Mit meiner Freundin These bin ich für fünf Tage an den Titicacasee gefahren.
Zunächst etwas zur Fahrt: Wir wollten gerne nachmittags schon los, damit wir nicht zu spät in Puno ankommen und so noch etwas Zeit haben, uns ein Hostal zu suchen. Das Problem ist nur, dass es nachmittags kaum Busse von Cusco nach Puno gibt. Also waren wir gezwungen einen recht einfachen Bus zu nehmen. Auf den Fotos der Busgesellschaft sah der Bus natürlich richtig gut aus. Ausserdem wurde mir versichert, der Bus brauche nur 6 Stunden. Nachdem ich kritisch nachgefragt hatte, denn ich wusste von Freunden, dass die Busse alles andere als gut sind, bekamen wir die Tickets immerhin für 15 S/. pro Person. Wie zu erwarten war, war es ein echter Klapperbus und wir waren auch die einzigen Touristen. Auf der Fahrt sind immer wieder Leute ein und aus gestiegen. Manche wollten Essen verkaufen, andere mit Gedichten und Bonbons etwas Geld verdienen. Plötzlich hörten wir ein lautes Geräusch und der Bus hielt am Strassenrand. Was war geschehen? Ein Bündel voll mit Avokados war vom Dach gefallen und diese lagen nun über mehrere Meter auf der Strasse verteilt! Zum Glück hatten These und ich den Rucksack im Passagierraum verstaut. Die Avokados wurden eingesammelt und weiter ging's. Die weitere Fahrt verlief dann ruhiger und wir konnten die wunderschöne Landschaft geniessen, die an uns vorbei zog. Doch leider wurde irgendwann der Fernseher eingestellt und das Programm war einfach nur schrecklich! Eine hässliche, dicke Sängerin, die nicht singen konnte, "tanzte" in den verschiedensten Kostümen an den verschiedensten Orten in Peru. Wir mussten ihre "Lieder", die sich alle gleich schrecklich anhörten, mindestens eine halbe Stunde ertragen. Da wäre mir noch deutsche Volksmusik lieber gewesen! Wir waren also sehr froh als wir endlich nach acht Stunden Fahrt (eigentlich ja nur sechs...) in Puno aussteigen konnten!
Am nächsten Morgen wollten wir uns die Grabtürme von Sillustani anschauen und am Nachmittag weiter nach Copacabana in Bolivien reisen. Ein Typ im Hotel wollte uns aber unbedingt organisierte Touren verkaufen und meinte, es wäre auf Grund eines Streiks sehr schwer nach Bolivien zu kommen. Zum Glück haben wir aber nicht auf ihn gehört und unser Programm nicht umgeschmissen, denn es hat alles auch ohne Guide wunderbar geklappt und war um einiges billiger.
Sillustani liegt wunderschön an einem anderen See. Die Grabtürme, die bis zu zwölf Meter hoch sind, stammen teilweise noch aus der Pukara-Kultur (ca. 400 v. Chr.-5oo n. Chr.). Dort wurden ihre Herrscher bestattet und den Gräbern wurden viele Kostbarkeiten beigegeben. Sehen konnte man davon leider nichts mehr und viele der Türme waren schon zerfallen. Dennoch war es beeindruckend. Toll war auch, dass wir, da wir am Morgen dort waren, den Touristenmassen entgangen sind und die tolle Landschaft ganz ungestört geniessen konnten.
Wie vorgesehen, sind wir mittags weiter nach Copacabana. Mit dem Regionalbus sind wir bis zur peruanischen Grenzstadt Yunguyo gefahren. Kaum waren wir aus dem Bus ausgestiegen, wurden wir von zwei Typen angequatscht, die uns für einen Sol mit Fahrradwagen an die Grenze bringen wollten. Mitten auf der Fahrt hiess es dann es würde doch fünf Soles kosten und es würden keine Colectivos oder Taxis fahren. Kurz danach ist ein Colectivo an uns vorbeigefahren...Die Fahrt war dennoch, abgesehen davon, dass es sehr kalt war, ein nettes Erlebnis. Bis wir dann endlich in Bolivien waren hat es noch eine ganze Weile gedauert. Zunaechst musste man zur Polizei den Einwanderungszettel abgeben und sich anschliessend noch im Migrationsbuero den Ausreisestempel holen. Da These ihren Einwanderungszettel leider verloren hatte, mussten wir ein paar mal hin und her und jedesmal hinter einer grossen Gruppe anstehen. Als wir dann endlich auf der bolivianischen Seite waren, ging das ganze Theater von vorne los.
Zum Glück hatten wir jedoch in dem tollen Hotel "La Cupula" ein Zimmer ergattert und konnten uns dort wunderbar von den Reisestrapazen entspannen. Abgesehen davon, dass die Dusche richtig schön heiss war, hatten wir eine tolle Aussicht auf den Titicacasee. Aber das Restaurant schlug alles. Dort habe ich endlich mal wieder einen leckeren Salat gegessen und auch die Hauptspeise und der Nachtisch waren einfach vorzüglich! So gut habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Und alles zusammen hat umgerechnet nur 5 Euro gekostet! Bolivien ist noch einmal deutlich billiger als Peru.
Da wir vom Abendessen so begeistert waren, wollten wir dort auch unbedingt frühstuecken. Doch leider haben wir die Zeitverschiebung vergessen und mussten uns so ziemlich beeilen, damit wir ueberhaupt noch das Boot zur Isla del Sol erwischen konnten.
