Dienstag, 13. Mai 2008

Kleines Schlusswort

Inzwischen bin ich schon seit über einer Woche wieder in Deutschland und habe mich schon mehr als eingelebt. Damit hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten, obwohl es natürlich eine völlig andere Welt ist, weil ich hier fast mein ganzes bisheriges Leben verbracht habe und alles so vertraut ist. Ich genieße es gerade total, wieder zu Hause bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein. Das tolle Wetter macht alles noch schöner. Wenn ich an meine insgesamt geniale Zeit in Peru zurückdenke, werde ich dennoch etwas traurig, weil ich das Land und die Leute einfach lieb gewonnen habe und sie vermisse. So bin ich sehr froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und habe mir schon fest vorgenommen, wenn möglich, eines Tages wieder nach Peru und Südamerika zu reisen!

Webalbum?

Besser spät als nie: wenn Interesse bestünde, würde ich noch ein kleines Webalbum erstellen. Also wenn ihr euch ein solches wünschen würdet, schreibt mir doch einen kleinen Kommentar oder eine Mail. Die Adresse würde ich dann auf den Blog stellen und per Mail weitergeben.

Máncora

Zum Abschluss meiner kleinen Reise habe ich mit der Berlinerin noch einen einwöchigen Strandurlaub in Máncora gemacht. Máncora liegt ganz im Norden von Peru, unweit der ekuadorianischen Grenze. Das ganze Jahr über ist es dort sehr warm und man kann immer im Pazifik baden gehen. Das haben wir auch richtig genossen und haben fast die ganz Zeit am Strand verbracht. In Máncora bleibt einem auch nicht viel anderes übrig, da es nur ein kleines nicht sonderlich schönes Dorf an der Panamerikana ist. In der Hochsaison wird wohl auch kräftig gefeiert, als wir da waren, waren die Clubs aber immer ziemlich leer. Der dortige Strand ist auf Grund des feinen weißen Sandes, der Palmen und des sehr klaren Wassers auf jeden Fall schön, wenn auch kein Traumstrand, da direkt an ihn viele Hostals und Restaurants grenzen. Uns hat es aber völlig gereicht, denn wir wollten uns einfach nur entspannen und bräunen. Zur Erfrischung sind wir trotz der großen Wellen im Meer baden gegangen, oder haben uns eine Kokosnuss gegönnt, deren Kokosmilch wir dann mit einem Strohhalm direkt getrunken haben. Ab und zu war der Wind leider so stark, dass man innerhalb weniger Minuten völlig mit Sand bedeckt war und Schwierigkeiten hatte das Handtuch zu finden. War das der Fall sind wir an den Pool unseres Hostals ausgewichen, wo man es sich Liegestühlen oder Hängematten gemütlich machen konnte. Zweimal sind wir an Strände in der näheren Umgebung gefahren, die noch ruhiger waren. Einer von ihnen war besonders schön, da dem Strand einige kleinere Felsreihen vorgelagert waren, durch die sich viele kleine Becken gebildet haben, in denen man schön planschen konnte.
Obwohl die Tage in Máncora alles andere als abwechslungsreich waren, hätte ich es dort noch gut länger aushalten können. Da ich mir aber noch ein paar Sehenswürdigkeiten in Lima anschauen wollte und mein Rückflug immer näher rückte, habe ich mich schweren Herzens auf den Rückweg nach Lima gemacht.

Montag, 12. Mai 2008

Trujillo

Am nächsten Morgen kamen die Holländerin und ich in der schönen Kolonialstadt Trujillo an, die an der Nordküste liegt. Dort trennten sich leider unsere Wege. Doch kaum hatte ich mich von der Holländerin verabschiedet, setzte sich eine Berlinerin zu mir an den Tisch und wir verstanden uns auf Anhieb gut. Also haben wir gleich mal zusammen einen Strandtag eingelegt. Die Sonne hat mir nach den kalten Tagen in Huaráz richtig gut getan. Da die Wellen aber bestimmt 1,5m groß waren, haben wir uns nicht ins Wasser getraut. Dafür konnten wir aber den Sufern und den einheimischen Fischern zusehen. Die dortigen Fischer benutzen seit mehr als 1000 Jahren kleine aus Schilf geflochtene Boote. Auf denen sitzen sie dann mit den Beinen im Wasser und paddeln geschickt gegen die großen Wellen an. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang ging es wieder zurück ins Hotel.

