Dienstag, 13. Mai 2008

Kleines Schlusswort

Inzwischen bin ich schon seit über einer Woche wieder in Deutschland und habe mich schon mehr als eingelebt. Damit hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten, obwohl es natürlich eine völlig andere Welt ist, weil ich hier fast mein ganzes bisheriges Leben verbracht habe und alles so vertraut ist. Ich genieße es gerade total, wieder zu Hause bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein. Das tolle Wetter macht alles noch schöner. Wenn ich an meine insgesamt geniale Zeit in Peru zurückdenke, werde ich dennoch etwas traurig, weil ich das Land und die Leute einfach lieb gewonnen habe und sie vermisse. So bin ich sehr froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und habe mir schon fest vorgenommen, wenn möglich, eines Tages wieder nach Peru und Südamerika zu reisen!

Webalbum?

Besser spät als nie: wenn Interesse bestünde, würde ich noch ein kleines Webalbum erstellen. Also wenn ihr euch ein solches wünschen würdet, schreibt mir doch einen kleinen Kommentar oder eine Mail. Die Adresse würde ich dann auf den Blog stellen und per Mail weitergeben.

Máncora

Zum Abschluss meiner kleinen Reise habe ich mit der Berlinerin noch einen einwöchigen Strandurlaub in Máncora gemacht. Máncora liegt ganz im Norden von Peru, unweit der ekuadorianischen Grenze. Das ganze Jahr über ist es dort sehr warm und man kann immer im Pazifik baden gehen. Das haben wir auch richtig genossen und haben fast die ganz Zeit am Strand verbracht. In Máncora bleibt einem auch nicht viel anderes übrig, da es nur ein kleines nicht sonderlich schönes Dorf an der Panamerikana ist. In der Hochsaison wird wohl auch kräftig gefeiert, als wir da waren, waren die Clubs aber immer ziemlich leer. Der dortige Strand ist auf Grund des feinen weißen Sandes, der Palmen und des sehr klaren Wassers auf jeden Fall schön, wenn auch kein Traumstrand, da direkt an ihn viele Hostals und Restaurants grenzen. Uns hat es aber völlig gereicht, denn wir wollten uns einfach nur entspannen und bräunen. Zur Erfrischung sind wir trotz der großen Wellen im Meer baden gegangen, oder haben uns eine Kokosnuss gegönnt, deren Kokosmilch wir dann mit einem Strohhalm direkt getrunken haben. Ab und zu war der Wind leider so stark, dass man innerhalb weniger Minuten völlig mit Sand bedeckt war und Schwierigkeiten hatte das Handtuch zu finden. War das der Fall sind wir an den Pool unseres Hostals ausgewichen, wo man es sich Liegestühlen oder Hängematten gemütlich machen konnte. Zweimal sind wir an Strände in der näheren Umgebung gefahren, die noch ruhiger waren. Einer von ihnen war besonders schön, da dem Strand einige kleinere Felsreihen vorgelagert waren, durch die sich viele kleine Becken gebildet haben, in denen man schön planschen konnte.
Obwohl die Tage in Máncora alles andere als abwechslungsreich waren, hätte ich es dort noch gut länger aushalten können. Da ich mir aber noch ein paar Sehenswürdigkeiten in Lima anschauen wollte und mein Rückflug immer näher rückte, habe ich mich schweren Herzens auf den Rückweg nach Lima gemacht.

Montag, 12. Mai 2008

Trujillo

Am nächsten Morgen kamen die Holländerin und ich in der schönen Kolonialstadt Trujillo an, die an der Nordküste liegt. Dort trennten sich leider unsere Wege. Doch kaum hatte ich mich von der Holländerin verabschiedet, setzte sich eine Berlinerin zu mir an den Tisch und wir verstanden uns auf Anhieb gut. Also haben wir gleich mal zusammen einen Strandtag eingelegt. Die Sonne hat mir nach den kalten Tagen in Huaráz richtig gut getan. Da die Wellen aber bestimmt 1,5m groß waren, haben wir uns nicht ins Wasser getraut. Dafür konnten wir aber den Sufern und den einheimischen Fischern zusehen. Die dortigen Fischer benutzen seit mehr als 1000 Jahren kleine aus Schilf geflochtene Boote. Auf denen sitzen sie dann mit den Beinen im Wasser und paddeln geschickt gegen die großen Wellen an. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang ging es wieder zurück ins Hotel.

Für den nächsten Tag hatte ich eine Tour zum Mond-und Sonnentempel und zur riesigen Lehmstadt Chan Chan gebucht. Doch zunächst fuhren wir zu den Tempeln. Diese aus Millionen von Lehmziegeln erbauten Pyramiden stammen aus der Moche-Kultur (200 v. Chr.-850 n. Chr.) und liegen mitten in der Wüste. Leider wurde ein großer Teil durch heftige Regenfälle zerstört und es gab nicht mehr so viel interessantes zu sehen. Doch einige erstaunlich gut erhaltene Wandfriese mit ihren stilisierten Figurendarstellungen waren doch sehr beeindruckend.
Am Nachmittag haben wir uns Chan Chan angeschaut. Das etwa 1300 n. Chr. von den Chimú erbaute und 25 km² große Chan Chan ist die größte präkolumbische Stadtanlage ganz Amerikas und zugleich die größte Lehmziegelstadt der Welt. Einst wohnten in ihr etwa 60.000 Menschen und sie besaß unermessliche Schätze an Gold, Silber und Keramik. Durch die Plünderungen der Spanier ist davon heute kaum noch etwas übrig geblieben. Auch Chan Chan viel starken Regenfällen zum Opfer, weshalb heutzutage vor allem seine Größe beeindruckt. Einige original Friese und einige restaurierte kann man allerdings entdecken.
Obwohl ich alles ziemlich interessant fand, war ich doch froh, als die Tour dann vorbei war, da es ganz schön anstrengend ist den ganzen Tag einem spanischsprechendem Führer zuzuhören und das Neugelernte aufzunehmen.

