Montag, 12. Mai 2008

Huaráz

Nach einigen Tagen in Lima bin ich nach Huaráz gereist, das in der Cordillera Blanca auf ca. 3000m liegt. Dort gibt es besonders viele schneebedeckte Andengipfel, viele türkisblaue Seen und es werden viele Trekkingtouren angeboten. Ich habe mich für den dreitägigen Santa Cruz Trek entschieden. Da es nicht sofort losging, habe ich mit einer Holländerin, die ich im Bus kennengelernt habe, und einem Israeli noch eine kleine Mountainbiketour unternommen. Das war ein ganz guter Fitnesstest, weil man die Höhe ja nicht unterschätzen sollte. Es war auch richtig anstrengend aber auch sehr schön.
Am nächsten Tag ging es dann um sechs Uhr früh los. Zunächst saßen wir aber ewig in einem dieser engen Kleinbusse, die dazu auch noch ganz vollgestopft werden. Vom Bus aus haben wir schon einige tolle Berge und türkisfarbene Seen gesehen. Doch als wir endlich ankamen regnete es und man sah überhaupt nichts mehr! Das war natürlich sehr schade, aber die Landschaft war trotzdem schön, teilweise so verwunschen, weshalb der Regen und die Wolken auch gar nicht so unpassend waren. Obwohl es gar nicht so viel bergauf ging, war es teilweise schon echt anstrengend. So war es sehr angenehm, dass die Zelte und unser Gepäck von Maultieren getragen wurden. Zum Glück besserte sich das Wetter etwas und wir konnten unsere Zelte im Trockenen aufbauen. Kaum war das aber geschafft, fing es schon wieder an zu regnen, was in einem undichten Zelt besonders angenehm ist. Zum Glück konnten wir aber noch das Zelt tauschen, sonst hätte ich vor lauter Angst schwimmend wieder aufzuwachen wohl noch schlechter geschlafen.
Am Morgen mussten wir wieder früh raus, da wir heute viel vorhatten. Es ging nämlich in mehreren Stunden auf einen Pass in 4750m Höhe hinauf. Wir hatten wieder Pech mit dem Wetter und konnten außer Wolken kaum etwas sehen. Hinzu kam noch, dass wir gar nicht auf richtigen Wegen liefen, sondern im Matsch von Stein zu Stein springen mussten. Später kam noch etwas Schnee hinzu und wir mussten auch rutschige Steinplatten hinauf. Je höher wir uns kamen, desto anstrengender wurde es. Jeder Schritt kostete große Überwindung und Kraft. Als wir den Pass dann aber endlich erreicht hatten, war jede Anstrengung vergessen, es war einfach ein tolles Gefühl, es soweit hinauf geschafft zu haben. Da störte es uns auch kaum, dass wir außer Wolken und Schnee eigentlich nichts sahen. Normalerweise ist die Aussicht von dort oben wohl gigantisch. Weil es dort oben sehr kalt war, haben wir uns schnell an den Absstieg gemacht. Ging das schön einfach! Allerdings fanden wir wieder keinen Weg vor, sondern nur kleine Flüsse in denen wir von Stein zu Stein springen mussten. So waren die Füße natürlich schnell nass. Wir kamen an einem wunderschönen türkisfarbenen See vorbei und unten im Tal sahen wir zwei grün schimmernde Seen und endlich etwas blauen Himmel. Auf der anderen Seite des Passes verbesserte sich das Wetter zum Glück schlagartig und wir konnten vereinzelte Schneegipfel entdecken. Nach siebenstündiger Wanderung ohne größere Pausen kamen wir an unserem Zeltplatz an, der wunderschön zwischen den Bergen an einem See gelegen war. Da die Sonne schon um 18 Uhr unterging und es dann auch schnell dunkel wurde, sind wir schon um ca. 19 Uhr ins Bett gegangen, weil es einfach nichts mehr zu tun gab und wir alle natürlich ziemlich erschöpft waren. Da die Nächte sehr kalt waren und der geliehene Schlafsack mir nur bis zur Brust reichte, habe ich immer mit Fleece, Wollsocken, Stulpen und Mütze geschlafen.
Als wir am nächsten Morgen wieder früh aus unseren engen Zelten krochen, schien endlich richtig die Sonne, was richtig gut getan hat. In einem engen Tal sind wir runter gelaufen und es wurde grüner und grüner. Wir kamen wieder durch ein paar kleine Dörfer, wo uns Kinder nach Süßigkeiten fragten. Heute sahen wir auch endlich mehr von der Cordillera Blanca und so konnte ich den letzten Tag noch richtig genießen. Trotzdem war ich dann doch ganz froh, als wir am Nachmittag dann in den Bus nach Huaráz steigen konnten, schließlich hatte ich drei Tage lang nicht geduscht und kein richtiges Klo gesehen! Ich habe mich auch schon sehr auf den Strand in Trujillo gefreut, wo ich mich von der Wanderung erholen wollte. Nach der ersehnten Dusche und einem leckeren Essen, bin ich mit der Holländerin auch schon in den Bus nach Trujillo gestiegen.

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