Für den nächsten Tag hatte ich eine Tour zum Mond-und Sonnentempel und zur riesigen Lehmstadt Chan Chan gebucht. Doch zunächst fuhren wir zu den Tempeln. Diese aus Millionen von Lehmziegeln erbauten Pyramiden stammen aus der Moche-Kultur (200 v. Chr.-850 n. Chr.) und liegen mitten in der Wüste. Leider wurde ein großer Teil durch heftige Regenfälle zerstört und es gab nicht mehr so viel interessantes zu sehen. Doch einige erstaunlich gut erhaltene Wandfriese mit ihren stilisierten Figurendarstellungen waren doch sehr beeindruckend.
Am Nachmittag haben wir uns Chan Chan angeschaut. Das etwa 1300 n. Chr. von den Chimú erbaute und 25 km² große Chan Chan ist die größte präkolumbische Stadtanlage ganz Amerikas und zugleich die größte Lehmziegelstadt der Welt. Einst wohnten in ihr etwa 60.000 Menschen und sie besaß unermessliche Schätze an Gold, Silber und Keramik. Durch die Plünderungen der Spanier ist davon heute kaum noch etwas übrig geblieben. Auch Chan Chan viel starken Regenfällen zum Opfer, weshalb heutzutage vor allem seine Größe beeindruckt. Einige original Friese und einige restaurierte kann man allerdings entdecken.
Obwohl ich alles ziemlich interessant fand, war ich doch froh, als die Tour dann vorbei war, da es ganz schön anstrengend ist den ganzen Tag einem spanischsprechendem Führer zuzuhören und das Neugelernte aufzunehmen.

Am dritten und letzten Tag in Trujillo bin ich durch die schöne Stadt geschlendert und habe mir einige der wunderschönen Kolonialhäuser angeschaut. Diese gibt es dort in allen Farben und sie bestechen vor allem durch ihre schönen Innenhöfe und die verschnörkelten Fenstergitter. Auf der Plaza de Armas lässt es sich in Trujillo auch gut aushalten, da auf dieser Palmen und eine Statue stehen und sie von bunten Häusern umgeben ist.
Am Abend habe ich mich dann wieder mit der Berlinerin getroffen, weil wir beschlossen hatten zusammen nach Máncora an den Strand zu fahren.