Am dritten und letzten Tag in Trujillo bin ich durch die schöne Stadt geschlendert und habe mir einige der wunderschönen Kolonialhäuser angeschaut. Diese gibt es dort in allen Farben und sie bestechen vor allem durch ihre schönen Innenhöfe und die verschnörkelten Fenstergitter. Auf der Plaza de Armas lässt es sich in Trujillo auch gut aushalten, da auf dieser Palmen und eine Statue stehen und sie von bunten Häusern umgeben ist.
Am Abend habe ich mich dann wieder mit der Berlinerin getroffen, weil wir beschlossen hatten zusammen nach Máncora an den Strand zu fahren.

Huaráz

Nach einigen Tagen in Lima bin ich nach Huaráz gereist, das in der Cordillera Blanca auf ca. 3000m liegt. Dort gibt es besonders viele schneebedeckte Andengipfel, viele türkisblaue Seen und es werden viele Trekkingtouren angeboten. Ich habe mich für den dreitägigen Santa Cruz Trek entschieden. Da es nicht sofort losging, habe ich mit einer Holländerin, die ich im Bus kennengelernt habe, und einem Israeli noch eine kleine Mountainbiketour unternommen. Das war ein ganz guter Fitnesstest, weil man die Höhe ja nicht unterschätzen sollte. Es war auch richtig anstrengend aber auch sehr schön.
Am nächsten Tag ging es dann um sechs Uhr früh los. Zunächst saßen wir aber ewig in einem dieser engen Kleinbusse, die dazu auch noch ganz vollgestopft werden. Vom Bus aus haben wir schon einige tolle Berge und türkisfarbene Seen gesehen. Doch als wir endlich ankamen regnete es und man sah überhaupt nichts mehr! Das war natürlich sehr schade, aber die Landschaft war trotzdem schön, teilweise so verwunschen, weshalb der Regen und die Wolken auch gar nicht so unpassend waren. Obwohl es gar nicht so viel bergauf ging, war es teilweise schon echt anstrengend. So war es sehr angenehm, dass die Zelte und unser Gepäck von Maultieren getragen wurden. Zum Glück besserte sich das Wetter etwas und wir konnten unsere Zelte im Trockenen aufbauen. Kaum war das aber geschafft, fing es schon wieder an zu regnen, was in einem undichten Zelt besonders angenehm ist. Zum Glück konnten wir aber noch das Zelt tauschen, sonst hätte ich vor lauter Angst schwimmend wieder aufzuwachen wohl noch schlechter geschlafen.
Am Morgen mussten wir wieder früh raus, da wir heute viel vorhatten. Es ging nämlich in mehreren Stunden auf einen Pass in 4750m Höhe hinauf. Wir hatten wieder Pech mit dem Wetter und konnten außer Wolken kaum etwas sehen. Hinzu kam noch, dass wir gar nicht auf richtigen Wegen liefen, sondern im Matsch von Stein zu Stein springen mussten. Später kam noch etwas Schnee hinzu und wir mussten auch rutschige Steinplatten hinauf. Je höher wir uns kamen, desto anstrengender wurde es. Jeder Schritt kostete große Überwindung und Kraft. Als wir den Pass dann aber endlich erreicht hatten, war jede Anstrengung vergessen, es war einfach ein tolles Gefühl, es soweit hinauf geschafft zu haben. Da störte es uns auch kaum, dass wir außer Wolken und Schnee eigentlich nichts sahen. Normalerweise ist die Aussicht von dort oben wohl gigantisch. Weil es dort oben sehr kalt war, haben wir uns schnell an den Absstieg gemacht. Ging das schön einfach! Allerdings fanden wir wieder keinen Weg vor, sondern nur kleine Flüsse in denen wir von Stein zu Stein springen mussten. So waren die Füße natürlich schnell nass. Wir kamen an einem wunderschönen türkisfarbenen See vorbei und unten im Tal sahen wir zwei grün schimmernde Seen und endlich etwas blauen Himmel. Auf der anderen Seite des Passes verbesserte sich das Wetter zum Glück schlagartig und wir konnten vereinzelte Schneegipfel entdecken. Nach siebenstündiger Wanderung ohne größere Pausen kamen wir an unserem Zeltplatz an, der wunderschön zwischen den Bergen an einem See gelegen war. Da die Sonne schon um 18 Uhr unterging und es dann auch schnell dunkel wurde, sind wir schon um ca. 19 Uhr ins Bett gegangen, weil es einfach nichts mehr zu tun gab und wir alle natürlich ziemlich erschöpft waren. Da die Nächte sehr kalt waren und der geliehene Schlafsack mir nur bis zur Brust reichte, habe ich immer mit Fleece, Wollsocken, Stulpen und Mütze geschlafen.
Als wir am nächsten Morgen wieder früh aus unseren engen Zelten krochen, schien endlich richtig die Sonne, was richtig gut getan hat. In einem engen Tal sind wir runter gelaufen und es wurde grüner und grüner. Wir kamen wieder durch ein paar kleine Dörfer, wo uns Kinder nach Süßigkeiten fragten. Heute sahen wir auch endlich mehr von der Cordillera Blanca und so konnte ich den letzten Tag noch richtig genießen. Trotzdem war ich dann doch ganz froh, als wir am Nachmittag dann in den Bus nach Huaráz steigen konnten, schließlich hatte ich drei Tage lang nicht geduscht und kein richtiges Klo gesehen! Ich habe mich auch schon sehr auf den Strand in Trujillo gefreut, wo ich mich von der Wanderung erholen wollte. Nach der ersehnten Dusche und einem leckeren Essen, bin ich mit der Holländerin auch schon in den Bus nach Trujillo gestiegen.

