Sonntag, 16. März 2008

La Paz

Mitte Februar lief mein Touristenvisum ab und um es verlängert zu bekommen, bin ich für eine Woche nach Bolivien gereist. Da meine Mitreisenden leider alle abgesprungen sind, habe ich mich mit einem etwas ungutem Gefühl alleine auf den Weg gemacht, weil mein Visum nun einmal verlängert werden musste.
Aber gleich am Terminal habe ich eine Engländerin kennen gelernt, mit der ich mich dann während der zwölfstündigen Nachtfahrt unterhalten habe. Früh am nächsten Morgen kamen wir an der bolivianischen Grenze an, die noch gar nicht geöffnet hatte. Es hatte sich jedoch bereits eine ewig lange Schlange gebildet. So mussten wir insgesamt bei prallem Sonnenschein zwei Stunden lang ansstehen, um die Aus- und Einreiseformalitäten zu erledigen. Wäre nicht unser ungeduldiger Busfahrer gewesen, der uns am Ende einfach durchgeschleust hat, hätte es noch viel länger gedauert, denn die Bolivianer wollten der Engländerin kein Touristenvisum geben, mit der Begründung, es gäbe kein England!
Mittags kamen wir dann endlich in La Paz an. La Paz ist Boliviens grösste und wichtigste Stadt, Hauptstadt ist allerdings Sucre, obwohl sich dort nur noch der oberste Gerichtshof befindet, alle anderen Regierunginstitutionen befinden sich in La Paz. Der Anblick war ganz schön beeindruckend, weil die Stadt in einem Talkessel liegt und sich Lehmhäuser weit in die Berge hoch hinaufziehen.
Für den Nachmittag habe ich mich gleich mit der Engländerin zum Essen verabredet. Nach dem Essen sind wir noch über den "Hexenmarkt" geschlendert. Dort werden viele Artikel zur Pachamamaverehrung, zur Verehrung der Muttererde, verkauft, darunter so gruselige wie Frösche und Lamaföten! Letztere werden beim Hausbau in einer Ecke vergraben, weil es Glück bringen soll. Ausserdem wurden noch allerlei Pülverchen für die Liebe, das Geld, das Glück usw. angeboten.
Anschliessend habe ich das äusserst interessante Coca-Museum besucht, wo jegliche Aspekte der Cocapflanze, vom Anbau, über die Bedeutung bis zum Missbrauch, anschaulich dargestellt wurden. Auf dem Weg zurück zum Hostal habe ich noch viele Souvenirs gekauft.

