüchtet, denn das Tränengas hatte es echt in sich. Augen, Nase und Rachen fingen total an zu brennen und man bekam kaum noch Luft. Zum Glück verzogen sich die Polizisten aber wieder schnell und der Amerikaner konnte nicht widerstehen und wollte nocheinmal hinunter auf die Strasse. Da ich gerne mit den beiden laufen wollte, bin ich mitgekommen - ein Fehler!- denn die Polizisten kamen nocheinmal an! Der Amerikaner hatte aber immer noch nicht genug und ist ein drittes Mal runter auf die Strasse. Mir hat es nun aber endgültig gereicht und ich bin dann lieber alleine im sicheren Abstand zum Schlachtfeld ins Zentrum gelaufen. Ich habe es auch eigentlich richtig genossen, in meinem eigenen Tempo zu gehen und mir die Sachen anzuschauen, die mich interessierten. So bin ich nocheinmal zur schönen "Plaza Murillo" mit den Regierungsgebäuden und zur "Calle Jaén", der schönsten Strasse von La Paz. Diese ist eher ein kleines gepflastertes Gässchen und wird von sehr schönen Kolonialhäusern in allen Farben gesäumt.
Nach einer kleinen Pause bin ich auf Shoppingtour gegangen, leider ohne Erfolg.

Am Abend bin ich für drei Tage nach Sucre gefahren, aber dazu später mehr.

An meinem letzten Tag in La Paz bin ich mit einem dieser tollen alten schrecklich stinkenden Mikros nocheinmal zum "Valle de la Luna" gefahren, da wir bei der Stadtrundfahrt dort nur einen kleine Stopp eingelegt hatten. Diesmal habe ich mir richtig viel Zeit genommen in dem Tal herumzuwandern und Fotos zu machen.
Da meine erste kleine Shoppingtour erfolglos war, habe ich mich nochmals auf die Jagd nach Klamotten gemacht, diesmal erfolgreich. Es ist gar nicht so einfach in La Paz schöne normale Klamotten zu finden. Findet man solche, entsprechen die Preise fast europäischem Niveau.

Am nächsten Morgen habe ich mich auf den Rückweg nach Cusco gemacht. Der war sehr unangenehm, da der Bus einen ganzen Tag lang fuhr und man sich die Fahrt so kaum durch Schlafen verkürzen konnte. Wenigstens habe ich noch einen Brasilianer kennengelernt, mit dem ich mich unterhalten konnte und an der Grenze lief diesmal alles Ruckzuck.

Im Nachhinein fand ich es gar nicht so schlimm, alleine unterwegs gewesen zu sein, weil man alleine viel schneller Leute kennenlernt und so gar nicht wirklich alleine ist. Man ist auch viel unabhängiger und kann das machen, was einem gefällt. Dennoch war ich dann froh, wieder in Cusco bei meiner Gastfamilie zu sein.

Samstag, 8. März 2008

Chaska Wasy - Hogar de las Estrellas

Jetzt wird es aber wirklich Zeit für einen Blogeintrag über meine Arbeit!

Ich habe in der Behinderteneinrichtung Chaska Wasy - Hogar de las Estrellas, was so viel heisst wie Heim der Sterne, gearbeitet. Dort leben behinderte Kinder jeder Altersstufe, die eigentlich noch Eltern haben. Diese jedoch haben entweder nicht das Geld für eine angemessene Betreuung und Förderung oder sind einfach überfordert, denn einige Mütter haben gleich mehrere behinderte Kinder. Manche Eltern kommen ihre Kinder besuchen oder die Kinder sind in den Ferien bei ihnen. Andere jedoch haben den Kontakt ganz abgebrochen. Ein Junge wurde sogar im Müll gefunden!

Die Einrichtung gefällt mir viel besser als der Kindergarten, in dem ich zuvor gearbeitet habe. Meine Mitarbeiter sind alle sehr nett und man spürt ihre Dankbarkeit den Freiwilligen gegenüber. So fühle ich mich dort überhaupt nicht ausgenutzt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Organisation aus Spanien kommt und aus Spenden finanziert wird und nicht staatlich ist.