Sonntag, 11. Mai 2008

Lima

Insgesamt war ich fast eine Woche in der 8 Millionen-Stadt Lima. Nach dem beschaulichen Cusco mit seinen 300.000 Einwohnern war das natürlich erstmal ein kleiner Schock und ich musste mich etwas an die Hauptstadt gewöhnen. Schnell habe ich es aber auch zu schätzen gelernt, endlich mal wieder in einer richtigen Großstadt zu sein, wo man einfach fast alles findet. So hatte ich auch keine Schwierigkeiten meine Tage in Lima mit einem abwechslungsreichen Programm zu füllen.
Ich habe bei einem Verwandten meiner Gastfamilie gewohnt, was sehr hilfreich war, weil ich ohne ihn in dieser riesen Stadt echt aufgeschmissen gewesen wäre. Sehr hilfreich war auch, dass in Lima gerade eine Freundin wohnt, die mir viel zeigen konnte.
So waren wir beispielsweise zusammen in Miraflores, einem sehr reichen Viertel Limas, das mit seinen vielen Hochhäusern eher an eine amerikanische Stadt erinnert. Um allerdings ersteinmal dorthin zu kommen, saß ich fast eineinhalb Stunden im Bus! Das ist in Lima nicht ungewöhnlich, da die Stadt wie gesagt so riesig und das Verkehrsaufkommen ungemein groß ist. In Miraflores ist es einfach schön an der Küste entlang zu schlendern und sich in einen der vielen schönen Parks zu setzen. Dort kann man dabei auch ganz entspannt bleiben, weil Miraflores im Vergleich zu anderen Vierteln sehr sicher ist. Es gibt in Miraflores auch die Möglichkeit Gleitschirm zu fliegen, über dem Meer und an den Hochhäusern vorbei. Das sah einfach toll aus und hätte mich auch gereizt, doch leider war es viel zu teuer. Man kann dort auch sehr gut und teuer essen und einkaufen gehen, zum Beispiel im Larcomar-Einkaufszentrum. Dieses liegt direkt an der Küste und die Meerseite ist komplett verglast, so dass man eine tolle Aussicht hat. Den Sonnenuntergang sieht man von dort aus wohl auch ganz besonders schön, ich war jedoch leider immer zu spät dran.
An Miraflores schließt sich das Vergnügungs- und ehemalige Künstlerviertel Barranco an. Barranco gehört ebenfalls zu den reichen Teilen, gefiel mir aber deutlich besser als Miraflores. Dort sieht man statt der vielen Hochhäuser mehr alte schöne Kolonialhäuser. Nachts kann man zwischen unzähligen Bars, Clubs und Discos wählen. Es gibt sogar ein "Bierhaus", wobei ich nicht weiß was sich die Peruaner dabei denken. In Deutschland zumindest habe ich noch nie ein Bierhaus gesehen. An einem Abend waren wir in einem Club bei einem Konzert, was sehr gut und unterhaltsam war.
Das Zentrum konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Dieses unterscheidet sich mit seiner imposanten Kathedrale und den vielen großen Kolonialhäusern nochmal deutlich von Miraflores und Barranco. Die Plaza de Armas dort ist einfach riesig und sehr schön, da sie von gelben Kolonialhäusern mit aufwändig geschnitzten Balkonen umgeben ist. Auf ihr stehen auch viele Palmen und ein großer Brunnen. An einer Seite befindet sich der Regierungpalast, wo jeden Tag um 12 Uhr die Wachablösung stattfindet. Die Kathedrale ist bei weitem nicht die einzige Kirche im Zentrum. Wir haben uns noch die Kirche San Francisco mit dem schönen dazugehörigen Kloster und den gruseligen Katakomben, mit den viel Totenköpfen, angeschaut. Sobald man aus dem schönen Zentrum herauskommt, befindet man sich in einer sehr armen Gegend, wo man alleine echt aufpassen sollte. Das fand ich ziemlich schockierend. Auch als wir mit einem Touribus auf den Cerro San Cristobal gefahren sind, einem kleinen Berg im Zentrum, kamen wir durch sehr arme Gegenden, was für mich sehr bedrückend war. Oben angekommen war aber alles vergessen, da man von dort aus eine wunderbare Aussicht auf das Häusermeer Limas hat. Es war schon dunkel und die Lichter wollten, egal in welche Richtung man schaute, einfach nicht aufhören! Dort oben wurde einem Limas Größe richtig vor Augen geführt.
An einem Abend haben wir uns den "Circuito Magico del Agua" angeschaut. In einem Park gibt es ganz viele verschiedene Brunnen, unter anderem mit einer 80m Fontäne den höchsten der Welt. Jeden Abend findet dort eine Licht und Lasershow begleitet von Musik statt. Die Brunnen leuchten dann in allen Farben und sind einfach schön anzuschauen. Ein Brunnen ist so konstruiert, dass die Wasserstrahlen einen Tunnel bilden, durch den man durchlaufen kann und trocken wieder herauskommt. Ein anderer ist großflächig angelegt und das Wasser kommt abwechselnd aus verschiedenen Drüsen. Theoretisch ist es wohl möglich trocken in die Mitte zu kommen; die Leute, die es versucht haben, sind aber alle klatschnass geworden. Auf einem weiteren wurden viele Bilder und Lasereffekte gezeigt. So war es ein schöner unterhaltsamer entspannter Abend.
Um an einen schönen Strand zu kommen, muss man allerdings ein gutes Stück aus Lima heraus. Das haben wir an einem Tag auch gemacht und es war wirklich schön. Tagsüber war es zwar noch sehr heiß in Lima, der Pazifik war zum Baden aber schon fast zu kalt. Trotz der großen Wellen, haben wir uns aber reingetraut. Nachts wurde es aber auch immer schneller ganz schön frisch und so haben wir es mit unserem Wein am Strand nicht mehr so lange ausgehalten.
Das war ein kleiner Eindruck aus der großen Stadt Lima, durch den vielleicht deutlich wurde, wie viele verschiedenen Dinge man dort erleben kann. So hat mir Lima insgesamt auch echt gut gefallen. Manchmal habe ich mich aber auch etwas eingeschränkt gefühlt, weil man immer so vorsichtig sein muss, und war so schon ganz froh, als es wieder ins beschauliche Unterjesingen zurückging.

Donnerstag, 24. April 2008

Reisen

Also seit ca. 2 Wochen bin ich auf Reisen. Ich erlebe so viel Neues und unternehme so viel (u.a. den ganzen Tag am Strand in der Sonne liegen;-), dass ich gar nicht wirklich zum Blogschreiben komme. Aber in einer Woche fliege ich ja schon zurück und dann kann ich entweder persönlich von meinen Erlebnissen erzählen und für diejenigen, die ich erstmal nicht sehen werde, schreibe ich dann auch wieder Einträge. Bis dann!

