Jetzt wird es aber wirklich Zeit für einen Blogeintrag über meine Arbeit!
Ich habe in der Behinderteneinrichtung Chaska Wasy - Hogar de las Estrellas, was so viel heisst wie Heim der Sterne, gearbeitet. Dort leben behinderte Kinder jeder Altersstufe, die eigentlich noch Eltern haben. Diese jedoch haben entweder nicht das Geld für eine angemessene Betreuung und Förderung oder sind einfach überfordert, denn einige Mütter haben gleich mehrere behinderte Kinder. Manche Eltern kommen ihre Kinder besuchen oder die Kinder sind in den Ferien bei ihnen. Andere jedoch haben den Kontakt ganz abgebrochen. Ein Junge wurde sogar im Müll gefunden!
Die Einrichtung gefällt mir viel besser als der Kindergarten, in dem ich zuvor gearbeitet habe. Meine Mitarbeiter sind alle sehr nett und man spürt ihre Dankbarkeit den Freiwilligen gegenüber. So fühle ich mich dort überhaupt nicht ausgenutzt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Organisation aus Spanien kommt und aus Spenden finanziert wird und nicht staatlich ist.
Ich habe mich dort um die kleinen und schwierigen Kinder gekümmert. Meine Aufgabe war es, auf sie aufzupassen, damit sie nicht abhauen oder alles mögliche essen, ihnen beim Essen zu helfen und ich musste sie regelmässig aufs Klo bringen, damit sie sich nicht in die Hose machen. Das wurde teilweise ganz schön stressig und eklig. Es ist sehr schwierig sechs Kinder gleichzeitig auf dem Töpfchen zu halten. So ist es des öfteren passiert, dass einige einfach zur gleichen Zeit aufgestanden sind und sich dann der Töpfcheninhalt über den Badboden verteilt hat. Dann musste ich sie auch noch davon abhalten dadurch zu laufen. Manchmal bin ich schier verzweifelt, weil sie sich dann auch oft weigern sich wieder hinzusetzen. Dann ging das Geschrei erst wirklich los.
Auch wenn ich meine Kleinen wirklich ins Herz geschlossen habe und ich gerne mit ihnen zusammen war, wurde die Arbeit irgendwann langweilig. Ich arbeite nämlich von 8 bis 14 Uhr und jeden Tag ist es mehr oder weniger das Gleiche. Wenn es nicht regnet gehen wir schon raus, was aber auch sehr viel Aufmerksamkeit erfordert, oder machen mal einen grösseren Ausflug, aber so gehen die 6 Stunden auch nicht viel schneller herum. Ausserdem sind die Kinder teilweise stark geistig zurückgeblieben und können nicht sprechen, wodurch es für mich ohne entsprechende Ausbildung sehr schwierig ist mit ihnen mehr zu machen als zu spielen. Auch war ich oft mit ihnen alleine und da war es schon genug Arbeit einfach nur auf sie aufzupassen. So bin ich froh, dass ich die letzten Wochen wahrscheinlich den älteren Kindern in der Schule helfen kann.
Hier aber noch eine kleine Beschreibung zu jedem meiner Schützlinge:
Betsy:
Betsy ist zwölf Jahre alt und wirkt vom Aussehen auch so, vom Verhalten her scheint sie allerdings viel jünger zu sein. Sie spricht kaum und wenn sehr wenige unzusammenhängende Worte. Sie ist die ruhigste meiner Gruppe und sie stört es auch nicht, einfach eine Weile tatenlos auf einem Stuhl zu sitzen, wobei sie meistens lieb vor sich hingrinst. Plötzlich verschwindet sie dann aber auch mal und man findet sie dann meistens im Garten, wo sie genüsslich Erde, Gras und was sie sonst noch so findet verzehrt.
Maydé:
Sie ist ebenfalls schon zwölf Jahre alt, wirkt aber bestenfalls wie acht. Sie sprich überhaupt nicht, sondern gibt nur summende und brummende Laute von sich. Wenn man sie allerdings kitzelt quietscht sie wie ein kleines Schweinchen. Sie liebt es ihrem kleinen Bruder Spielzeug wegzunehmen oder ihn zu schubsen. Ausserdem sammelt sie mit Vorliebe jede noch so dreckige Plastiktüte ein, nimmt sie an den Mund und reibt sie daran. Wahrscheinlich gefällt ihr das knisternde Geräusch.
