Es ist zwar inzwischen schon fast zwei Monate her, aber vielleicht interessiert es ja doch noch den ein oder anderen, wie hier in Peru Weihnachten und Silvester gefeiert werden kann.
Gleich am Morgen des 24. Dezembers war für mich grosse Bescherung, denn ich konnte endlich meine Mutter, meine Schwester, meinen Onkel und meinen Cousin vom Flughafen abholen.
Ich habe ihnen gleich etwas von Cusco gezeigt. Wir sind zur Plaza de Armas gelaufen, Cuscos schönem Hauptplatz. Dort findet jedes Jahr am 24. Dezember der Weihnachtsmarkt Santurantikuy statt, wo viele Campesinos Krippen, die dazugehörigen unglaublich süssen Figuren und vieles mehr verkaufen. Da der Markt aber unglaublich überfüllt war, kam gar keine richtige Kaufstimmung auf.
Am Nachmittag habe ich geholfen die zu Weihnachten hier obligatorische Krippe aufzubauen. Die Krippe war sehr gross und mit zahlreichen Figuren und Moss sehr schön hergerichtet. Das Jesuskind lag sehr gemühtlich und warm angezogen in seiner Krippe und hatte sogar eine Mütze zum Wechseln. Zu guter letzt wurde noch eine bunt blinkende Lichterkette angebracht, die die Krippe laut meiner Gastfamilie zu einer Discokrippe gemacht hat; recht hatten sie! Viele Peruaner mögen es halt, wenn alles glitzert und blinkt und das Haus vor lauter Weihnachtsdeko fast nicht mehr als solches zu erkennen ist.
Abends sind wir in die Kirche gegangen, die ebenfalls sehr schön geschmückt war, was aber im starken Kontrast zu ihrem Wellblechdach stand. Die dortige Krippe war einfach riesig! Viele Familien haben ihr Jesuskind mitgebracht, um es segnen zu lassen. Der Gottesdienst wurde von fröhlicher Weihnachtsgitarrenmusik begleitet. Aber spätestens bei der Predigt - die Weihnachtsgeschichte durfte natürlich nicht fehlen - kehrte Besinnlichkeit ein und die tiefe Gläubigkeit der Kirchenbesucher war deutlich spürbar. Diese Mischung aus Unbeschwertheit und Feierlichkeit hat mir sehr gut gefallen.
Wieder zu Hause, haben wir bei heisser Schokolade und unglaublich süssem "Champagner" auf 0 Uhr gewartet. Die Wartezeit wurde durch eine Weihnachts-CD verkürzt, auf der sich die ganzen typischen Weihnachtslieder aber eben auf Spanisch befanden; ausserdem Jingle Bells von einem bellenden Hund vertont. Hier in Peru glaubt man, dass Jesus um 0 Uhr geboren wurde und so findet die Bescherung erst dann statt. In vielen Familien findet dann auch noch ein grosses Festmahl statt, das sich bis weit in die Nacht hinein ziehen kann. Um 0 Uhr war es dann also endlich so weit und die Geschenke konnten ausgepackt werden. Da wir insgesamt zehn Personen waren haben wir gewichtelt - eine sehr schöne Idee wie ich finde. Danach sind wir dann aber schnell ins Bett gegangen, weil grosse Müdigkeit herrschte.
Das Festessen fand in meiner Gastfamilie am 25. Dezember statt. Die ganze Familie war zu diesem Anlass eingeladen und jeder hat zum Truthahn einen Salat beigesteuert. Es war sehr lecker aber unglaublich viel!
So, nun zu Silvester: Im engen Familienkreis sind wir am Abend in die Stadt gegangen und haben uns in ein Café mit Balkon an der Plaza de Armas gesetzt. Bei Café und Cocktails haben wir schon wieder auf 0 Uhr gewartet, während sich der Platz immer mehr mit Leuten gefüllt hat. Schon deutlich vor 0 Uhr wurde viel geballert, so dass wir vor Schreck öfters aufgesprungen sind und sich bald Asche in unseren Cocktails befand! An dieser Stelle ist es vielleicht ganz angebracht zu sagen, dass in Peru bei weitem nicht nur an Silvester geknallt wird. Selbst Heiligabend ging es richtig ab und bei jedem Heiligenfest, von denen es hier zahlreiche gibt, werden Raketen gezündet. Dennoch, an Silvester erreicht die Knallerei ihren Höhepunkt und wir waren froh, auf einem Balkon zu sitzen und nicht in den Massen auf der Plaza zu stehen. Um 0 Uhr haben dann viele Leute angefangen um den Platz zu rennen, teilweise mit ihrer Unterwäsche über der Kleidung! Woher dieser seltsame Brauch kommt, konnte mir aber niemand sagen. Nachdem wir dem Treiben eine Weile zu gesehen hatten, sind wir nach Hause geganen, wo wir noch etwas Karten gespielt haben, bevor es dann ins Bett ging.
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