Huaráz

Nach einigen Tagen in Lima bin ich nach Huaráz gereist, das in der Cordillera Blanca auf ca. 3000m liegt. Dort gibt es besonders viele schneebedeckte Andengipfel, viele türkisblaue Seen und es werden viele Trekkingtouren angeboten. Ich habe mich für den dreitägigen Santa Cruz Trek entschieden. Da es nicht sofort losging, habe ich mit einer Holländerin, die ich im Bus kennengelernt habe, und einem Israeli noch eine kleine Mountainbiketour unternommen. Das war ein ganz guter Fitnesstest, weil man die Höhe ja nicht unterschätzen sollte. Es war auch richtig anstrengend aber auch sehr schön.
Am nächsten Tag ging es dann um sechs Uhr früh los. Zunächst saßen wir aber ewig in einem dieser engen Kleinbusse, die dazu auch noch ganz vollgestopft werden. Vom Bus aus haben wir schon einige tolle Berge und türkisfarbene Seen gesehen. Doch als wir endlich ankamen regnete es und man sah überhaupt nichts mehr! Das war natürlich sehr schade, aber die Landschaft war trotzdem schön, teilweise so verwunschen, weshalb der Regen und die Wolken auch gar nicht so unpassend waren. Obwohl es gar nicht so viel bergauf ging, war es teilweise schon echt anstrengend. So war es sehr angenehm, dass die Zelte und unser Gepäck von Maultieren getragen wurden. Zum Glück besserte sich das Wetter etwas und wir konnten unsere Zelte im Trockenen aufbauen. Kaum war das aber geschafft, fing es schon wieder an zu regnen, was in einem undichten Zelt besonders angenehm ist. Zum Glück konnten wir aber noch das Zelt tauschen, sonst hätte ich vor lauter Angst schwimmend wieder aufzuwachen wohl noch schlechter geschlafen.
Am Morgen mussten wir wieder früh raus, da wir heute viel vorhatten. Es ging nämlich in mehreren Stunden auf einen Pass in 4750m Höhe hinauf. Wir hatten wieder Pech mit dem Wetter und konnten außer Wolken kaum etwas sehen. Hinzu kam noch, dass wir gar nicht auf richtigen Wegen liefen, sondern im Matsch von Stein zu Stein springen mussten. Später kam noch etwas Schnee hinzu und wir mussten auch rutschige Steinplatten hinauf. Je höher wir uns kamen, desto anstrengender wurde es. Jeder Schritt kostete große Überwindung und Kraft. Als wir den Pass dann aber endlich erreicht hatten, war jede Anstrengung vergessen, es war einfach ein tolles Gefühl, es soweit hinauf geschafft zu haben. Da störte es uns auch kaum, dass wir außer Wolken und Schnee eigentlich nichts sahen. Normalerweise ist die Aussicht von dort oben wohl gigantisch. Weil es dort oben sehr kalt war, haben wir uns schnell an den Absstieg gemacht. Ging das schön einfach! Allerdings fanden wir wieder keinen Weg vor, sondern nur kleine Flüsse in denen wir von Stein zu Stein springen mussten. So waren die Füße natürlich schnell nass. Wir kamen an einem wunderschönen türkisfarbenen See vorbei und unten im Tal sahen wir zwei grün schimmernde Seen und endlich etwas blauen Himmel. Auf der anderen Seite des Passes verbesserte sich das Wetter zum Glück schlagartig und wir konnten vereinzelte Schneegipfel entdecken. Nach siebenstündiger Wanderung ohne größere Pausen kamen wir an unserem Zeltplatz an, der wunderschön zwischen den Bergen an einem See gelegen war. Da die Sonne schon um 18 Uhr unterging und es dann auch schnell dunkel wurde, sind wir schon um ca. 19 Uhr ins Bett gegangen, weil es einfach nichts mehr zu tun gab und wir alle natürlich ziemlich erschöpft waren. Da die Nächte sehr kalt waren und der geliehene Schlafsack mir nur bis zur Brust reichte, habe ich immer mit Fleece, Wollsocken, Stulpen und Mütze geschlafen.
Als wir am nächsten Morgen wieder früh aus unseren engen Zelten krochen, schien endlich richtig die Sonne, was richtig gut getan hat. In einem engen Tal sind wir runter gelaufen und es wurde grüner und grüner. Wir kamen wieder durch ein paar kleine Dörfer, wo uns Kinder nach Süßigkeiten fragten. Heute sahen wir auch endlich mehr von der Cordillera Blanca und so konnte ich den letzten Tag noch richtig genießen. Trotzdem war ich dann doch ganz froh, als wir am Nachmittag dann in den Bus nach Huaráz steigen konnten, schließlich hatte ich drei Tage lang nicht geduscht und kein richtiges Klo gesehen! Ich habe mich auch schon sehr auf den Strand in Trujillo gefreut, wo ich mich von der Wanderung erholen wollte. Nach der ersehnten Dusche und einem leckeren Essen, bin ich mit der Holländerin auch schon in den Bus nach Trujillo gestiegen.