Ich habe mich dort um die kleinen und schwierigen Kinder gekümmert. Meine Aufgabe war es, auf sie aufzupassen, damit sie nicht abhauen oder alles mögliche essen, ihnen beim Essen zu helfen und ich musste sie regelmässig aufs Klo bringen, damit sie sich nicht in die Hose machen. Das wurde teilweise ganz schön stressig und eklig. Es ist sehr schwierig sechs Kinder gleichzeitig auf dem Töpfchen zu halten. So ist es des öfteren passiert, dass einige einfach zur gleichen Zeit aufgestanden sind und sich dann der Töpfcheninhalt über den Badboden verteilt hat. Dann musste ich sie auch noch davon abhalten dadurch zu laufen. Manchmal bin ich schier verzweifelt, weil sie sich dann auch oft weigern sich wieder hinzusetzen. Dann ging das Geschrei erst wirklich los.

Auch wenn ich meine Kleinen wirklich ins Herz geschlossen habe und ich gerne mit ihnen zusammen war, wurde die Arbeit irgendwann langweilig. Ich arbeite nämlich von 8 bis 14 Uhr und jeden Tag ist es mehr oder weniger das Gleiche. Wenn es nicht regnet gehen wir schon raus, was aber auch sehr viel Aufmerksamkeit erfordert, oder machen mal einen grösseren Ausflug, aber so gehen die 6 Stunden auch nicht viel schneller herum. Ausserdem sind die Kinder teilweise stark geistig zurückgeblieben und können nicht sprechen, wodurch es für mich ohne entsprechende Ausbildung sehr schwierig ist mit ihnen mehr zu machen als zu spielen. Auch war ich oft mit ihnen alleine und da war es schon genug Arbeit einfach nur auf sie aufzupassen. So bin ich froh, dass ich die letzten Wochen wahrscheinlich den älteren Kindern in der Schule helfen kann.


Hier aber noch eine kleine Beschreibung zu jedem meiner Schützlinge:

Betsy:
Betsy ist zwölf Jahre alt und wirkt vom Aussehen auch so, vom Verhalten her scheint sie allerdings viel jünger zu sein. Sie spricht kaum und wenn sehr wenige unzusammenhängende Worte. Sie ist die ruhigste meiner Gruppe und sie stört es auch nicht, einfach eine Weile tatenlos auf einem Stuhl zu sitzen, wobei sie meistens lieb vor sich hingrinst. Plötzlich verschwindet sie dann aber auch mal und man findet sie dann meistens im Garten, wo sie genüsslich Erde, Gras und was sie sonst noch so findet verzehrt.

Maydé:
Sie ist ebenfalls schon zwölf Jahre alt, wirkt aber bestenfalls wie acht. Sie sprich überhaupt nicht, sondern gibt nur summende und brummende Laute von sich. Wenn man sie allerdings kitzelt quietscht sie wie ein kleines Schweinchen. Sie liebt es ihrem kleinen Bruder Spielzeug wegzunehmen oder ihn zu schubsen. Ausserdem sammelt sie mit Vorliebe jede noch so dreckige Plastiktüte ein, nimmt sie an den Mund und reibt sie daran. Wahrscheinlich gefällt ihr das knisternde Geräusch.

Edwin:
Edwin ist Maydés kleiner Bruder und sechs Jahre alt, sieht aber wie ein 4-jähriger aus. Er ist ein ganz süsser, weil er oft mit einem strahlenden Gesicht durch die Gegend hüpft. Er liebt Schnüre und findet sie überall. Mit diesen wedelt er dann begeistert herum und schaut ihnen nach. Edwin hat auch eine Vorliebe für Türen. Jede offene Tür muss er zu schlagen. Das kann ganz schön anstrengend und peinlich werden, wenn man mit ihm spazieren geht und er in jedes offene Geschäft oder jede offene Wohnung hereinrennt und die Tür dann zu schlägt. Er spricht ebenfalls nicht, sondern gibt nur ein paar gurgelnde Laute von sich und klappert dazu mit den Zähnen.

Livio:
Livio ist der "Abuelito" (Opa) oder der "Monito" (Äffchen), weil er sehr erhaben und bedacht durch die Gegend läuft und stark behaart ist. Er ist ebenfalls sechs Jahre alt und wirkt wie vier. Livio ist taub und spricht folglich nicht wirklich. Manchem seinem Gebrabbel kann man allerdings Wörter wie "Mama" oder "No" entnehmen. Seine Zähne sind sehr stark von Karies betroffen, oben haben sie sich schon fast zurückgebildet, und so fällt ihm das Essen sehr schwer. Man muss ihm sehr kleine Stückchen geben und auch die fallen ihm häufig noch wieder aus dem Mund. Alles andere von Papier, über Watte zu Gras stopft er sich allerdings mit Vorliebe in den Mund.

