Montag, 25. Februar 2008

Ica und die Oase Huacachina

Um von Nazca nach Ica zu gelangen, fährt man auf der Panamericana durch die Wüste. Die Landschaft war zwar recht eintönig aber dennoch beeindruckend. Wann ist man schonmal in der Wüste? Weniger schön waren die vielen "Städte" durch die wir gefahren sind. Die Häuser waren sehr einfach und bestanden oft nur aus Strohwänden und einem Wellblechdach. Wahrscheinlich sind das noch Spuren des Erdbebens, das die Region letzten Sommer schwer getroffen hat.

In Ica angekommen, haben wir gleich ein Taxi zur sehr viel ruhigeren und sichereren Oase Huacachina genommen. Diese liegt mitten in der Wüste an einer Lagune und ist von hohen Dünen umgeben. Nach dem Mittagessen haben wir eine Sandbuggytour gemacht. Hilfe, hatten wir Angst! Sobald wir uns angeschnallt hatten, ging es in einem atemberaubenden Tempo die steilsten Dünen hoch und runter. Aber die vielen scharfen Kurven und das Schanzen waren noch viel schlimmer! Ausgerechnet auf dem Gipfel der steilsten Düne sind die Räder des Sandbuggys im Sand stecken geblieben, so dass wir den Abgrund viel zu lange vor Augen hatten. Wir haben echt darum gebettelt, aussteigen zu dürfen! Durften wir aber nicht und im Endeffekt war es gar nicht so schlimm. Die Tour schloss auch Sandboarden mit ein. Ich musste mich ganz schön lange überwinden den steilen Hang herunterzufahren. Aber ich habe mich - um zu bremsen - einfach öfters hinfallen lassen, was in dem weichen warmen Sand ja kein Problem ist, und dann ging es. Die nächsten Male bin ich aber lieber mit dem Bauch auf dem Board die Dünen heruntergesaust. Das hat richtig viel Spass gemacht, weil man so richtig schnell wurde! Maria und ich haben Wettrennen veranstaltet -Wer schafft es weiter?- und so habe ich am Ende überhaupt nicht mehr gebremst. War das ein Spass! Gegen Ende der Tour haben wir uns noch den Sonnenuntergang in der Wüste angeschaut. Traumhaft! Ich wollte gar nicht mehr weg! Als wir wider Erwarten heil im Hostal angekommen waren, konnten wir uns erst so richtig über die Tour freuen. Währenddessen hatte ich oft zu viel Angst und wollte den Ausflug nur wohlbehalten überstehen. Im Nachhinein war es einfach genial, Adrenalin pur!

Den nächsten Tag haben wir etwas ruhiger angehen lassen, nämlich am Pool! War das schön erfrischend und entspannend: unter dem blauen Wüstenhimmel, umgeben von Palmen und Dünen. Die Hängematten haben auch viel zur Entspannung beigetragen.

Wohl oder übel mussten wir aber am Mittag weiter nach Pisco.

Sonntag, 24. Februar 2008

Nazca

Mit Maria, einer Freundin von hier, bin ich Ende Januar nach Nazca, das an der Südküste liegt, gefahren. Allein die Busfahrt dorthin war schon ein Erlebnis. Da Cusco im Andenhochland liegt, muss der Bus die gesamten Gebirgsketten bis an die Küste hin überwinden. Während ein Flug nach Lima gerade einmal 80 Minuten dauert, braucht der Bus dorthin mindestens 20 Stunden! Die Strasse wand sich also in unzähligen Serpentinen die Berge rauf und runter. Teilweise konnte man gar nicht von einer Strasse sprechen, Feldweg traf besser zu. Denn einige Abschnitte waren nicht einmal geteert und von Flüssen überflutet! Der Fels hing ab und zu gefährlich weit über, so dass der Bus zum Abgrund hin kaum Spielraum hatte. Dazu sind wir auch noch nachts gefahren. Wenn man also aufgewacht ist, jagte einem die schlechte Strasse regelmässig einen ganz schönen Schrecken ein! Zum Glück hatten wir uns aber die beste Busgesellschaft geleistet und der Busfahrer fuhr sehr vorsichtig. Dennoch war es eine grosse Erleichterung, als wir am nächsten Morgen heil im unglaublich heissen Nazca angekommen sind.

