Mit Maria, einer Freundin von hier, bin ich Ende Januar nach Nazca, das an der Südküste liegt, gefahren. Allein die Busfahrt dorthin war schon ein Erlebnis. Da Cusco im Andenhochland liegt, muss der Bus die gesamten Gebirgsketten bis an die Küste hin überwinden. Während ein Flug nach Lima gerade einmal 80 Minuten dauert, braucht der Bus dorthin mindestens 20 Stunden! Die Strasse wand sich also in unzähligen Serpentinen die Berge rauf und runter. Teilweise konnte man gar nicht von einer Strasse sprechen, Feldweg traf besser zu. Denn einige Abschnitte waren nicht einmal geteert und von Flüssen überflutet! Der Fels hing ab und zu gefährlich weit über, so dass der Bus zum Abgrund hin kaum Spielraum hatte. Dazu sind wir auch noch nachts gefahren. Wenn man also aufgewacht ist, jagte einem die schlechte Strasse regelmässig einen ganz schönen Schrecken ein! Zum Glück hatten wir uns aber die beste Busgesellschaft geleistet und der Busfahrer fuhr sehr vorsichtig. Dennoch war es eine grosse Erleichterung, als wir am nächsten Morgen heil im unglaublich heissen Nazca angekommen sind.
Am gleichen Tag haben wir noch einen Ausflug unternommen. Zunächst haben wir das Gräberfeld von Chauchilla besichtigt. Dort sieht man erstaunlich gut erhaltene Mumien, Schädel, Knochen, Keramik und Kleidungsstücke der Nazca-Kultur (1000 n. Chr.). Bis vor kurzem lagen sie noch in der Wüste verstreut, wo Grabräuber sie zurück gelassen hatten. Inzwischen hat man sie aber wieder in ihre Gräber gebettet.
Weiter ging es in eine Töpferwerkstatt, in der mit den Techniken und Materialien der Nazca ihre Keramik nachgebildet wird.
Ausserdem besuchten wir noch eine Goldwäscherei, wo uns gezeigt wurde, wie man während des Goldrauschs in der Region Gold gewonnen und gewaschen hat.
Am nächsten Morgen mussten wir früh aus den Federn, weil wir gleich den ersten Flug über die mysteriösen Nazca-Linien gebucht hatten.
Die Nazca-Linien - Linien, geometrische Figuren, Tier- und Pflanzenzeichnungen - erstrecken sich über 500 Quadratkilometer in der trockenen, steinigen Ebene der Pampa Colorada. Vom Boden aus sieht man die Linien kaum. Erst aus der Luft betrachtet, erkennt man die unzähligen faszinierenden Figuren. Obwohl sich bereits zahlreiche Forscher intensiv mit ihnen beschäftigt haben, stellen sie weiterhin eines der grössten archeologischen Rätsel dar:
Wer erschuf die Linien?
Die deutsche Mathematikerin Maria Reiche, die ihr Leben der Erforschung der Linien widmete, vertrat die These, dass sie von der Paracas- und Nazca-Kultur zwischen 900 v. Chr. und 600 n. Chr. begonnen und von der Wari-Kultur im 7. Jahrhundert n. Chr. vervollständigt wurden.
Wie wurden die Linien erzeugt?
Um die Figuren zu erschaffen, stapelte man von der Sonne dunkel gefärbte Steine vom Wüstenboden an beiden Seiten der Linien, so dass der hellere, gipshaltige Boden sichtbar wurde. Doch in Anbetracht der Grösse der Figuren - die Eidechse ist 180m lang - und ihrer Komplexität - der Affe besitzt einen riesigen exakten spiralförmigen Schwanz - bleibt es ein Rätsel wie ihre Erbauer den Überblick bewahren konnten, da sie ja noch nicht die Möglichkeit besassen ihr Werk aus der Luft zu betrachten.
Warum wurden die Linien konstruiert?
Auch diese Frage kann nur spekulativ beantwortet werden. Die Theorien reichen von einem astronomischen Kalender für die Landwirtschaft, über eine gigantische Laufstrecke und einen Landeplatz für Ausserirdische, bis hin zu Darstellungen von durch halluzinogene Drogen ausgelösten Schamanenträume. Die wohl wahrscheinlichste These besteht darin, dass die Linien der Wasseranbetung in der trockenen Wüste dienten.
Aber gerade diese Geheimnisse sind es vermutlich, die zahlreiche Touristen, wie Maria und mich, anlocken.
Um die Linien also endlich mit eigenen Augen zu sehen, sind wir mit einem kleinen 6-Mann Sportflugzeug über sie geflogen. Anfangs war es in so einer kleinen Maschine ganz schön aufregend. Die Aufregung legte sich aber schnell, weil es ein sehr ruhiger Flug war, obwohl der Pilot über jeder Figur scharfe Kurven flog, damit jede Seite genug Zeit hatte die Figuren zu betrachten und Fotos zu machen. Letzteres gestaltete sich dennoch etwas schwierig, weil manche Abbildungen durch die Kamera schwer zu erkennen sind. So habe ich jetzt zahlreiche Fotos, auf denen die Figuren abgeschnitten oder nur sehr klein abgebildet sind.
Nach 35 Minuten war der Flug leider schon wieder zu Ende. Zum Abschluss konnten wir uns noch einen Film zum Thema anschauen.
Nach dem Frühstück sind wir auch schon weiter nach Ica gefahren.
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