Alejandro:
Alejandro ist ein echter Zappelphillip, was es besonders schwierig macht, auf ihn aufzupassen. Er klettert auf Tische, durchs Fenster und ist dabei meist nicht sonderlich konzentriert, wodurch er öfters hinfällt. Oft könnte man ihn für einen ganz gewöhnlichen Jungen halten, da er wie so viele Jungen seines Alters - er ist sechs Jahre alt - Autos und Bälle liebt. Er ist in vieler Hinsicht einer der am weitesten entwickelten meiner Gruppe, obwohl er einer der jüngsten ist: Er spricht einige Wörter nach und auch manchmal von alleine im richtigen Zusammenhang. Wenn man zu ihm "Pitchi, Pitchi" (Pipi, Pipi) sagt, kommt er mit aufs Klo, zieht sich die Hose runter und pinkelt im Stehen. Mit grösseren Geschäften hat er allerdings so seine Probleme; er weigert sich einfach aufs Töpfchen zu machen. Es ist eine Kunst, ihn überhaupt dahin zu bekommen, denn dieser schmächtige kleine Junge kann dann eine unglaubliche Kraft entwickeln, was es jedes mal zu einem regelrechten Kampf macht. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens lässt man ihn dann aufstehen. Promt zieht er sich in einer Ecke aber dann die Hose runter und will im Stehen sein Geschäft verrichten. Also schnell wieder aufs Töpfchen mit ihm und wieder kommt es zum langen Kampf. So geht das dann ein paar Mal hin und her und schliesslich schafft er es doch irgendwie, in die Ecke zu machen. Noch eine Eigenart von ihm ist, dass er sich Hände und Knie aufkratzt, weil es ihm Freude macht, Blut zu sehen. So sind seine Hände ziemlich vernarbt und verkrustet. Nach dem Essen ist sein ganzen Gesicht bis zu den Ohren und bis in die Haare mit Essen beschmiert, weil er den Teller immer noch auslecken will und sehr schnell in grossen Happen, auch gerne mit den Händen, isst.

Dani:
Dani ist der Schwierigste meiner Gruppe. Er kann sehr aggressiv werden und schlägt oder beisst dann gerne zu. Das kann ganz schön weh tun. Ich habe schon einige blaue Flecken davon getragen! Meistens haut er aber zum Glück nicht so stark und ist für seine sieben Jahre auch noch recht klein und schmächtig. Von einem Moment zum anderen, wenn man ihn kitzelt, fängt er dann aber an herzlich zu lachen und kuschelt sich an einen. Er entwischt vorzugsweise in den Hof, um dort mit Besen und Kehrschaufel zu spielen. Wenn man ihn dann dazu bewegen will, zurückzukommen, wirft er sich auf den Boden, zappelt, will zu beissen und schlagen, was die ganze Angelegenheit etwas schwierig gestaltet. Ihn zu füttern ist auch sehr schwierig, weil er gerne auf den Löffel schlägt oder den Suppenteller umschmeissen will. Man kann sich vorstellen, wie sein Platz nach dem Essen aussieht. Draussen sammelt er gerne Steine und Gras, um sie dann einem zu bringen. Dani brummt entweder vor sich hin oder sagt: "Titi", "Pan", "Ai" oder "Kaka". Ich habe vergeblich versucht, ihm seinen Namen oder andere einfache Worte beizubringen. Dani kann die Nacht bei seiner Mutter verbringen, die ihn aber jeden Morgen dann wieder in die Einrichtung bringt.