Am gleichen Tag haben wir noch einen Ausflug unternommen. Zunächst haben wir das Gräberfeld von Chauchilla besichtigt. Dort sieht man erstaunlich gut erhaltene Mumien, Schädel, Knochen, Keramik und Kleidungsstücke der Nazca-Kultur (1000 n. Chr.). Bis vor kurzem lagen sie noch in der Wüste verstreut, wo Grabräuber sie zurück gelassen hatten. Inzwischen hat man sie aber wieder in ihre Gräber gebettet.
Weiter ging es in eine Töpferwerkstatt, in der mit den Techniken und Materialien der Nazca ihre Keramik nachgebildet wird.
Ausserdem besuchten wir noch eine Goldwäscherei, wo uns gezeigt wurde, wie man während des Goldrauschs in der Region Gold gewonnen und gewaschen hat.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aus den Federn, weil wir gleich den ersten Flug über die mysteriösen Nazca-Linien gebucht hatten.

Die Nazca-Linien - Linien, geometrische Figuren, Tier- und Pflanzenzeichnungen - erstrecken sich über 500 Quadratkilometer in der trockenen, steinigen Ebene der Pampa Colorada. Vom Boden aus sieht man die Linien kaum. Erst aus der Luft betrachtet, erkennt man die unzähligen faszinierenden Figuren. Obwohl sich bereits zahlreiche Forscher intensiv mit ihnen beschäftigt haben, stellen sie weiterhin eines der grössten archeologischen Rätsel dar:

Wer erschuf die Linien?
Die deutsche Mathematikerin Maria Reiche, die ihr Leben der Erforschung der Linien widmete, vertrat die These, dass sie von der Paracas- und Nazca-Kultur zwischen 900 v. Chr. und 600 n. Chr. begonnen und von der Wari-Kultur im 7. Jahrhundert n. Chr. vervollständigt wurden.

Wie wurden die Linien erzeugt?
Um die Figuren zu erschaffen, stapelte man von der Sonne dunkel gefärbte Steine vom Wüstenboden an beiden Seiten der Linien, so dass der hellere, gipshaltige Boden sichtbar wurde. Doch in Anbetracht der Grösse der Figuren - die Eidechse ist 180m lang - und ihrer Komplexität - der Affe besitzt einen riesigen exakten spiralförmigen Schwanz - bleibt es ein Rätsel wie ihre Erbauer den Überblick bewahren konnten, da sie ja noch nicht die Möglichkeit besassen ihr Werk aus der Luft zu betrachten.

Warum wurden die Linien konstruiert?
Auch diese Frage kann nur spekulativ beantwortet werden. Die Theorien reichen von einem astronomischen Kalender für die Landwirtschaft, über eine gigantische Laufstrecke und einen Landeplatz für Ausserirdische, bis hin zu Darstellungen von durch halluzinogene Drogen ausgelösten Schamanenträume. Die wohl wahrscheinlichste These besteht darin, dass die Linien der Wasseranbetung in der trockenen Wüste dienten.

Aber gerade diese Geheimnisse sind es vermutlich, die zahlreiche Touristen, wie Maria und mich, anlocken.
Um die Linien also endlich mit eigenen Augen zu sehen, sind wir mit einem kleinen 6-Mann Sportflugzeug über sie geflogen. Anfangs war es in so einer kleinen Maschine ganz schön aufregend. Die Aufregung legte sich aber schnell, weil es ein sehr ruhiger Flug war, obwohl der Pilot über jeder Figur scharfe Kurven flog, damit jede Seite genug Zeit hatte die Figuren zu betrachten und Fotos zu machen. Letzteres gestaltete sich dennoch etwas schwierig, weil manche Abbildungen durch die Kamera schwer zu erkennen sind. So habe ich jetzt zahlreiche Fotos, auf denen die Figuren abgeschnitten oder nur sehr klein abgebildet sind.
Nach 35 Minuten war der Flug leider schon wieder zu Ende. Zum Abschluss konnten wir uns noch einen Film zum Thema anschauen.
Nach dem Frühstück sind wir auch schon weiter nach Ica gefahren.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Machu Picchu

Ein Machu Picchu Besuch, ein Besuch bei einem der neuen sieben Weltwunder, darf in Peru natürlich nicht fehlen. Ich habe es mir für meine Familie aufgehoben und so haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht.

