Früh morgens sind wir von Arequipa mit einem lokalen Bus losgefahren. Diese Busfahrt war in vielerlei Hinsicht wirklich ein Erlebnis. Zum einen sind wir lange durch das Yura, eine weiße Gesteinswüste, gefahren. Außer weissen Bergen, Geröll und vereinzelten Kakteen gab es dort gar nichts. Zum anderen hat irgendwann der Kühler unseres Busses gestreikt und wir mussten sehr oft anhalten, um neues Wasser nachzuschütten. Außerdem waren die Strassen größtenteils nicht befestigt und der Bus hat ziemlich geruckelt, was mit einer vollen Blase nochmal unangenehmer war. Der Bus hat aber nicht nur dauernd auf Grund des defekten Kühlers angehalten, sondern auch, weil jede paar Meter jemand ein- oder aussteigen wollte. Irgendwann war der Bus so voll, dass mir dauernd Leute auf die Füße getreten sind und wirklich niemand mehr reingepasst hätte. So waren wir echt froh, als wir nach sechs Stunden endlich in Cabanaconde, einem kleinen Dorf am Rande des Cañons, aussteigen konnten. Dort wurden wir von unserem Guide bekocht und am Nachmittag sind wir aufgebrochen. Ich hatte es natürlich nicht geschafft, mich auf das Nötigste zu beschränken und musste so den größten Rucksack drei Tage lang tragen. Obwohl wir am ersten Tag nur in den Cañon abgestiegen sind, war es auf Grund des Gepäcks und der Hitze echt anstrengend. Um so faszinierender war es dann, die Einheimischen zu beobachten, wie sie mit ihren vollbeladenen Maultieren, drei langen Rohren auf der Schulter und lediglich mit Flip-Flops an den Füßen regelrecht an uns vorbei gerannt sind. Die Nacht haben wir in einem kleinen weit abgelegenen Dorf, bestehend aus vielleicht fünf Häusern, verbracht. Wir haben in einer Hütte aus Lehmziegeln und mit einem Wellblechdach geschlafen. Der Boden bestand aus festgetretener Erde und die Betten waren ebenfalls entsprechend einfach. Nachdem ich meine Läuseangst überwunden hatte, konnte ich aber erstaunlich gut schlafen.
Am nächsten Tag ging es viel bergauf und ich habe ganze 5 Liter getrunken! Wir wurden aber mit einer fantastischen Aussicht über den Cañon belohnt. Außerdem konnten wir uns mittags am und im Pool einer Oase entspannen. Es war ein ganz neues Erlebnis sich im Bikini umgeben von hohen Bergen zu sonnen. Da es am Nachmittag für vier Stunden ununterbrochen bergauf gehen sollte, haben wir uns ein Maultier für unsere Rucksäcke gegönnt, ein paar sogar auch zum Reiten. Das war echt eine gute Entscheidung, denn es war auch so schon äußerst anstrengend. Trotz aller Strapazen waren wir am Abend wieder fit, um unsere Tour zu feiern. Dazu sind wir mit unseren Guides in eine sehr einfache Dorfkneipe gegangen. Der Cuba Libre wurde halb halb gemixt und so wurde es echt lustig. Der Wirt, ein junger Peruaner namens Ludwig, hat auf seiner Gitarre vorgespielt und später wurde zu Salsa und anderer Musik getanzt.
Trotz der Fiesta haben wir es am nächsten Morgen geschafft, früh aufzustehen, denn wir wollten zum Condor-Watching. Zusammen mit vielen anderen Touris haben wir zunächst nur Adler gesehen; kurz vor Schluss aber immerhin noch für wenige Sekunden einen Kondor. Anschließend konnten wir in Chivay unsere strapazierten Muskeln in den dortigen Hot Springs entspannen. Und die waren wirklich heiss, beinahe zu heiss. Länger als eine Stunde habe ich es nicht ausgehalten.
Mit dem Bus ging es zurück nach Arequipa und von dort aus wieder mit dem Nachtbus nach Cusco. Endlich angekommen, konnte ich mich gerade noch für eine Stunde hinlegen, bevor ich wegen der Schule schon wieder aufstehen musste.
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