Donnerstag, 10. April 2008

Die letzten Wochen bei der Arbeit

Ich habe ja schon fast nicht mehr daran geglaubt, aber die letzten beiden Wochen konnte ich doch tatsächlich noch mit den älteren Kindern zusammen arbeiten. Das war eine willkommene Abwechslung und hat meine Motivation wieder etwas gesteigert. Eigentlich hätten die Kinder ja schon am 3. März in die Schule gehen sollen, aber wie es hier in Peru nun mal so ist, dauerte es noch einen ganzen Monat länger. Aber schon davor haben wir mit acht der Grösseren
angefangen in der Behinderteneinrichtung selber zu arbeiten. Obwohl sie zwischen neun und 18 Jahren alt sind, können die wenigsten Buchstaben nicht einmal nach Vorlage schreiben und so haben wir uns darauf konzentriert ihre Geschicklichkeit durch Zeichnen, Malen und Kügelchen formen, die anschliessend in Zeichnungen geklebt wurden, zu fördern. Auch sollten sie die Alltagsgegenstände wie Zahnbürste, Besen, Kleidung... kennen und benutzen lernen. Während einige ganz gut mitgearbeitet haben und auch recht schnell lernten, bereiteten andere grosse Probleme. Ein Mädchen zum Beispiel fand immer eine Ausrede warum sie gerade nicht arbeiten kann. Entweder war es die fehlende Brille, ein schmerzender Finger oder sie verspürte regelmässig ganz plötzlich das dringende Bedürfnis auf die Toilette zu gehen. Ein Junge, der eigentlich sehr viel beherrscht, so kann er beispielsweise seinen Namen schreiben oder Türschlösser öffnen, um dann abzuhauen, bekommt öfters Anfälle und wird sehr aggressiv. Er geht dann auf die anderen Kinder los oder beschmiert einen mit seinem Speichel. Ein anderer Junge widerrum, langweilt sich sehr schnell, bekommt dann ebenfalls einen Anfall, fängt an zu heulen, zerreisst seine Klamotten, schlägt sich selber die Nase blutig oder schlägt die anderen Kinder und vorzugsweise auch mich. Da war sehr viel Geduld und Verständnis gefragt, was mir nicht immer leicht gefallen ist.

In meiner letzten Woche ging es doch tatsächlich noch in die Schule, oder eher gesagt in eine soziale Einrichtung, wo unserer kleinen Gruppe ein Raum zur Verfügung gestellt wurde. Die Direktorin wollte, dass die Kinder auch mal in die Stadt rauskommen und das Lernen von ihrem Zuhause getrennt bleibt. Da die Einrichtung aber in einem Randbezirk Cuscos liegt, das Klassenzimmer aber mitten im Zentrum, mussten wir jeden Tag eines der so genannten "Colectivos" nehmen. Das sind Kleinstbusse, die als Busersatz dienen sollen. Selbst ich haben in diesen kaum Beinfreiheit und sie werden auch gnadenlos "vollgeladen". Ausser dem Fahrer gibt es auch noch eine Person, die das Fahrgeld (S/0.6, keine 0.2 Euro) einsammelt. Ausserdem soll diese auch noch das Colectivo vollbekommen, das heisst an jeder Bushaltestelle gibt er im Vorbeifahren die Fahrtziele bekannt, was aber so schnell passiert, dass man kaum etwas versteht. Sobald er einen Fahrgast gefunden hat, schreit er: "¡Sube!" (einsteigen) und der Fahrer hält abrupt an. Wenn man aussteigen will, muss man rechtzeitig "¡Bajo!" (ich steige aus) rufen, sonst braust das Colectivo einfach an der Haltestelle vorbei. So war allein schon die Fahrt recht aufregend. Die Kinder waren so fasziniert, dass sie alle ganz brav und still waren.
Die Lehrerin hatte gewechselt und so verlief der Unterricht etwas anders. Wir malten und zeichneten auch, neu war allerdings, dass die Kinder jeden Tag Kartoffeln und Bohnen schälen sollen. Das fördert natürlich auch die Feinmotorik und noch dazu hat es den Kindern sehr gefallen. Ausser beim Essen war es sonst die so ruhig, da die Kinder sehr konzentriert arbeiteten. Ausgerechnet der Junge, der sich immer so schnell langweilt und dann seine Anfälle bekommt, war der absolute Meisterschäler. Plötzlich war er total ruhig und schälte seine Kartoffeln sehr gründlich, so dass keine schwarze Stelle übrig blieb. Danach räumten die Kinder noch das Klassenzimmer auf, bevor wir dann immer noch etwas durch die Stadt bis zur Bushaltestelle gebummelt sind. Das hat den Kindern auch immer ausgesprochen gut gefallen, da sie so viele neue Dinge entdecken konnten.

Irgendwann war der letzte Tag gekommen und ich musste mich von den Kindern und meinen Mitarbeitern verabschieden. So habe ich eine Schokotorte und Limo mitgebracht, worauf sich die Kinder freudig gestürzt haben. Der Abschied fiel mir ganz schön schwer, weil ich die Kinder in den drei Monaten richtig ins Herz geschlossen habe, obwohl es oft auch echt schwierig mit ihnen war und ich gemerkt habe, dass mich viele Kinder auch liebgewonnen haben, wofür sich die ganze Arbeit echt gelohnt hat!

Dienstag, 8. April 2008

Meine peruanische Gastfamilie

Jetzt ist mein Aufenthalt in Cusco schon um, aber vielleicht interessiert es den ein oder anderen ja doch noch, in was für einer Familie ich die sechs Monate gelebt habe.

Abuelita Visi:
Sie ist die Mutter meiner Gastmutter und schon über 90 Jahre alt. Da sie an starkem Rheuma leidet, kaum noch laufen kann, schlecht sieht und schlecht hört, hält sie sich fast ausschliesslich in ihrem Zimmer auf. Deshalb habe ich sie die ganze Zeit über auch nie wirklich kennen gelernt. Geistig ist sie wohl aber noch sehr wach, und weniger vergesslich als ihre eigene Tochter.