Nach einem bescheidenen Frühstueck auf der Isla del Sol haben wir uns in den Norden der Insel aufgemacht, um uns dort wieder einmal Inkaruinen anzuschauen. Das erste Inkapaar stammt nämlich von dort. Wir kamen an einem Sandstrand vorbei und die Sonne schien. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben man befände sich am Meer. Die Aussicht war überhaupt die ganze Zeit fantastisch und liess einen beinahe den anstrengenden Weg von Norden nach Sueden vergessen, der ueber zwei 4000er führte. Das klingt jetzt ziemlich beeindruckend. Man muss dazu aber sagen, dass der Titicacasee schon auf einer Höhe von 3800 Metern liegt. Die Luft ist aber trotzdem deutlich dünner. Der Himmel war etwas bewölkt, wodurch der See aber nur noch schöner aussah, weil er in sämtlichen Blau- und Grautönen schimmerte.
Im Süden haben wir dann in einem Hostal übernachtet, wo es sehr kalt war. Selbst mit vier Decken und mit Jacke hat man noch gefrohren!
Am nächsten Morgen sind wir recht früh aufgebrochen, da uns niemand eine verlässliche Auskunft geben konnte, wann das erste Boot nach Copacabana fährt. Am Strand mussten wir eine ganze Weile warten bis uns ein Typ angesproche hat, ob wir nach Copacabana wollen. Wir sassen schon auf dem Boot, wollten aber noch kurz etwas kleines Essen. Also haben wir gefragt, ob wir noch Zeit haben und sind für kurze Zeit wieder an Land gegangen. Als wir gerade anfangen wollten zu essen, fuhr der Typ mit seinem Boot einfach davon! Zum Glück fuhr eine halbe Stunde später das naechste, denn oft fährt wohl das erste Boot viel später.
Während auf der Isla del Sol die Sonne schien, war es über Copacabana ganz schwarz und in der Nähe hatte es sogar geschneit! Das Gewitter hat sich aber glücklicherweise zurückgezogen, denn das Boot hat auch schon bei nicht so hohen Wellen bedenklich geschwankt.
In Copacabana haben wir uns erstmal in den Hängematten des "La Cupula[s]" entspannt bevor wir unsere grossen Shoppingtour begonnen haben. Die Souvenirs, der Schmuck und die Wollprodukte waren zwar mehr oder weniger die gleichen wie in Peru, aber deutlich billiger, weshalb wir richtig zugeschlagen haben. Zu mittag haben wir dann nochmal im "La Cupula" gegessen, bevor es zurueck nach Puno ging.
Die Rueckfahrt verlief reibungslos und wir haben ein neues Visum fuer drei Monate bekommen.
Im Bus haben wir einen Peruaner kennengelernt, der in der Tourismusbranche arbeitet. Mit ihm sind wir am Abend auch noch ein bischen weggegangen und er konnte uns einige gute Tipps geben.
Am nächsten Morgen wurden wir zu einem Ausflug zu den schwimmenden Inseln der Uros abgeholt. Diese Inseln werden aus verschieden Schilfpflanzen hergestellt und sind nicht am Grund befestigt. Unser Guide hat uns schon auf dem Motorboot einiges erzählt. Immer wieder hat er betont, dass der Titicacasee auf Armari Titichacha ausgesprochen wird, was irgendwann ziemlich genervt hat. Als wir nach ca. einer halben Stunde endlich die Inseln erreicht haben, wurde uns ziemlich schnell klar, wie touristisch sie sind. An jeder Insel lag ein Touriboot und auf jeder Insel wurde die gleiche Show abgezogen. Wir wurden von den "Bewohnern"(die meisten von ihnen leben in Puno) freundlich begrüsst und haben erklärt bekommen, wie die Inseln konstruiert werden. Sobald dieser Programmpunkt beendet war, haben sie uns die üblichen Souvenirs andrehen wollen. Ausserdem durften wir uns ihre Häuser ansehen, die ebenfalls aus Schilf und sehr schön anzusehen sind, und Fotos in ihren Kleidern machen, was wir nicht gemacht haben, da wir uns schon so wie blöde Touris gefühlt haben. Wenn man genauer hingeschaut hat, konnte man hinter ihren Hütten ganz normale Kleider, die an einer Wäscheleine aufgehängt waren erkennen. Das hat uns dann noch den Rest gegeben. Verabschiedet wurden wir dann unter anderem mit dem Lied "Vamos a la playa" und "Hasta la Vista Baby". Für 10 S/. sind wir dann noch mit einem Schilfboot zu einer anderen Insel gefahren. Ich glaube den "Inselbewohnern" geht es dank dem Massentourismus echt gut. Ohne den Tourismus gäb es die Urosinseln auch gar nicht mehr.
Auf der zweiten Insel wollten wir uns gemühtlich in der Sonne entspannen. Dies war aber unmöglich, da laufend Peruaner und Peruanerinnen angekommen sind, die unbedingt ein Foto mit uns Gringas, so werden Menschen aus westlichen Ländern hier genannt, machen wollten. Das kann ich bis heute nicht verstehen. Sie hatten auch überhaupt kein Interesse daran, sich mit uns zu unterhalten, sie wollten nur ein Foto.
So sind wir etwas enttäuscht wieder nach Puno zurückgefahren. Natürlich war es schon ein Erlebnis auf so einer etwas schwankenden Insel zu stehen und an manchen Stellen das Wasser durchschimmern zu sehen, aber das ganze Tamtam drumherum hat doch sehr gestört.
Nach einem sehr guten Mittagessen sind wir um kurz vor 14 Uhr am Terminal Terrestre angekommen und haben sogar noch einen Bus um 14 Uhr erwischt. Das geht auch nur in Peru.
Obwohl der Bus diesmal wider Erwarten echt komfortabel war, war die Busfahrt irgendwann echt ätzend, weil die Heizung auf Hochtouren lief und ein Kind ununterbrochen geschrien hat.
Wir waren so erschöpft und froh als wir endlich, endlich Cusco nach sieben Stunden Fahrt erreicht hatten.
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