Sonntag, 2. März 2008

Pisco y El Chaco

Als der Bus in Pisco ankam, waren wir ersteinmal ziemlich schockiert. Die Stadt ist sehr heruntergekommen und die Spuren vom Erdbeben des letzten Sommers sind noch kaum beseitigt. Zu dieser Schauerkulisse kommt noch hinzu, dass Pisco eine der gefährlichsten Städte Perus ist. Deshalb hatten wir sehr Angst. Zunächst haben wir uns nichteinmal getraut ein Taxi zu nehmen. Aber da wir unbedingt schnellst möglich aus der Stadt herauskommen wollten, sind wir schließlich doch in ein Taxi gestiegen, das uns sicher in das Hafenstädtchen El Chaco gebracht hat. Dort haben viele reiche Peruaner ihre Strandhäuser und man kann dort beruhigt an den Strand gehen oder auf der Strasse spazieren. Wir haben uns sofort wohl und vor allem sicher gefühlt.
Diesmal haben wir den Sonnenuntergang vom Strand aus verfolgt, was auch sehr schön war. Beim Abendessen haben wir zwei Peruaner kennengelernt. Einer von ihnen war Salsalehrer. So hat er den Restaurantbesitzer gebeten Salsamusik aufzulegen und hat Maria und mich aufgefordert. Er hat uns nur so herumgewirbelt, so dass uns ganz schwindelig wurde und wir ins Schwitzen kamen.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, weil wir eine Tour zu den Islas Ballestras gebucht hatten, die auch als die peruanischen Gallapagos Inseln bekannt sind. Leider waren wir bei weitem nicht die Einzigen. Fast im Minutentakt starteten Schnellbote mit jeweils 30 Personen. Trotzdem war der Besuch auf jeden Fall lohnenswert. Unterwegs haben wir angehalten um Perupelikane zu beobachten und uns den dreizackigen Geoglyphen "El Candalero" anzuschauen. Dies ist eine über 2000 Jahre alte in den Fels gekratzte Figur in der Form eines Kerzenständers. Aber über ihre Bedeutung herrscht weitgehend Unklarheit. Die Fahrt an der Halbinsel Páracas entlang war sehr schön, da die Küste steil abfällt und sich hinter ihr Dünen erheben.
Für mich ist es wirklich ein Rätsel warum Pinguine, Seelöwen und hunderte verschiedene Vögel ausgerechnet auf den Islas Ballestras leben. Sie bestehen nämlich nur aus Fels und "Guano" - Vogelkot. Gewiss, es gibt dort viele schöne Felsformationen und Höhlen, aber ansonsten? Es war ein tolles Erlebnis Pinguine und Seelöwen in der freien Natur zu erleben. Davor kannte ich sie nur aus dem Zoo. Delfine haben wir aber leider nicht sehen können.

Nach diesem Ausflug sind wir an den Strand gegangen - im Januar! Ich habe es richtig genossen, mich zu sonnen und dann zur Abkühlung etwas zu schwimmen!
Doch auch dieser Tag ging viel zu schnell vorbei und am Abend habe ich mich nach einem ausgedehnten Strandspaziergang auch schon wieder auf den Rückweg ins kalte, verregnete Cusco gemacht. Maria ist noch eine Nacht geblieben und am nächsten Tag weiter nach Lima, von wo aus sie schon wieder zurück nach Deutschland geflogen ist. Um nach Cusco zu kommen, musste ich zunächst wieder zurück nach Ica - gar nicht so einfach. Die Busse nach Ica kommen alle aus Lima und sind, wenn sie in Pisco ankommen, größtenteils schon besetzt. So ist in Pisco immer ein ganzer Pulk den ankommenden Bussen entgegengerannt, meistens vergeblich. Ich war schon sehr verzweifelt, weil ich ja meinen Bus nach Cusco erwischen musste! Nach einigem verzweifeltem Betteln hatte ich als eine der wenigen das Glück einen Platz zu ergattern. War das eine Erleichterung! Von nun an lief aber alles glatt und ich kam am nächsten Tag nach insgesamt 18 Stunden Fahrt wohlbehalten in Cusco an.

Montag, 25. Februar 2008

Ica und die Oase Huacachina

Um von Nazca nach Ica zu gelangen, fährt man auf der Panamericana durch die Wüste. Die Landschaft war zwar recht eintönig aber dennoch beeindruckend. Wann ist man schonmal in der Wüste? Weniger schön waren die vielen "Städte" durch die wir gefahren sind. Die Häuser waren sehr einfach und bestanden oft nur aus Strohwänden und einem Wellblechdach. Wahrscheinlich sind das noch Spuren des Erdbebens, das die Region letzten Sommer schwer getroffen hat.

