Dienstag, 13. November 2007

Meine Arbeit

Jetzt arbeite ich schon eine knappe Woche in dem Kindergarten "Jardin Aldea" und werde an dieser Stelle meine ersten Eindrücke schildern.
"Jardin Aldea" gehört zum staatlichen Waisenhaus "Juan Pablo II" ( Johannes Paul II.). Die Mehrzahl der Kinder kommt aber nicht aus dem Waisenhaus, sondern aus armen Familien. Das merkt man daran, dass manche Kinder keine Schuluniform, oder besser gesagt keinen Schultrainingsanzug, besitzen oder viel schlimmer keine Schulbücher. Ausserdem sind sie oft krank und ihre Zähne befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Nach dem Kindergarten verkaufen einige der Eltern auch Süssigkeiten oder Eis vor dem Schultor.
Es gibt drei Klassen für jeweils ca. 30 Schüler, die drei bis fünf Jahre alt sind. Um 9 fängt der Unterricht an, wenn man es überhaupt so nennen kann. Da in vier Wochen schon die knapp dreimonatigen Ferien anfangen, haben sie die Bücher schon fast durchgearbeitet. Die Aufgaben bestehen hauptsächlich darin, Bilder auszumalen. Zwar haben meine Vierjährigen schon die Zahlen von 1-20 durchgenommen und geübt ihre Namen zu schreiben, doch die allerwenigsten beherrschen es auch. Momentan malen sie den gesamten Vormittag Winnie the Pooh- Bilder aus. Nach der einstündigen Pause, in der die Kinder essen und draussen spielen, wird dann noch für eine Stunde gepuzzelt, bis es dann um 12:30 Uhr für die meisten Kinder nach Hause geht.
Ich würde gerne neue Sachen mit den Kindern ausprobieren. Das Problem ist nur, dass mir bisher noch nichts geeignetes eingefallen ist, da sich die Kinder nur sehr schwer konzentrieren können, wenig verstehen und schnell wild werden. Ausserdem sind wir Freiwilligen oft mit den Kindern alleine. Die Lehrerinnen halten entweder ein Schwätzchen oder erscheinen erst gar nicht. Und es ist beinahe unmöglich alleine mit 30 Kindern fertig zu werden. Wenn sie dann da sind, sind sie völlig unmotiviert und ziehen das übliche Programm von Bilder ausmalen und puzzeln durch. Hinzu kommt noch, dass die Lehrerinnen die Freiwilligen wohl sehr oft mehr oder weniger dazu zwingen, neue Anschaffungen zu machen, sonst haben die armen Kinder ja nichts zum Spielen. Ich bin ja gerne dazu bereit, den Kindern etwas zu kaufen, will das aber selber entscheiden und die Art und Weise wie sie fragen stört mich einfach. Dieses Verhalten der Lehrerinnen, die dann auch wieder sehr nett sein können, macht mich wütend und traurig zu gleich, denn so habe ich das Gefühl ausgenutzt zu werden. Ausserdem kann ich auf diese Weise nicht so viel bewirken, da wir Freiwilligen die Lehrer ja nur ersetzen anstatt sie zu unterstützen, damit die Kinder mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Auf der anderen Seite habe ich auch schon viele schöne Momente bei der Arbeit erlebt. Die Kinder fassen unglaublich schnell Vertrauen zu einem und streiten sich darum, wer nun auf den Schoss kommen oder die Hand des Freiwilligen halten darf. Die meisten sind auch unglaublich lieb und bieten zum Beispiel ihr Essen an oder wollen einem Küsschen geben.
Ich hoffe, dass in Zukunft die positiven Seiten überwiegen werden, denn noch finde ich meine Arbeit nicht so erfüllend, wie ich es mir erhofft habe.

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