Señora Emmita:
Meine Gastmutter ist schon 64 Jahre alt und so ehrer eine Oma für mich. Ihre grosse Herzlichkeit und Führsorge tragen zu diesem Gefühl bei. Sie ist schon seit über 20 Jahren verwitwet und hat hart gearbeitet, um ihren drei Töchtern ein schönes Leben zu ermöglichen. Zwar ist sie schon seit vielen Jahren in Rente, sie war Lehrerin, aber auch noch heute arbeitet sie unglaublich viel. Fast immer sieht man sie beschäftigt in der Küche oder im sonstigen Haushalt. Um noch etwas hinzuzuverdienen, hat sie zum Beispiel zu Ostern mehrere Hundert Empanadas gebacken, die sie dann an Freunde und Verwandte verkauft hat. Auch hat sie schon unglaublich schöne Tischdecken und Servietten bestickt, um sie zu verkaufen. Obwohl sie dadurch oft sehr spät ins Bett geht, steht sie eigentlich immer um 6 Uhr morgens auf um das Frühstück und die Einkäufe zu machen. Die einzige Pause gönnt sie sich zu ihren Telenovelas. Um Punkt 20 Uhr lässt sie alles stehen und liegen, weil dann ihre Lieblingstelenovela anfängt. Immer wenn einer ihrer zahlreichen Freunde und Verwandten vorbeikommt, nimmt sie sich auch viel Zeit für sie und serviert ihnen Leckereien. Sie ist auch sehr gläubig und so geht sie wenn sie Zeit hat, zur Messe und engagiert sich in vielen Kirchenkreisen.

Lula:
Lula ist mit 34 Jahren eigentlich die älteste Tochter. Eigentlich, weil sie von sich selbst sagt, dass sie im Kopf noch 15 Jahre alt ist, was oft gut zutrifft. So ist sie zum Beispiel eine gnadenlose Partygängerin. Unter der Woche? Mehrmals hintereinander? Für Lula kein Problem! Dazu kommt sie immer erst morgens ziemlich betrunken nach Hause. Bei Cuba Libre kann sie einfach nicht widerstehen. Wenn es um irgendwelche Ausgaben und Preise geht, kommt von ihr immer die Anzahl der Cuba Libres, die man für dieses Geld kaufen könnte. Am Tag nach einer ausschweifenden Partynacht bekommt man sie kaum zu Gesicht, weil es ihr so schlecht geht und sie den Tag nur im Bett verbringt. Sobald aber einer ihrer Partyfreundinnen anruft, die noch verrückter sind, ist sie wieder topfit und bereit für die nächste Party. So kommt es, dass ihr Sohn Fabrizzio seinen nachtaktiven Fisch nach seiner Mutter benannt hat. Ausserdem hat Lula eine ausgesprochene Vorliebe für junge, hübsche Typen, von denen sie regelmässig schwärmt. Als ich einmal mit ihr in einem Taxi sass, schrie sie plötzlich: "¡Mira!" ("Schau!"), womit sie mich zu Tode erschrocken hat, weil ich gedacht habe, das Auto baue gleich einen Unfall. Aber das hätte sie wahrscheinlich nur halb so aufgebracht, wie die Grupper hübscher Kerle, die sie am Strassenrand erspät hat. Ausserdem ist sie ein absoluter Film- und Musikfilm. Sie bevorzugt Komödien, weil wenn ein Film auch nur eine Spur von traurig ist, ihr gleich die Tränen kommen. Ihre Lieblingsmusik ist Reaggeton, was absolute Partymusik ist.
Was ich an Lula auch noch mag, ist dass sie sehr begeisterungsfähig ist, fast alles "¡lindo!" (schön) findet und fast jeder ist gleich "muy buena gente" (ein toller Mensch) für sie. Passend zu ihrem lebendigen Charakter, bestitzt sie unglaublich viele bunte mit lustigen Motiven und Sprüchen bedruckte T-Shirts, sowie Crocks in allen Farben.
Wenn man das jetzt so liesst, kann man es kaum glauben, dass Lula doch tatsächlich studierte Buchhalterin ist! Im Moment arbeitet sie aber auftragsweise für ein Unternehmen aus Lima, wodurch sie viel Zeit hat fürs Fitnessstudio, Englischunterricht, den Haushalt und natürlich zum Feiern.

Karina:
Karina ist 33 Jahre alt und lebt seit 3 Jahren mit ihrem kanadischen Mann peruanischer Abstammung und ihrer kleine Tochter Daniela in Montreal, Kanada. Das ist für sie oft gar nicht so einfach, weil sie sehr an ihrer Familie hängt. So kommt sie so oft sie kann nach Peru und ruft täglich an. Oft um nach Rezepten zu fragen, weil Kochen überhaupt nicht ihr Ding ist. Dagegen wäscht, malt, stickt und dekoriert sie ausgesprochen gerne. Sie achtet sehr auf ihr Aussehen und das ihrer Tochter. So bringt sie jedesmal Unmengen von Gepäck mit, unter anderem einen Koffer für Kosmetikprodukte und einen für Daniela. Ihre Tochter ist fast ausschliesslich mit Tommy Hilfiger gekleidet, wo Karina arbeitet. Eigentlich hat sie aber Tourismus studiert, womit sie in Kanada aber leider nicht viel anfangen kann. Das klingt jetzt alles ziemlich oberflächlich, was aber gar nicht zu trifft. Sie ist wie alle aus ihrer Familie unglaublich, nett, herzlich und offen.