Früh morgens sind wir in Cusco in den Zug gestiegen, der uns bis nach Agua Calientes, alias Machu Picchu Pueblo, bringen sollte. Da Cusco in einem von hohen Bergen umgebenen Tal liegt, musste der Zug lange Zick-Zack fahren und viel rangieren, um die Höhe zu überwinden. Das hat geruckelt!
Lange fuhr der Zug durch schöne Täler. Irgendwann bin ich eingenickt und als ich aufgewacht bin, befanden wir uns plötzlich in einer ganz anderen Welt - im Nebelwald. Die Vegetation war nun sehr üppig und man konnte viele bisher noch unbekannte Pflanzen und Bäume entdecken. Ich kam aus dem Fotos schiessen gar nicht mehr heraus! Nach vier Stunden Fahrt sind wir dann in Agua Calientes angekommen. Nach dem schönen Naturerlebnis ein ganz schöner Schock, da das Dorf richtig hässlich ist! Durch den Massentourismus nach Machu Picchu ist dieses zuvor unbedeutende Dorf ohne Stadtplanung rasant gewachsen und zahlreiche unschöne Hostals sind entstanden.

Da wir Machu Picchu erst am folgenden Tag besuchen wollten, haben wir den Nachmittag für einen Besuch im Machu Picchu Museum genutzt. Dieses liegt etwas ausserhalb und so sind wir eine ganze Weile durch den faszinierenden Nebelwald gelaufen. Das Museum war das beste, was ich bisher in Peru gesehen habe, denn es war sehr informativ und anschaulich aufgebaut. Im dazugehörigen Botanischen Garten mit seinen Orchideen, Bananenbäumen usw. konnten wir das neu erlangte Wissen dann gut verarbeiten.

Am nächsten Tag sind wir schon um 4:30 Uhr aufgestanden, um noch frühstücken zu können und um einen der ersten Busse zu nehmen und so den Touristenmassen zu entgehen.

Mit unserem Guide sind wir als erstes zu einem Aussichtspunkt hochgestiegen. Doch die Ruinen lagen im Nebel und man konnte kaum etwas erkennen. Der Nebel erzeugte aber eine sehr schöne Stimmung, passend zu dieser mystischen Inkastadt. Zwei Stunden wurden wir von unserem Guide durch die Anlage geführt und haben dabei viel Neues und Interessantes erfahren. Hier das Wichtigste:

Die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Südamerikas wurde nie von den Spaniern entdeckt und war bis zum frühen 20. Jahrhundert nur den Einheimischen bekannt. Obwohl Machu Picchu seit seiner "Entdeckung" intensiv erforscht wird, bleibt vieles rätselhaft. Der Zweck der Stadt ist zum Beispiel bis heute unklar und es wird nur spekuliert. Lange glaubte man, dass Machu Picchu die Stadt der "ausgewählten" Frauen war, da 80% der dort gefundenen Skelette weiblich sind. Bei Nachforschungen stellte man allerdings fest, dass dem nicht so war und diese Theorie hatte sich somit erübrigt. Einige Forscher meinen auch, dass die Festung in den letzten Jahren des Inkareichs gegründet wurde, um die Kultur zu bewahren. Wieder andere sind der davon überzeugt, dass Machu Picchu als königlicher Schlupfwinkel oder Landsitz diente. Bei all diesen Unklarheiten, sieht man es aber als erwiesen an, dass Machu Picchu ein bedeutendes zeremonielles Zentrum war, auf Grund seiner hervorragenden Steinarbeiten und reichen Verziehrungen.

Nachdem wir uns von unserem Guide verabschiedet hatten, sind wir noch den Wayna Picchu hinaufgestiegen. Von dort aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Anlage und man erkennt die Kondorform, in der die Stadt angelegt ist. Der Kondor spielte bei den Inkas eine bedeutende spirituelle Rolle, da er durch seine ausgezeichnete Flugfähigkeit den Himmel mit der Erde verband. Danach hatten wir immer noch nicht genug und sind nochmal zum Aussichtspunkt hochgelaufen, da wir am frühen Morgen ja fast nichts gesehen hatten. Nun lag die Ruinenstadt klar sichtbar vor uns. Dort hätte ich ewig bleiben können und spätestens nun war ich davon überzeugt, dass Machu Picchu zurecht eines der neuen sieben Weltwunder ist.

Schliesslich mussten wir uns aber von diesem wunderbaren Ort losreissen, denn unser Zug nach Cusco fuhr bereits am Nachmittag.

Montag, 11. Februar 2008

Weihnachten und Silvester in Peru

Es ist zwar inzwischen schon fast zwei Monate her, aber vielleicht interessiert es ja doch noch den ein oder anderen, wie hier in Peru Weihnachten und Silvester gefeiert werden kann.


