Sonntag, 11. Mai 2008

Lima

Insgesamt war ich fast eine Woche in der 8 Millionen-Stadt Lima. Nach dem beschaulichen Cusco mit seinen 300.000 Einwohnern war das natürlich erstmal ein kleiner Schock und ich musste mich etwas an die Hauptstadt gewöhnen. Schnell habe ich es aber auch zu schätzen gelernt, endlich mal wieder in einer richtigen Großstadt zu sein, wo man einfach fast alles findet. So hatte ich auch keine Schwierigkeiten meine Tage in Lima mit einem abwechslungsreichen Programm zu füllen.
Ich habe bei einem Verwandten meiner Gastfamilie gewohnt, was sehr hilfreich war, weil ich ohne ihn in dieser riesen Stadt echt aufgeschmissen gewesen wäre. Sehr hilfreich war auch, dass in Lima gerade eine Freundin wohnt, die mir viel zeigen konnte.
So waren wir beispielsweise zusammen in Miraflores, einem sehr reichen Viertel Limas, das mit seinen vielen Hochhäusern eher an eine amerikanische Stadt erinnert. Um allerdings ersteinmal dorthin zu kommen, saß ich fast eineinhalb Stunden im Bus! Das ist in Lima nicht ungewöhnlich, da die Stadt wie gesagt so riesig und das Verkehrsaufkommen ungemein groß ist. In Miraflores ist es einfach schön an der Küste entlang zu schlendern und sich in einen der vielen schönen Parks zu setzen. Dort kann man dabei auch ganz entspannt bleiben, weil Miraflores im Vergleich zu anderen Vierteln sehr sicher ist. Es gibt in Miraflores auch die Möglichkeit Gleitschirm zu fliegen, über dem Meer und an den Hochhäusern vorbei. Das sah einfach toll aus und hätte mich auch gereizt, doch leider war es viel zu teuer. Man kann dort auch sehr gut und teuer essen und einkaufen gehen, zum Beispiel im Larcomar-Einkaufszentrum. Dieses liegt direkt an der Küste und die Meerseite ist komplett verglast, so dass man eine tolle Aussicht hat. Den Sonnenuntergang sieht man von dort aus wohl auch ganz besonders schön, ich war jedoch leider immer zu spät dran.
An Miraflores schließt sich das Vergnügungs- und ehemalige Künstlerviertel Barranco an. Barranco gehört ebenfalls zu den reichen Teilen, gefiel mir aber deutlich besser als Miraflores. Dort sieht man statt der vielen Hochhäuser mehr alte schöne Kolonialhäuser. Nachts kann man zwischen unzähligen Bars, Clubs und Discos wählen. Es gibt sogar ein "Bierhaus", wobei ich nicht weiß was sich die Peruaner dabei denken. In Deutschland zumindest habe ich noch nie ein Bierhaus gesehen. An einem Abend waren wir in einem Club bei einem Konzert, was sehr gut und unterhaltsam war.
Das Zentrum konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Dieses unterscheidet sich mit seiner imposanten Kathedrale und den vielen großen Kolonialhäusern nochmal deutlich von Miraflores und Barranco. Die Plaza de Armas dort ist einfach riesig und sehr schön, da sie von gelben Kolonialhäusern mit aufwändig geschnitzten Balkonen umgeben ist. Auf ihr stehen auch viele Palmen und ein großer Brunnen. An einer Seite befindet sich der Regierungpalast, wo jeden Tag um 12 Uhr die Wachablösung stattfindet. Die Kathedrale ist bei weitem nicht die einzige Kirche im Zentrum. Wir haben uns noch die Kirche San Francisco mit dem schönen dazugehörigen Kloster und den gruseligen Katakomben, mit den viel Totenköpfen, angeschaut. Sobald man aus dem schönen Zentrum herauskommt, befindet man sich in einer sehr armen Gegend, wo man alleine echt aufpassen sollte. Das fand ich ziemlich schockierend. Auch als wir mit einem Touribus auf den Cerro San Cristobal gefahren sind, einem kleinen Berg im Zentrum, kamen wir durch sehr arme Gegenden, was für mich sehr bedrückend war. Oben angekommen war aber alles vergessen, da man von dort aus eine wunderbare Aussicht auf das Häusermeer Limas hat. Es war schon dunkel und die Lichter wollten, egal in welche Richtung man schaute, einfach nicht aufhören! Dort oben wurde einem Limas Größe richtig vor Augen geführt.
An einem Abend haben wir uns den "Circuito Magico del Agua" angeschaut. In einem Park gibt es ganz viele verschiedene Brunnen, unter anderem mit einer 80m Fontäne den höchsten der Welt. Jeden Abend findet dort eine Licht und Lasershow begleitet von Musik statt. Die Brunnen leuchten dann in allen Farben und sind einfach schön anzuschauen. Ein Brunnen ist so konstruiert, dass die Wasserstrahlen einen Tunnel bilden, durch den man durchlaufen kann und trocken wieder herauskommt. Ein anderer ist großflächig angelegt und das Wasser kommt abwechselnd aus verschiedenen Drüsen. Theoretisch ist es wohl möglich trocken in die Mitte zu kommen; die Leute, die es versucht haben, sind aber alle klatschnass geworden. Auf einem weiteren wurden viele Bilder und Lasereffekte gezeigt. So war es ein schöner unterhaltsamer entspannter Abend.
Um an einen schönen Strand zu kommen, muss man allerdings ein gutes Stück aus Lima heraus. Das haben wir an einem Tag auch gemacht und es war wirklich schön. Tagsüber war es zwar noch sehr heiß in Lima, der Pazifik war zum Baden aber schon fast zu kalt. Trotz der großen Wellen, haben wir uns aber reingetraut. Nachts wurde es aber auch immer schneller ganz schön frisch und so haben wir es mit unserem Wein am Strand nicht mehr so lange ausgehalten.
Das war ein kleiner Eindruck aus der großen Stadt Lima, durch den vielleicht deutlich wurde, wie viele verschiedenen Dinge man dort erleben kann. So hat mir Lima insgesamt auch echt gut gefallen. Manchmal habe ich mich aber auch etwas eingeschränkt gefühlt, weil man immer so vorsichtig sein muss, und war so schon ganz froh, als es wieder ins beschauliche Unterjesingen zurückging.

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