Emma:
Sie ist mit ihren 32 Jahren die Jüngste der drei Schwestern. Emma ist eine sehr fleissige, gewissenhafte und gute Anwältin. Leider muss sie aber sehr viel arbeiten. Fast täglich macht sie unbezahlte Überstunden, geht auch mal am Wochenende zur Arbeit und hat dazu im Jahr nur einen Monat Ferien, wenn überhaupt. Sie wirkt auch noch wesentlich jünger, bleibt am Wochenende im Gegensatz zu ihrer ältesten Schwester aber lieber zu Hause und schaut Novelas, Kochsendungen, Fashion-TV oder liest ihre geliebte Cosmopolitan. Für Lula ist sie so sehr langweilig, auch weil Emma kaum etwas trinkt. Da sie ganz gut verdient, noch zu Hause wohnt und kein Kind hat, kann sie sich unglaublich viele Klamotten und Kosmetikprodukte leisten. Manchmal wirkt sie wie Fabrizzios Mutter, weil sie oft viel strenger mit ihm ist als Lula. Fabri lässt sich davon aber nicht gross beeindrucken. Während Lula diejenige ist, mit der man viel Spass haben und super weggehen kann, kann ich mich mit Emma sehr gut unterhalten und wir sitzen nach dem Abendessen noch oft lange zusammen und reden über Jungs, Peru, Klamotten, ihre Arbeit... Sie ist wirkt zwar erstmal etwas schüchtern und zurückhaltend, aber sie redet auch gerne und viel und bringt mit ihrem Humor die Familie oft zum Lachen.

Fabrizzio:
Fabri ist Lulas 14-jähriger Sohn. Er ist zwar echt schlau, aber unglaublich faul. So sind ihm die Schule und der tägliche Englischkurs verhasst. Er widmet seine Zeit lieber seinem gigantischem Aquarium. Sobald er nur ein bischen Geld besitzt, kommen neue Steine, Pflanzen oder Fische hinzu. Vergeblich versucht er seine Faszination auf den Rest der Familie zu übertragen. Wenn man mit ihm redet, endet das Gespräch immer bei seinem Aquarium. Das macht er so penetrant, dass wir anderen, um ihn etwas aufzuziehen, oft einfach die Flucht ergreifen, wenn er wieder von seinen Fischen anfängt. Fast genauso wie sein Aquarium liebt er Musik der 80-er Jahre, vor allem aber YMCA, was ich jetzt fast auswendig kann. So entsteht im Wohnzimmer immer ein regelrechter Musikkrieg, weil der Rest der Familie lateinamerikanische Musik bevorzugt. Deshalb lässt er sich aber noch lange nicht von seinem etwas aussergewöhnlichen Musikgeschmack abbringen. Er tanzt auch mal gerne mit den Orginalschritten vor und stört sich nicht daran, dass seine Familie vor Lachem am Boden liegt. Fabri steh mit seiner jungen Mutter eher in einem geschwisterlichen Verhältnis. So ziehen sie sich gerne gegenseitig auf oder kloppen sich etwas. Sie laufen auch beide fast immer in ihren Crocks rum.Manchmal wirkt er aber auch wie ihr Vater, wenn er seine Mutter ermahnt, nicht so viel wegzugehen und nicht so viel zu trinken. Das widerum veranlasst Lula dazu, zu sagen er wirke wie ein Opa und sei todlangweilig. Es gibt aber auch Momente, in denen man merkt, dass Fabri Lulas Sohn ist. Er kommt nämlich oft an, um von seiner Mutter in den Arm genommen zu werden oder um sie zu knuddeln.

Daniela:
Daniela ist Karinas Tochter und etwas älter als ein Jahr. Sie ist ein kleines, unglaublich süsses und sehr, sehr freches Pummelchen. Karina verzweifelt regelmässig an ihrer frechen Tochter. Daniela zieht mit Vorliebe die Tischdecken von gedeckten Tischen herunter, verteilt das Essen im ganzen Zimmer oder räumt Ladentheken ab. Wenn man dann mit ihr schimpft, strahlt sie einen nur an, und macht grad weiter.


Allesamt sind sie ungemein nett, herzlich und lustig. So sind die gemeinsamen Essen immer äusserst unterhaltsam, weil sie viele lustige Geschichten auf Lager haben, die sie lebendig zu erzählen wissen. Sie sagen mir immer, dass ich noch länger bleiben soll und wollen nicht, dass ich gehe. Oft fragen sie mich, wann ich denn wiederkomme, in mein cusqueñer Zuhause. So habe ich mich die ganze Zeit bei meiner Famile total wohl gefühlt und bin schon sehr lange traurig, sie so bald verlassen zu müssen. Ich werde sie einfach total vermissen!