In Ica angekommen, haben wir gleich ein Taxi zur sehr viel ruhigeren und sichereren Oase Huacachina genommen. Diese liegt mitten in der Wüste an einer Lagune und ist von hohen Dünen umgeben. Nach dem Mittagessen haben wir eine Sandbuggytour gemacht. Hilfe, hatten wir Angst! Sobald wir uns angeschnallt hatten, ging es in einem atemberaubenden Tempo die steilsten Dünen hoch und runter. Aber die vielen scharfen Kurven und das Schanzen waren noch viel schlimmer! Ausgerechnet auf dem Gipfel der steilsten Düne sind die Räder des Sandbuggys im Sand stecken geblieben, so dass wir den Abgrund viel zu lange vor Augen hatten. Wir haben echt darum gebettelt, aussteigen zu dürfen! Durften wir aber nicht und im Endeffekt war es gar nicht so schlimm. Die Tour schloss auch Sandboarden mit ein. Ich musste mich ganz schön lange überwinden den steilen Hang herunterzufahren. Aber ich habe mich - um zu bremsen - einfach öfters hinfallen lassen, was in dem weichen warmen Sand ja kein Problem ist, und dann ging es. Die nächsten Male bin ich aber lieber mit dem Bauch auf dem Board die Dünen heruntergesaust. Das hat richtig viel Spass gemacht, weil man so richtig schnell wurde! Maria und ich haben Wettrennen veranstaltet -Wer schafft es weiter?- und so habe ich am Ende überhaupt nicht mehr gebremst. War das ein Spass! Gegen Ende der Tour haben wir uns noch den Sonnenuntergang in der Wüste angeschaut. Traumhaft! Ich wollte gar nicht mehr weg! Als wir wider Erwarten heil im Hostal angekommen waren, konnten wir uns erst so richtig über die Tour freuen. Währenddessen hatte ich oft zu viel Angst und wollte den Ausflug nur wohlbehalten überstehen. Im Nachhinein war es einfach genial, Adrenalin pur!

Den nächsten Tag haben wir etwas ruhiger angehen lassen, nämlich am Pool! War das schön erfrischend und entspannend: unter dem blauen Wüstenhimmel, umgeben von Palmen und Dünen. Die Hängematten haben auch viel zur Entspannung beigetragen.

Wohl oder übel mussten wir aber am Mittag weiter nach Pisco.

Sonntag, 24. Februar 2008

Nazca

Mit Maria, einer Freundin von hier, bin ich Ende Januar nach Nazca, das an der Südküste liegt, gefahren. Allein die Busfahrt dorthin war schon ein Erlebnis. Da Cusco im Andenhochland liegt, muss der Bus die gesamten Gebirgsketten bis an die Küste hin überwinden. Während ein Flug nach Lima gerade einmal 80 Minuten dauert, braucht der Bus dorthin mindestens 20 Stunden! Die Strasse wand sich also in unzähligen Serpentinen die Berge rauf und runter. Teilweise konnte man gar nicht von einer Strasse sprechen, Feldweg traf besser zu. Denn einige Abschnitte waren nicht einmal geteert und von Flüssen überflutet! Der Fels hing ab und zu gefährlich weit über, so dass der Bus zum Abgrund hin kaum Spielraum hatte. Dazu sind wir auch noch nachts gefahren. Wenn man also aufgewacht ist, jagte einem die schlechte Strasse regelmässig einen ganz schönen Schrecken ein! Zum Glück hatten wir uns aber die beste Busgesellschaft geleistet und der Busfahrer fuhr sehr vorsichtig. Dennoch war es eine grosse Erleichterung, als wir am nächsten Morgen heil im unglaublich heissen Nazca angekommen sind.

Am gleichen Tag haben wir noch einen Ausflug unternommen. Zunächst haben wir das Gräberfeld von Chauchilla besichtigt. Dort sieht man erstaunlich gut erhaltene Mumien, Schädel, Knochen, Keramik und Kleidungsstücke der Nazca-Kultur (1000 n. Chr.). Bis vor kurzem lagen sie noch in der Wüste verstreut, wo Grabräuber sie zurück gelassen hatten. Inzwischen hat man sie aber wieder in ihre Gräber gebettet.
Weiter ging es in eine Töpferwerkstatt, in der mit den Techniken und Materialien der Nazca ihre Keramik nachgebildet wird.
Ausserdem besuchten wir noch eine Goldwäscherei, wo uns gezeigt wurde, wie man während des Goldrauschs in der Region Gold gewonnen und gewaschen hat.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aus den Federn, weil wir gleich den ersten Flug über die mysteriösen Nazca-Linien gebucht hatten.