Gleich am Morgen des 24. Dezembers war für mich grosse Bescherung, denn ich konnte endlich meine Mutter, meine Schwester, meinen Onkel und meinen Cousin vom Flughafen abholen.
Ich habe ihnen gleich etwas von Cusco gezeigt. Wir sind zur Plaza de Armas gelaufen, Cuscos schönem Hauptplatz. Dort findet jedes Jahr am 24. Dezember der Weihnachtsmarkt Santurantikuy statt, wo viele Campesinos Krippen, die dazugehörigen unglaublich süssen Figuren und vieles mehr verkaufen. Da der Markt aber unglaublich überfüllt war, kam gar keine richtige Kaufstimmung auf.

Am Nachmittag habe ich geholfen die zu Weihnachten hier obligatorische Krippe aufzubauen. Die Krippe war sehr gross und mit zahlreichen Figuren und Moss sehr schön hergerichtet. Das Jesuskind lag sehr gemühtlich und warm angezogen in seiner Krippe und hatte sogar eine Mütze zum Wechseln. Zu guter letzt wurde noch eine bunt blinkende Lichterkette angebracht, die die Krippe laut meiner Gastfamilie zu einer Discokrippe gemacht hat; recht hatten sie! Viele Peruaner mögen es halt, wenn alles glitzert und blinkt und das Haus vor lauter Weihnachtsdeko fast nicht mehr als solches zu erkennen ist.

Abends sind wir in die Kirche gegangen, die ebenfalls sehr schön geschmückt war, was aber im starken Kontrast zu ihrem Wellblechdach stand. Die dortige Krippe war einfach riesig! Viele Familien haben ihr Jesuskind mitgebracht, um es segnen zu lassen. Der Gottesdienst wurde von fröhlicher Weihnachtsgitarrenmusik begleitet. Aber spätestens bei der Predigt - die Weihnachtsgeschichte durfte natürlich nicht fehlen - kehrte Besinnlichkeit ein und die tiefe Gläubigkeit der Kirchenbesucher war deutlich spürbar. Diese Mischung aus Unbeschwertheit und Feierlichkeit hat mir sehr gut gefallen.

Wieder zu Hause, haben wir bei heisser Schokolade und unglaublich süssem "Champagner" auf 0 Uhr gewartet. Die Wartezeit wurde durch eine Weihnachts-CD verkürzt, auf der sich die ganzen typischen Weihnachtslieder aber eben auf Spanisch befanden; ausserdem Jingle Bells von einem bellenden Hund vertont. Hier in Peru glaubt man, dass Jesus um 0 Uhr geboren wurde und so findet die Bescherung erst dann statt. In vielen Familien findet dann auch noch ein grosses Festmahl statt, das sich bis weit in die Nacht hinein ziehen kann. Um 0 Uhr war es dann also endlich so weit und die Geschenke konnten ausgepackt werden. Da wir insgesamt zehn Personen waren haben wir gewichtelt - eine sehr schöne Idee wie ich finde. Danach sind wir dann aber schnell ins Bett gegangen, weil grosse Müdigkeit herrschte.

Das Festessen fand in meiner Gastfamilie am 25. Dezember statt. Die ganze Familie war zu diesem Anlass eingeladen und jeder hat zum Truthahn einen Salat beigesteuert. Es war sehr lecker aber unglaublich viel!


So, nun zu Silvester: Im engen Familienkreis sind wir am Abend in die Stadt gegangen und haben uns in ein Café mit Balkon an der Plaza de Armas gesetzt. Bei Café und Cocktails haben wir schon wieder auf 0 Uhr gewartet, während sich der Platz immer mehr mit Leuten gefüllt hat. Schon deutlich vor 0 Uhr wurde viel geballert, so dass wir vor Schreck öfters aufgesprungen sind und sich bald Asche in unseren Cocktails befand! An dieser Stelle ist es vielleicht ganz angebracht zu sagen, dass in Peru bei weitem nicht nur an Silvester geknallt wird. Selbst Heiligabend ging es richtig ab und bei jedem Heiligenfest, von denen es hier zahlreiche gibt, werden Raketen gezündet. Dennoch, an Silvester erreicht die Knallerei ihren Höhepunkt und wir waren froh, auf einem Balkon zu sitzen und nicht in den Massen auf der Plaza zu stehen. Um 0 Uhr haben dann viele Leute angefangen um den Platz zu rennen, teilweise mit ihrer Unterwäsche über der Kleidung! Woher dieser seltsame Brauch kommt, konnte mir aber niemand sagen. Nachdem wir dem Treiben eine Weile zu gesehen hatten, sind wir nach Hause geganen, wo wir noch etwas Karten gespielt haben, bevor es dann ins Bett ging.