Sonntag, 30. März 2008

Viertägiger Dschungeltrip ins Tambopatareservat

Peru verfügt nicht nur über Berge, Wüste und Küste, sondern auch über ein grosses Dschungelgebiet, was 3/5 der Landesfläche ausmacht. Die Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so bin ich für vier Tage ins Tambopatareservat gegangen. Dessen Regenwald gilt als der artenreichste der Welt. Peru ist sich schon recht früh über den ungemeinen Reichtum des Regenwaldes klargeworden und hat weite Teile streng geschützt.
Der Flug nach Puerto Maldonado dauerte keine halbe Stunde. Erst überflogen wir die schönen Anden, dann sah man eine Zeit nur Wolken und schon befanden wir uns über dem unendlich erscheinenden grünen Meer des Dschungels. Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt, denn durch die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit bekam ich zunächst gar keine Luft! Auf dem Boot, mit dem wir zur Lodge gefahren sind, wehte aber zum Glück ein angenehm frischer Wind und wir sassen im Schatten. Sobald es aber angehalten hat, fiel die Hitze wieder über einen her, ebenso die Moskitos. Die Bootsfahrt zur Lodge dauerte über drei Stunden und war zunächst echt interessant, weil man damit beschäftigt war die ganz neue Umgebung und die vielen neuen Eindrücke aufzunehmen. Aber ich war dann doch sehr froh, als wir am späten Nachmittag endlich angekommen sind. Wir wurden mit einem exotischen, erfrischenden Fruchtcocktail begrüsst. Hat das gut getan! Ich war ganz begeistert von der Lodge. Sie war zwar recht einfach, so ist sie nach traditioneller Art aus Holz und Palmblättern erbaut und es gibt nur im Essraum durch Solarenergie Strom, aber einfach schön. So mitten im Regenwald gelegen. Wahrscheinlich hat mich aber auch gerade diese Einfachheit begeistert. Wer will im Dschungel auch schon in ein Luxushotel? Wenn ich in mein Zimmer gekommen bin, wollte ich immer automatisch nach einem Lichtschalter suchen, musste dann aber zur Streichholzschachtel greifen. Das Zimmer besass natürlich auch keine Fenster sondern nur Moskitonetze, aber immerhin ein eigenes Bad mit richtiger Dusche und richtigem Klo. Zum Duschen blieb mir aber kaum Zeit, weil wir auf Kaimansuche gehen wollten. Kaimane sind eine Alligatorenart. Zunächst bekamen wir aber eine ausführliche Einführung, zu der leckere, salzige Bananenchips serviert wurden. Ich bin irgendwie in die Spanisch- und nicht in die Englischgruppe gerutscht. Das war aber auch gut so, denn ich hatte kaum Verständnisschwierigkeiten und die Gruppe bestand ausser mir nur noch aus einem argentinischen Ehepaar. Es war schon dunkel als wir endlich ins Boot gestiegen sind. Wir mussten ganz leise sein, während unserer Führer die Böschungen mit einem starken Scheinwerfer abgeleuchtet hat. Trifft das Licht auf einen an der Oberfläche schwimmenden Kaiman, so leuchten seine Augen rot auf und das Boot kann sich ihm vorsichtig nähern. Gleich am Anfang haben wir einen kleinen Kaiman entdeckt. Bei dem Gedanken, dass in dem Fluss, wo so viele Kaimane leben viele Leute schwimmen gehen, wurde mir bei dessen Anblick ganz mulmig zu mute. Mitten auf dem Fluss hat das Boot dann angehalten, der Motor wurde ausgestellt, das Licht wurde ausgemacht und jeder sollte ganz ruhig sein, um den Dschungel bei Nacht so richtig aufnehmen zu können. Das war ein tolles Erlebnis - der Mond schien und die Zikaden zirpten um die Wette. Ich hätte so ewig verweilen können. Aber schliesslich wartete das Abendessen in der Lodge auf uns und so haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Der Appetit wurde mir aber noch etwas verdorben, weil wir uns noch eine riesige Tarantel angeschaut haben, die sich in der Nähe der Lodge an einem Baumstamm ihr Nest gebaut hat. In der Nacht hatte ich so in meinem Zimmer immer etwas Angst, dass plötzlich so ein Vieh auftaucht, was natürlich nicht passiert ist. Vor dem Schlafengehen habe ich noch bei Kerzenlicht Tagebuch geschrieben und die Dschungelgeräusche auf mich einwirken lassen.

Am nächsten Morgen wurden wir schon um 4:30 Uhr geweckt! Wir wollten nämlich schon eine Stunde später zu einer 6-stündigen Dschungelwanderung aufbrechen und davor noch frühstücken. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, einem Bambusstock, langer Kleidung und viel Mückenschutzmittel haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Jetzt ging es das erste Mal richtig in den Dschungel! Na ja, auch nicht so ganz, denn schliesslich liefen wir auf angelegten Wegen und nicht durch das dichte grüne Dickicht. Das war aber schon beschwerlich genug, da die Wege teilweise sehr matschig waren und man oft fast bis zum Knie eingesunken ist. Durch die Umgebung wurde man aber mehr als entschädigt! Wir sahen viele exotische Pflanzen, Insekten, Frösche und Schmetterlinge in allen Farben und Grössen. Ab und zu haben wir uns auch ganz vorsichtig an einen schönen Vogel angeschlichen. Obwohl es dort unglaublich viele Tiere gibt, unter anderem auch Jaguare, ist es leider sehr schwierig diese auch zu sehen. Der Wald bietet ihnen einfach einen zu guten Schutz und sie sind natürlich sehr scheu. Als wir vergeblich nach Affen geschaut haben, lief plötzlich ein Ozelot an uns vorbei! Dieses sieht aus wie ein kleiner Jaguar. Ich habe es aber leider nur noch weglaufen gesehen. Unser Guide hat uns auch unglaublich viele Heilpflanzen gezeigt. Wenn er krank ist geht er nicht zum Arzt sondern in den Dschungel. Dort gibt es einfach Pflanzen gegen alles! Gegen Krebs, Fieber, Durchfall, zur schnelleren Wundheilung... Er liess uns auch viele Pflanzen und Früchte probieren. Wir sind auch an 60m hohen Bäumen mit unglaublich dicken Stämmen vorbei gekommen, sowie an Kautschukbäumen und dem so genannten Knoblauchbaum. Dessen Rinde riecht wie Knoblauch und wird von den Einheimischen auch als Mückenschutzmittel benutzt. Vor einem dieser unglaublich dicken Baumstämme hat der Argentinier die Fahne seines Lieblingsfussballclubs ausgepackt und sich fotografieren lassen - das sind Fans! Dann sind wir auch noch auf zwei seltsame Palmen gestossen. Zum einen war das die laufende Palme, deren Wurzeln schon ein gutes Stück über dem Boden anfangen, so dass es aussieht, als stehe sie auf ganz vielen Beinen. Die Wurzeln wachsen wohl auch immer auf der sonnenbeschieneneren Seite, so dass sie sich mehr Richtung Sonne bewegt und man den Eindruck bekommen kann sie laufe. Zum anderen sahen wir die erotische Palme. Deren Wurzeln, die ebenfalls weit über dem Boden wachsen, sehem dem männlichen Geschlechtsteil sehr ähnlich und haben so schon viele Dschungelbesucher in Verlegenheit gebracht.
Nach etwa drei Stunden und vielen neuen Eindrücken sind wir an unserem Ziel angekommen, an einem grossen See. In diesem See leben die vom aussterben bedrohten Riesenotter, die wir von weitem mit dem Fernglas beobachten konnten. Ausserdem sahen wir noch viele grosse, schöne Vögel und haben einfach im Kanu gesessen und diese wunderbare Stille auf dem See genossen. Da haben selbst die Moskitos und die intensive Sonneneinstrahlung kaum gestört.
Auf dem Rückweg hatten wir doch noch das Glück und haben eine ganze Horde kleiner Affen gesehen, die waghalsig von Baum zu Baum entlang des Weges gesprungen sind. Fotografieren lassen wollten sie sich leider nicht wirklich, obwohl sie sehr neugierig und gar nicht scheu waren. Ein süssen kleines Baby war auch dabei. Total erschöpft, denn es war inzwischen schon Mittag und drückend heiss, kamen wir wieder in der Lodge an.
Den Nachmittag über haben wir uns ausgeruht. Wir waren immer noch sehr kaputt und es ist einfach viel zu heiss, um etwas zu unternehmen. Ausserdem hat man morgens einfach die besten Chancen, Tiere zu sichten. Ich habe den Nachmittag lesend auf der Veranda in einem Liegestuhl verbracht. Trotz der Mücken kann man sich dort wunderbar entspannen. Man schaut in den Regenwald und hört die ganzen beruhigenden Dschungelgeräusche.
Vor dem Abendessen haben wir noch eine kleine Nachtwanderung gemacht. Der Regenwald ist einfach stockdunkel! In der Nacht kann man besonders gut Insekten, Frösche und nachtaktive Schmetterlinge sehen. Wäre unser Guide nicht gewesen , so hätte ich viele Tiere gar nicht gesehen, da sie wunderbar getarnt sind. Die Rücken der Frösche sehen Blättern zum Beispiel zum Verwechseln ähnlich. Wieder haben wir eine kleine Besinnungspause eingelegt und unsere Taschenlampen ausgestellt. Man sah nicht einmal die eigene Hand vor den Augen. Im Dunkeln und in der Stille konnte man die Geräusche und Atmosphäre besonders gut auf sich wirken lassen.
Beim Abendessen hat uns unser Guide dann erzählt, dass er die ganze Zeit ein Tapier gehört hat. Am Tag hatten wir Tapirspuren gesehen und die sind beängstigend gross! Um uns keinen Schrecken einzujagen, hat er es uns lieber erst nachher erzählt.