Edwin:
Edwin ist Maydés kleiner Bruder und sechs Jahre alt, sieht aber wie ein 4-jähriger aus. Er ist ein ganz süsser, weil er oft mit einem strahlenden Gesicht durch die Gegend hüpft. Er liebt Schnüre und findet sie überall. Mit diesen wedelt er dann begeistert herum und schaut ihnen nach. Edwin hat auch eine Vorliebe für Türen. Jede offene Tür muss er zu schlagen. Das kann ganz schön anstrengend und peinlich werden, wenn man mit ihm spazieren geht und er in jedes offene Geschäft oder jede offene Wohnung hereinrennt und die Tür dann zu schlägt. Er spricht ebenfalls nicht, sondern gibt nur ein paar gurgelnde Laute von sich und klappert dazu mit den Zähnen.
Livio:
Livio ist der "Abuelito" (Opa) oder der "Monito" (Äffchen), weil er sehr erhaben und bedacht durch die Gegend läuft und stark behaart ist. Er ist ebenfalls sechs Jahre alt und wirkt wie vier. Livio ist taub und spricht folglich nicht wirklich. Manchem seinem Gebrabbel kann man allerdings Wörter wie "Mama" oder "No" entnehmen. Seine Zähne sind sehr stark von Karies betroffen, oben haben sie sich schon fast zurückgebildet, und so fällt ihm das Essen sehr schwer. Man muss ihm sehr kleine Stückchen geben und auch die fallen ihm häufig noch wieder aus dem Mund. Alles andere von Papier, über Watte zu Gras stopft er sich allerdings mit Vorliebe in den Mund.
Alejandro:
Alejandro ist ein echter Zappelphillip, was es besonders schwierig macht, auf ihn aufzupassen. Er klettert auf Tische, durchs Fenster und ist dabei meist nicht sonderlich konzentriert, wodurch er öfters hinfällt. Oft könnte man ihn für einen ganz gewöhnlichen Jungen halten, da er wie so viele Jungen seines Alters - er ist sechs Jahre alt - Autos und Bälle liebt. Er ist in vieler Hinsicht einer der am weitesten entwickelten meiner Gruppe, obwohl er einer der jüngsten ist: Er spricht einige Wörter nach und auch manchmal von alleine im richtigen Zusammenhang. Wenn man zu ihm "Pitchi, Pitchi" (Pipi, Pipi) sagt, kommt er mit aufs Klo, zieht sich die Hose runter und pinkelt im Stehen. Mit grösseren Geschäften hat er allerdings so seine Probleme; er weigert sich einfach aufs Töpfchen zu machen. Es ist eine Kunst, ihn überhaupt dahin zu bekommen, denn dieser schmächtige kleine Junge kann dann eine unglaubliche Kraft entwickeln, was es jedes mal zu einem regelrechten Kampf macht. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens lässt man ihn dann aufstehen. Promt zieht er sich in einer Ecke aber dann die Hose runter und will im Stehen sein Geschäft verrichten. Also schnell wieder aufs Töpfchen mit ihm und wieder kommt es zum langen Kampf. So geht das dann ein paar Mal hin und her und schliesslich schafft er es doch irgendwie, in die Ecke zu machen. Noch eine Eigenart von ihm ist, dass er sich Hände und Knie aufkratzt, weil es ihm Freude macht, Blut zu sehen. So sind seine Hände ziemlich vernarbt und verkrustet. Nach dem Essen ist sein ganzen Gesicht bis zu den Ohren und bis in die Haare mit Essen beschmiert, weil er den Teller immer noch auslecken will und sehr schnell in grossen Happen, auch gerne mit den Händen, isst.
Dani:
Dani ist der Schwierigste meiner Gruppe. Er kann sehr aggressiv werden und schlägt oder beisst dann gerne zu. Das kann ganz schön weh tun. Ich habe schon einige blaue Flecken davon getragen! Meistens haut er aber zum Glück nicht so stark und ist für seine sieben Jahre auch noch recht klein und schmächtig. Von einem Moment zum anderen, wenn man ihn kitzelt, fängt er dann aber an herzlich zu lachen und kuschelt sich an einen. Er entwischt vorzugsweise in den Hof, um dort mit Besen und Kehrschaufel zu spielen. Wenn man ihn dann dazu bewegen will, zurückzukommen, wirft er sich auf den Boden, zappelt, will zu beissen und schlagen, was die ganze Angelegenheit etwas schwierig gestaltet. Ihn zu füttern ist auch sehr schwierig, weil er gerne auf den Löffel schlägt oder den Suppenteller umschmeissen will. Man kann sich vorstellen, wie sein Platz nach dem Essen aussieht. Draussen sammelt er gerne Steine und Gras, um sie dann einem zu bringen. Dani brummt entweder vor sich hin oder sagt: "Titi", "Pan", "Ai" oder "Kaka". Ich habe vergeblich versucht, ihm seinen Namen oder andere einfache Worte beizubringen. Dani kann die Nacht bei seiner Mutter verbringen, die ihn aber jeden Morgen dann wieder in die Einrichtung bringt.
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