Am nächsten Morgen hiess es früh aufstehen, da ich eine Stadtrundfahrt gebucht hatte. Ja, ich habe es nocheinmal gewagt und bin in einen dieser Touribusse gestiegen. Zum Glück wurde ich aber belohnt, denn diesmal war es wirklich interessant und ich kam mir auch nicht ganz so blöd vor. Was den Peinlichkeitsfaktor schon einmal etwas heruntergeschraubt hat, war, dass es keinen Führer mit einem albernen Hut gab, der ins Mikro gesprochen hat, sondern nur Kopfhörer. So bekam ich die Informationen sogar auch auf Deutsch. Ausserdem muss man in La Paz auch etwas aufpassen, wenn man alleine unterwegs ist. Zunächst sind wir durch den historischen Teil gefahren, vorbei an vielen etwas heruntergekommenen aber immer noch sehr schönen Kolonialhäusern, Regierungsgebäuden und hässlichen Wolkenkratzern. Auch haben wir einen Aussichtspunkt besucht, wo man nochmals die fantastische Lage von La Paz bewundern konnte. Die schneebedeckten Gipfel der Umgebung konnte man aber leider wegen einiger Wolken nicht sehen. Anschliessend ging es hinunter in die Zona Sur. Diese liegt auf etwa 3000m, also 1000 Meter unter El Alto, wo viele Arme wohnen. Dort ist das Klima sehr viel angenehmer und es haben sich viele Reiche angesiedelt. Es war eine ganz andere Welt. Plötzlich war man nicht mehr von Lehmhäusern umgeben, sondern von kleinen, bestens gesichertenVillen. Man fühlte sich eher wie in einer amerikanischen Vorstadt, als wie in Bolivien. Es fuhren dort auch viele dicke Autos herum und ein Golf- und Tennisclub durften natürlich nicht fehlen. Der Bus verliess La Paz und wir erreichten das "Valle de la Luna", das Mondtal. Dort haben sich durch Regen und Erosionen bizarre Felsformationen gebildet, so dass man wirklich fast meinen könnte, man befände sich auf dem Mond. Nur das Hüpfen wollte nicht so recht klappen. Damit war die Tour beendet. Mit einem amerikanischen Pärchen wollte ich zurück ins Zentrum laufen, vorbei an einer Demonstration. Ich hatte schon ein etwas ungutes Gefühl, aber zunächst verlief alles ganz ruhig. Plötzlich jedoch, kam eine Kolonne von Polizisten auf Motorrädern an und fing an mit Tränengas zu schiessen. Alle sind einfach nur panisch geflüchtet, denn das Tränengas hatte es echt in sich. Augen, Nase und Rachen fingen total an zu brennen und man bekam kaum noch Luft. Zum Glück verzogen sich die Polizisten aber wieder schnell und der Amerikaner konnte nicht widerstehen und wollte nocheinmal hinunter auf die Strasse. Da ich gerne mit den beiden laufen wollte, bin ich mitgekommen - ein Fehler!- denn die Polizisten kamen nocheinmal an! Der Amerikaner hatte aber immer noch nicht genug und ist ein drittes Mal runter auf die Strasse. Mir hat es nun aber endgültig gereicht und ich bin dann lieber alleine im sicheren Abstand zum Schlachtfeld ins Zentrum gelaufen. Ich habe es auch eigentlich richtig genossen, in meinem eigenen Tempo zu gehen und mir die Sachen anzuschauen, die mich interessierten. So bin ich nocheinmal zur schönen "Plaza Murillo" mit den Regierungsgebäuden und zur "Calle Jaén", der schönsten Strasse von La Paz. Diese ist eher ein kleines gepflastertes Gässchen und wird von sehr schönen Kolonialhäusern in allen Farben gesäumt.
Nach einer kleinen Pause bin ich auf Shoppingtour gegangen, leider ohne Erfolg.

Am Abend bin ich für drei Tage nach Sucre gefahren, aber dazu später mehr.

An meinem letzten Tag in La Paz bin ich mit einem dieser tollen alten schrecklich stinkenden Mikros nocheinmal zum "Valle de la Luna" gefahren, da wir bei der Stadtrundfahrt dort nur einen kleine Stopp eingelegt hatten. Diesmal habe ich mir richtig viel Zeit genommen in dem Tal herumzuwandern und Fotos zu machen.
Da meine erste kleine Shoppingtour erfolglos war, habe ich mich nochmals auf die Jagd nach Klamotten gemacht, diesmal erfolgreich. Es ist gar nicht so einfach in La Paz schöne normale Klamotten zu finden. Findet man solche, entsprechen die Preise fast europäischem Niveau.

Am nächsten Morgen habe ich mich auf den Rückweg nach Cusco gemacht. Der war sehr unangenehm, da der Bus einen ganzen Tag lang fuhr und man sich die Fahrt so kaum durch Schlafen verkürzen konnte. Wenigstens habe ich noch einen Brasilianer kennengelernt, mit dem ich mich unterhalten konnte und an der Grenze lief diesmal alles Ruckzuck.

Im Nachhinein fand ich es gar nicht so schlimm, alleine unterwegs gewesen zu sein, weil man alleine viel schneller Leute kennenlernt und so gar nicht wirklich alleine ist. Man ist auch viel unabhängiger und kann das machen, was einem gefällt. Dennoch war ich dann froh, wieder in Cusco bei meiner Gastfamilie zu sein.

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