Am nächsten Tag konnten wir richtig ausschlafen, das heisst bis 5 Uhr. Da der Betrieb aber immer schon so um 4 Uhr los geht und die Dschungelgeräusche recht laut sind, war ich um diese Uhrzeit schon hellwach, was mir sonst nie passiert. Wir sind zu einer kleinen Papageienlehmlecke gefahren. In gut getarnten Häusschen mit nur einem kleinen Sehspalt und mit Ferngläsern bewaffnet haben wir auf die Papageien gewartet. Doch sie wollten nicht kommen! Es trieb sich nämlich ein Raubvogel um die Lehmlecke herum und so haben sich nur vereinzelte Papageien hergetraut. Diese waren grün und selbst mit Fernglas im Laub nur schwer zu entdecken. Nach einer Stunde sind wir etwas enttäuscht wieder aufgebrochen. Doch wir hatten Glück, denn die Papageien sind zu einer anderen Stelle am Flussufer ausgewichen, so dass wir sie vom Boot gut beobachten konnten. In Scharen kamen sie an und sassen an der Lehmwand, wo sie den Lehm assen. Das tun sie wohl, weil der wertvolle Mineralien enthält und ihren Körper von Giftstoffen befreit. Es war auf jeden Fall ein tolles, farbiges Spektakel!
Nach dem Frühstück haben wir uns noch die lodgeeigene kleine Ausstellung der Pflanzen und Tiere der Umgebung angeschaut. Wir sahen handgrosse Käfer, Piranhaskellette mit ihren langen scharfen Zähnen, eingelgte riesige Schlangen und viele unheimliche Tiere mehr. Da war ich ganz froh, dass die Tier doch so scheu sind.
Nach einer kurzen Pause haben wir eine Gemeinde von Einheimischen besucht. Doch leider war niemand von ihnen anzutreffen. Viele Familien sind auch in die Stadt, nach Puerto Maldonado, gezogen. Die Einheimischen besitzen ein grösseres Stück Sekundärwald, das sie bewirtschaften dürfen. Im Reservat selber darf weder Landwirtschaft betrieben werden, noch gejagt werden. Die Lodge hat ein enges Verhältnis zu einer der Familien. Der Besitzer hatte der Familie einst das Stück Land abgekauft, auf dem heute die Lodge steht. Er musste der Familie nicht nur Geld zahlen, sondern auch garantieren, dass die Lodge ihre Früchte von der Familie bezieht, Familienmitglieder einstellt und dass die Familie die Boote der Lodge mitbenutzen kann. Das nenne ich eine lobenswerte Kooperation. Wir wurden auf dem Grundstück der Familie herumgeführt und durften viele Früchte probieren. So assen wir Orangen, Sternfrucht, die leckere Frucht der Kakaopflanze und Cocoçao, eine brasilianische Frucht, aus der man besonders gut Cocktails machen kann. Ausserdem sahen wir Kaffeepflanzen, Bananenstauden und die Yukapflanze, deren Wurzeln man essen kann und die etwas an Kartoffeln erinnert. Diese Früchte kennt man bei uns nur aus dem Supermarkt und es war toll sie sich direkt vom Baum pflücken zu können und sie dann zu essen. Mmmh!
Am späten Nachmittag haben wir uns nochmal zu einem kleinen Dschungelspaziergang aufgemacht, aber leider ausser Insekten und Fröschen und den vielen Pfanzen nicht mehr gesehen. Danach sind wir zum Flussufer gelaufen, von wo aus man ganz wunderbar den Sonnenuntergang beobachten kann. Dieser war total farbintensiv und zu der Umgebung einfach richtig schön!
Damit war auch schon mein letzter Tag in der Lodge vergangen. Es ging einfach viel zu schnell! Andererseits braucht man aber auch sehr lange, um sich an das anstrengende Klima zu gewöhnen und ich habe mich schon wieder auf das frische Cusco gefreut.

Nach einem FRÜHstück sind wir auch schon mit dem Boot nach Puerto Maldonado aufgebrochen. Während der Bootsfahrt habe ich noch ein letztes Mal die tolle Dschungelatmosphäre genossen, die ich so schnell bestimmt nicht mehr erleben werde.