Sonntag, 11. Mai 2008

Lima

Insgesamt war ich fast eine Woche in der 8 Millionen-Stadt Lima. Nach dem beschaulichen Cusco mit seinen 300.000 Einwohnern war das natürlich erstmal ein kleiner Schock und ich musste mich etwas an die Hauptstadt gewöhnen. Schnell habe ich es aber auch zu schätzen gelernt, endlich mal wieder in einer richtigen Großstadt zu sein, wo man einfach fast alles findet. So hatte ich auch keine Schwierigkeiten meine Tage in Lima mit einem abwechslungsreichen Programm zu füllen.
Ich habe bei einem Verwandten meiner Gastfamilie gewohnt, was sehr hilfreich war, weil ich ohne ihn in dieser riesen Stadt echt aufgeschmissen gewesen wäre. Sehr hilfreich war auch, dass in Lima gerade eine Freundin wohnt, die mir viel zeigen konnte.
So waren wir beispielsweise zusammen in Miraflores, einem sehr reichen Viertel Limas, das mit seinen vielen Hochhäusern eher an eine amerikanische Stadt erinnert. Um allerdings ersteinmal dorthin zu kommen, saß ich fast eineinhalb Stunden im Bus! Das ist in Lima nicht ungewöhnlich, da die Stadt wie gesagt so riesig und das Verkehrsaufkommen ungemein groß ist. In Miraflores ist es einfach schön an der Küste entlang zu schlendern und sich in einen der vielen schönen Parks zu setzen. Dort kann man dabei auch ganz entspannt bleiben, weil Miraflores im Vergleich zu anderen Vierteln sehr sicher ist. Es gibt in Miraflores auch die Möglichkeit Gleitschirm zu fliegen, über dem Meer und an den Hochhäusern vorbei. Das sah einfach toll aus und hätte mich auch gereizt, doch leider war es viel zu teuer. Man kann dort auch sehr gut und teuer essen und einkaufen gehen, zum Beispiel im Larcomar-Einkaufszentrum. Dieses liegt direkt an der Küste und die Meerseite ist komplett verglast, so dass man eine tolle Aussicht hat. Den Sonnenuntergang sieht man von dort aus wohl auch ganz besonders schön, ich war jedoch leider immer zu spät dran.
An Miraflores schließt sich das Vergnügungs- und ehemalige Künstlerviertel Barranco an. Barranco gehört ebenfalls zu den reichen Teilen, gefiel mir aber deutlich besser als Miraflores. Dort sieht man statt der vielen Hochhäuser mehr alte schöne Kolonialhäuser. Nachts kann man zwischen unzähligen Bars, Clubs und Discos wählen. Es gibt sogar ein "Bierhaus", wobei ich nicht weiß was sich die Peruaner dabei denken. In Deutschland zumindest habe ich noch nie ein Bierhaus gesehen. An einem Abend waren wir in einem Club bei einem Konzert, was sehr gut und unterhaltsam war.
Das Zentrum konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Dieses unterscheidet sich mit seiner imposanten Kathedrale und den vielen großen Kolonialhäusern nochmal deutlich von Miraflores und Barranco. Die Plaza de Armas dort ist einfach riesig und sehr schön, da sie von gelben Kolonialhäusern mit aufwändig geschnitzten Balkonen umgeben ist. Auf ihr stehen auch viele Palmen und ein großer Brunnen. An einer Seite befindet sich der Regierungpalast, wo jeden Tag um 12 Uhr die Wachablösung stattfindet. Die Kathedrale ist bei weitem nicht die einzige Kirche im Zentrum. Wir haben uns noch die Kirche San Francisco mit dem schönen dazugehörigen Kloster und den gruseligen Katakomben, mit den viel Totenköpfen, angeschaut. Sobald man aus dem schönen Zentrum herauskommt, befindet man sich in einer sehr armen Gegend, wo man alleine echt aufpassen sollte. Das fand ich ziemlich schockierend. Auch als wir mit einem Touribus auf den Cerro San Cristobal gefahren sind, einem kleinen Berg im Zentrum, kamen wir durch sehr arme Gegenden, was für mich sehr bedrückend war. Oben angekommen war aber alles vergessen, da man von dort aus eine wunderbare Aussicht auf das Häusermeer Limas hat. Es war schon dunkel und die Lichter wollten, egal in welche Richtung man schaute, einfach nicht aufhören! Dort oben wurde einem Limas Größe richtig vor Augen geführt.
An einem Abend haben wir uns den "Circuito Magico del Agua" angeschaut. In einem Park gibt es ganz viele verschiedene Brunnen, unter anderem mit einer 80m Fontäne den höchsten der Welt. Jeden Abend findet dort eine Licht und Lasershow begleitet von Musik statt. Die Brunnen leuchten dann in allen Farben und sind einfach schön anzuschauen. Ein Brunnen ist so konstruiert, dass die Wasserstrahlen einen Tunnel bilden, durch den man durchlaufen kann und trocken wieder herauskommt. Ein anderer ist großflächig angelegt und das Wasser kommt abwechselnd aus verschiedenen Drüsen. Theoretisch ist es wohl möglich trocken in die Mitte zu kommen; die Leute, die es versucht haben, sind aber alle klatschnass geworden. Auf einem weiteren wurden viele Bilder und Lasereffekte gezeigt. So war es ein schöner unterhaltsamer entspannter Abend.
Um an einen schönen Strand zu kommen, muss man allerdings ein gutes Stück aus Lima heraus. Das haben wir an einem Tag auch gemacht und es war wirklich schön. Tagsüber war es zwar noch sehr heiß in Lima, der Pazifik war zum Baden aber schon fast zu kalt. Trotz der großen Wellen, haben wir uns aber reingetraut. Nachts wurde es aber auch immer schneller ganz schön frisch und so haben wir es mit unserem Wein am Strand nicht mehr so lange ausgehalten.
Das war ein kleiner Eindruck aus der großen Stadt Lima, durch den vielleicht deutlich wurde, wie viele verschiedenen Dinge man dort erleben kann. So hat mir Lima insgesamt auch echt gut gefallen. Manchmal habe ich mich aber auch etwas eingeschränkt gefühlt, weil man immer so vorsichtig sein muss, und war so schon ganz froh, als es wieder ins beschauliche Unterjesingen zurückging.