Die Nazca-Linien - Linien, geometrische Figuren, Tier- und Pflanzenzeichnungen - erstrecken sich über 500 Quadratkilometer in der trockenen, steinigen Ebene der Pampa Colorada. Vom Boden aus sieht man die Linien kaum. Erst aus der Luft betrachtet, erkennt man die unzähligen faszinierenden Figuren. Obwohl sich bereits zahlreiche Forscher intensiv mit ihnen beschäftigt haben, stellen sie weiterhin eines der grössten archeologischen Rätsel dar:

Wer erschuf die Linien?
Die deutsche Mathematikerin Maria Reiche, die ihr Leben der Erforschung der Linien widmete, vertrat die These, dass sie von der Paracas- und Nazca-Kultur zwischen 900 v. Chr. und 600 n. Chr. begonnen und von der Wari-Kultur im 7. Jahrhundert n. Chr. vervollständigt wurden.

Wie wurden die Linien erzeugt?
Um die Figuren zu erschaffen, stapelte man von der Sonne dunkel gefärbte Steine vom Wüstenboden an beiden Seiten der Linien, so dass der hellere, gipshaltige Boden sichtbar wurde. Doch in Anbetracht der Grösse der Figuren - die Eidechse ist 180m lang - und ihrer Komplexität - der Affe besitzt einen riesigen exakten spiralförmigen Schwanz - bleibt es ein Rätsel wie ihre Erbauer den Überblick bewahren konnten, da sie ja noch nicht die Möglichkeit besassen ihr Werk aus der Luft zu betrachten.

Warum wurden die Linien konstruiert?
Auch diese Frage kann nur spekulativ beantwortet werden. Die Theorien reichen von einem astronomischen Kalender für die Landwirtschaft, über eine gigantische Laufstrecke und einen Landeplatz für Ausserirdische, bis hin zu Darstellungen von durch halluzinogene Drogen ausgelösten Schamanenträume. Die wohl wahrscheinlichste These besteht darin, dass die Linien der Wasseranbetung in der trockenen Wüste dienten.

Aber gerade diese Geheimnisse sind es vermutlich, die zahlreiche Touristen, wie Maria und mich, anlocken.
Um die Linien also endlich mit eigenen Augen zu sehen, sind wir mit einem kleinen 6-Mann Sportflugzeug über sie geflogen. Anfangs war es in so einer kleinen Maschine ganz schön aufregend. Die Aufregung legte sich aber schnell, weil es ein sehr ruhiger Flug war, obwohl der Pilot über jeder Figur scharfe Kurven flog, damit jede Seite genug Zeit hatte die Figuren zu betrachten und Fotos zu machen. Letzteres gestaltete sich dennoch etwas schwierig, weil manche Abbildungen durch die Kamera schwer zu erkennen sind. So habe ich jetzt zahlreiche Fotos, auf denen die Figuren abgeschnitten oder nur sehr klein abgebildet sind.
Nach 35 Minuten war der Flug leider schon wieder zu Ende. Zum Abschluss konnten wir uns noch einen Film zum Thema anschauen.
Nach dem Frühstück sind wir auch schon weiter nach Ica gefahren.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Machu Picchu

Ein Machu Picchu Besuch, ein Besuch bei einem der neuen sieben Weltwunder, darf in Peru natürlich nicht fehlen. Ich habe es mir für meine Familie aufgehoben und so haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht.

Früh morgens sind wir in Cusco in den Zug gestiegen, der uns bis nach Agua Calientes, alias Machu Picchu Pueblo, bringen sollte. Da Cusco in einem von hohen Bergen umgebenen Tal liegt, musste der Zug lange Zick-Zack fahren und viel rangieren, um die Höhe zu überwinden. Das hat geruckelt!
Lange fuhr der Zug durch schöne Täler. Irgendwann bin ich eingenickt und als ich aufgewacht bin, befanden wir uns plötzlich in einer ganz anderen Welt - im Nebelwald. Die Vegetation war nun sehr üppig und man konnte viele bisher noch unbekannte Pflanzen und Bäume entdecken. Ich kam aus dem Fotos schiessen gar nicht mehr heraus! Nach vier Stunden Fahrt sind wir dann in Agua Calientes angekommen. Nach dem schönen Naturerlebnis ein ganz schöner Schock, da das Dorf richtig hässlich ist! Durch den Massentourismus nach Machu Picchu ist dieses zuvor unbedeutende Dorf ohne Stadtplanung rasant gewachsen und zahlreiche unschöne Hostals sind entstanden.

