Donnerstag, 10. April 2008

Die letzten Wochen bei der Arbeit

Ich habe ja schon fast nicht mehr daran geglaubt, aber die letzten beiden Wochen konnte ich doch tatsächlich noch mit den älteren Kindern zusammen arbeiten. Das war eine willkommene Abwechslung und hat meine Motivation wieder etwas gesteigert. Eigentlich hätten die Kinder ja schon am 3. März in die Schule gehen sollen, aber wie es hier in Peru nun mal so ist, dauerte es noch einen ganzen Monat länger. Aber schon davor haben wir mit acht der Grösseren
angefangen in der Behinderteneinrichtung selber zu arbeiten. Obwohl sie zwischen neun und 18 Jahren alt sind, können die wenigsten Buchstaben nicht einmal nach Vorlage schreiben und so haben wir uns darauf konzentriert ihre Geschicklichkeit durch Zeichnen, Malen und Kügelchen formen, die anschliessend in Zeichnungen geklebt wurden, zu fördern. Auch sollten sie die Alltagsgegenstände wie Zahnbürste, Besen, Kleidung... kennen und benutzen lernen. Während einige ganz gut mitgearbeitet haben und auch recht schnell lernten, bereiteten andere grosse Probleme. Ein Mädchen zum Beispiel fand immer eine Ausrede warum sie gerade nicht arbeiten kann. Entweder war es die fehlende Brille, ein schmerzender Finger oder sie verspürte regelmässig ganz plötzlich das dringende Bedürfnis auf die Toilette zu gehen. Ein Junge, der eigentlich sehr viel beherrscht, so kann er beispielsweise seinen Namen schreiben oder Türschlösser öffnen, um dann abzuhauen, bekommt öfters Anfälle und wird sehr aggressiv. Er geht dann auf die anderen Kinder los oder beschmiert einen mit seinem Speichel. Ein anderer Junge widerrum, langweilt sich sehr schnell, bekommt dann ebenfalls einen Anfall, fängt an zu heulen, zerreisst seine Klamotten, schlägt sich selber die Nase blutig oder schlägt die anderen Kinder und vorzugsweise auch mich. Da war sehr viel Geduld und Verständnis gefragt, was mir nicht immer leicht gefallen ist.

In meiner letzten Woche ging es doch tatsächlich noch in die Schule, oder eher gesagt in eine soziale Einrichtung, wo unserer kleinen Gruppe ein Raum zur Verfügung gestellt wurde. Die Direktorin wollte, dass die Kinder auch mal in die Stadt rauskommen und das Lernen von ihrem Zuhause getrennt bleibt. Da die Einrichtung aber in einem Randbezirk Cuscos liegt, das Klassenzimmer aber mitten im Zentrum, mussten wir jeden Tag eines der so genannten "Colectivos" nehmen. Das sind Kleinstbusse, die als Busersatz dienen sollen. Selbst ich haben in diesen kaum Beinfreiheit und sie werden auch gnadenlos "vollgeladen". Ausser dem Fahrer gibt es auch noch eine Person, die das Fahrgeld (S/0.6, keine 0.2 Euro) einsammelt. Ausserdem soll diese auch noch das Colectivo vollbekommen, das heisst an jeder Bushaltestelle gibt er im Vorbeifahren die Fahrtziele bekannt, was aber so schnell passiert, dass man kaum etwas versteht. Sobald er einen Fahrgast gefunden hat, schreit er: "¡Sube!" (einsteigen) und der Fahrer hält abrupt an. Wenn man aussteigen will, muss man rechtzeitig "¡Bajo!" (ich steige aus) rufen, sonst braust das Colectivo einfach an der Haltestelle vorbei. So war allein schon die Fahrt recht aufregend. Die Kinder waren so fasziniert, dass sie alle ganz brav und still waren.
Die Lehrerin hatte gewechselt und so verlief der Unterricht etwas anders. Wir malten und zeichneten auch, neu war allerdings, dass die Kinder jeden Tag Kartoffeln und Bohnen schälen sollen. Das fördert natürlich auch die Feinmotorik und noch dazu hat es den Kindern sehr gefallen. Ausser beim Essen war es sonst die so ruhig, da die Kinder sehr konzentriert arbeiteten. Ausgerechnet der Junge, der sich immer so schnell langweilt und dann seine Anfälle bekommt, war der absolute Meisterschäler. Plötzlich war er total ruhig und schälte seine Kartoffeln sehr gründlich, so dass keine schwarze Stelle übrig blieb. Danach räumten die Kinder noch das Klassenzimmer auf, bevor wir dann immer noch etwas durch die Stadt bis zur Bushaltestelle gebummelt sind. Das hat den Kindern auch immer ausgesprochen gut gefallen, da sie so viele neue Dinge entdecken konnten.

Irgendwann war der letzte Tag gekommen und ich musste mich von den Kindern und meinen Mitarbeitern verabschieden. So habe ich eine Schokotorte und Limo mitgebracht, worauf sich die Kinder freudig gestürzt haben. Der Abschied fiel mir ganz schön schwer, weil ich die Kinder in den drei Monaten richtig ins Herz geschlossen habe, obwohl es oft auch echt schwierig mit ihnen war und ich gemerkt habe, dass mich viele Kinder auch liebgewonnen haben, wofür sich die ganze Arbeit echt gelohnt hat!

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