Da wir Machu Picchu erst am folgenden Tag besuchen wollten, haben wir den Nachmittag für einen Besuch im Machu Picchu Museum genutzt. Dieses liegt etwas ausserhalb und so sind wir eine ganze Weile durch den faszinierenden Nebelwald gelaufen. Das Museum war das beste, was ich bisher in Peru gesehen habe, denn es war sehr informativ und anschaulich aufgebaut. Im dazugehörigen Botanischen Garten mit seinen Orchideen, Bananenbäumen usw. konnten wir das neu erlangte Wissen dann gut verarbeiten.

Am nächsten Tag sind wir schon um 4:30 Uhr aufgestanden, um noch frühstücken zu können und um einen der ersten Busse zu nehmen und so den Touristenmassen zu entgehen.

Mit unserem Guide sind wir als erstes zu einem Aussichtspunkt hochgestiegen. Doch die Ruinen lagen im Nebel und man konnte kaum etwas erkennen. Der Nebel erzeugte aber eine sehr schöne Stimmung, passend zu dieser mystischen Inkastadt. Zwei Stunden wurden wir von unserem Guide durch die Anlage geführt und haben dabei viel Neues und Interessantes erfahren. Hier das Wichtigste:

Die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Südamerikas wurde nie von den Spaniern entdeckt und war bis zum frühen 20. Jahrhundert nur den Einheimischen bekannt. Obwohl Machu Picchu seit seiner "Entdeckung" intensiv erforscht wird, bleibt vieles rätselhaft. Der Zweck der Stadt ist zum Beispiel bis heute unklar und es wird nur spekuliert. Lange glaubte man, dass Machu Picchu die Stadt der "ausgewählten" Frauen war, da 80% der dort gefundenen Skelette weiblich sind. Bei Nachforschungen stellte man allerdings fest, dass dem nicht so war und diese Theorie hatte sich somit erübrigt. Einige Forscher meinen auch, dass die Festung in den letzten Jahren des Inkareichs gegründet wurde, um die Kultur zu bewahren. Wieder andere sind der davon überzeugt, dass Machu Picchu als königlicher Schlupfwinkel oder Landsitz diente. Bei all diesen Unklarheiten, sieht man es aber als erwiesen an, dass Machu Picchu ein bedeutendes zeremonielles Zentrum war, auf Grund seiner hervorragenden Steinarbeiten und reichen Verziehrungen.

Nachdem wir uns von unserem Guide verabschiedet hatten, sind wir noch den Wayna Picchu hinaufgestiegen. Von dort aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Anlage und man erkennt die Kondorform, in der die Stadt angelegt ist. Der Kondor spielte bei den Inkas eine bedeutende spirituelle Rolle, da er durch seine ausgezeichnete Flugfähigkeit den Himmel mit der Erde verband. Danach hatten wir immer noch nicht genug und sind nochmal zum Aussichtspunkt hochgelaufen, da wir am frühen Morgen ja fast nichts gesehen hatten. Nun lag die Ruinenstadt klar sichtbar vor uns. Dort hätte ich ewig bleiben können und spätestens nun war ich davon überzeugt, dass Machu Picchu zurecht eines der neuen sieben Weltwunder ist.

Schliesslich mussten wir uns aber von diesem wunderbaren Ort losreissen, denn unser Zug nach Cusco fuhr bereits am Nachmittag.

Montag, 11. Februar 2008

Weihnachten und Silvester in Peru

Es ist zwar inzwischen schon fast zwei Monate her, aber vielleicht interessiert es ja doch noch den ein oder anderen, wie hier in Peru Weihnachten und Silvester gefeiert werden kann.


Gleich am Morgen des 24. Dezembers war für mich grosse Bescherung, denn ich konnte endlich meine Mutter, meine Schwester, meinen Onkel und meinen Cousin vom Flughafen abholen.
Ich habe ihnen gleich etwas von Cusco gezeigt. Wir sind zur Plaza de Armas gelaufen, Cuscos schönem Hauptplatz. Dort findet jedes Jahr am 24. Dezember der Weihnachtsmarkt Santurantikuy statt, wo viele Campesinos Krippen, die dazugehörigen unglaublich süssen Figuren und vieles mehr verkaufen. Da der Markt aber unglaublich überfüllt war, kam gar keine richtige Kaufstimmung auf.

Am Nachmittag habe ich geholfen die zu Weihnachten hier obligatorische Krippe aufzubauen. Die Krippe war sehr gross und mit zahlreichen Figuren und Moss sehr schön hergerichtet. Das Jesuskind lag sehr gemühtlich und warm angezogen in seiner Krippe und hatte sogar eine Mütze zum Wechseln. Zu guter letzt wurde noch eine bunt blinkende Lichterkette angebracht, die die Krippe laut meiner Gastfamilie zu einer Discokrippe gemacht hat; recht hatten sie! Viele Peruaner mögen es halt, wenn alles glitzert und blinkt und das Haus vor lauter Weihnachtsdeko fast nicht mehr als solches zu erkennen ist.

Abends sind wir in die Kirche gegangen, die ebenfalls sehr schön geschmückt war, was aber im starken Kontrast zu ihrem Wellblechdach stand. Die dortige Krippe war einfach riesig! Viele Familien haben ihr Jesuskind mitgebracht, um es segnen zu lassen. Der Gottesdienst wurde von fröhlicher Weihnachtsgitarrenmusik begleitet. Aber spätestens bei der Predigt - die Weihnachtsgeschichte durfte natürlich nicht fehlen - kehrte Besinnlichkeit ein und die tiefe Gläubigkeit der Kirchenbesucher war deutlich spürbar. Diese Mischung aus Unbeschwertheit und Feierlichkeit hat mir sehr gut gefallen.

Wieder zu Hause, haben wir bei heisser Schokolade und unglaublich süssem "Champagner" auf 0 Uhr gewartet. Die Wartezeit wurde durch eine Weihnachts-CD verkürzt, auf der sich die ganzen typischen Weihnachtslieder aber eben auf Spanisch befanden; ausserdem Jingle Bells von einem bellenden Hund vertont. Hier in Peru glaubt man, dass Jesus um 0 Uhr geboren wurde und so findet die Bescherung erst dann statt. In vielen Familien findet dann auch noch ein grosses Festmahl statt, das sich bis weit in die Nacht hinein ziehen kann. Um 0 Uhr war es dann also endlich so weit und die Geschenke konnten ausgepackt werden. Da wir insgesamt zehn Personen waren haben wir gewichtelt - eine sehr schöne Idee wie ich finde. Danach sind wir dann aber schnell ins Bett gegangen, weil grosse Müdigkeit herrschte.

Das Festessen fand in meiner Gastfamilie am 25. Dezember statt. Die ganze Familie war zu diesem Anlass eingeladen und jeder hat zum Truthahn einen Salat beigesteuert. Es war sehr lecker aber unglaublich viel!


So, nun zu Silvester: Im engen Familienkreis sind wir am Abend in die Stadt gegangen und haben uns in ein Café mit Balkon an der Plaza de Armas gesetzt. Bei Café und Cocktails haben wir schon wieder auf 0 Uhr gewartet, während sich der Platz immer mehr mit Leuten gefüllt hat. Schon deutlich vor 0 Uhr wurde viel geballert, so dass wir vor Schreck öfters aufgesprungen sind und sich bald Asche in unseren Cocktails befand! An dieser Stelle ist es vielleicht ganz angebracht zu sagen, dass in Peru bei weitem nicht nur an Silvester geknallt wird. Selbst Heiligabend ging es richtig ab und bei jedem Heiligenfest, von denen es hier zahlreiche gibt, werden Raketen gezündet. Dennoch, an Silvester erreicht die Knallerei ihren Höhepunkt und wir waren froh, auf einem Balkon zu sitzen und nicht in den Massen auf der Plaza zu stehen. Um 0 Uhr haben dann viele Leute angefangen um den Platz zu rennen, teilweise mit ihrer Unterwäsche über der Kleidung! Woher dieser seltsame Brauch kommt, konnte mir aber niemand sagen. Nachdem wir dem Treiben eine Weile zu gesehen hatten, sind wir nach Hause geganen, wo wir noch etwas Karten gespielt haben, bevor es dann ins Bett ging.