Sonntag, 30. März 2008

Viertägiger Dschungeltrip ins Tambopatareservat

Peru verfügt nicht nur über Berge, Wüste und Küste, sondern auch über ein grosses Dschungelgebiet, was 3/5 der Landesfläche ausmacht. Die Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so bin ich für vier Tage ins Tambopatareservat gegangen. Dessen Regenwald gilt als der artenreichste der Welt. Peru ist sich schon recht früh über den ungemeinen Reichtum des Regenwaldes klargeworden und hat weite Teile streng geschützt.
Der Flug nach Puerto Maldonado dauerte keine halbe Stunde. Erst überflogen wir die schönen Anden, dann sah man eine Zeit nur Wolken und schon befanden wir uns über dem unendlich erscheinenden grünen Meer des Dschungels. Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt, denn durch die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit bekam ich zunächst gar keine Luft! Auf dem Boot, mit dem wir zur Lodge gefahren sind, wehte aber zum Glück ein angenehm frischer Wind und wir sassen im Schatten. Sobald es aber angehalten hat, fiel die Hitze wieder über einen her, ebenso die Moskitos. Die Bootsfahrt zur Lodge dauerte über drei Stunden und war zunächst echt interessant, weil man damit beschäftigt war die ganz neue Umgebung und die vielen neuen Eindrücke aufzunehmen. Aber ich war dann doch sehr froh, als wir am späten Nachmittag endlich angekommen sind. Wir wurden mit einem exotischen, erfrischenden Fruchtcocktail begrüsst. Hat das gut getan! Ich war ganz begeistert von der Lodge. Sie war zwar recht einfach, so ist sie nach traditioneller Art aus Holz und Palmblättern erbaut und es gibt nur im Essraum durch Solarenergie Strom, aber einfach schön. So mitten im Regenwald gelegen. Wahrscheinlich hat mich aber auch gerade diese Einfachheit begeistert. Wer will im Dschungel auch schon in ein Luxushotel? Wenn ich in mein Zimmer gekommen bin, wollte ich immer automatisch nach einem Lichtschalter suchen, musste dann aber zur Streichholzschachtel greifen. Das Zimmer besass natürlich auch keine Fenster sondern nur Moskitonetze, aber immerhin ein eigenes Bad mit richtiger Dusche und richtigem Klo. Zum Duschen blieb mir aber kaum Zeit, weil wir auf Kaimansuche gehen wollten. Kaimane sind eine Alligatorenart. Zunächst bekamen wir aber eine ausführliche Einführung, zu der leckere, salzige Bananenchips serviert wurden. Ich bin irgendwie in die Spanisch- und nicht in die Englischgruppe gerutscht. Das war aber auch gut so, denn ich hatte kaum Verständnisschwierigkeiten und die Gruppe bestand ausser mir nur noch aus einem argentinischen Ehepaar. Es war schon dunkel als wir endlich ins Boot gestiegen sind. Wir mussten ganz leise sein, während unserer Führer die Böschungen mit einem starken Scheinwerfer abgeleuchtet hat. Trifft das Licht auf einen an der Oberfläche schwimmenden Kaiman, so leuchten seine Augen rot auf und das Boot kann sich ihm vorsichtig nähern. Gleich am Anfang haben wir einen kleinen Kaiman entdeckt. Bei dem Gedanken, dass in dem Fluss, wo so viele Kaimane leben viele Leute schwimmen gehen, wurde mir bei dessen Anblick ganz mulmig zu mute. Mitten auf dem Fluss hat das Boot dann angehalten, der Motor wurde ausgestellt, das Licht wurde ausgemacht und jeder sollte ganz ruhig sein, um den Dschungel bei Nacht so richtig aufnehmen zu können. Das war ein tolles Erlebnis - der Mond schien und die Zikaden zirpten um die Wette. Ich hätte so ewig verweilen können. Aber schliesslich wartete das Abendessen in der Lodge auf uns und so haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Der Appetit wurde mir aber noch etwas verdorben, weil wir uns noch eine riesige Tarantel angeschaut haben, die sich in der Nähe der Lodge an einem Baumstamm ihr Nest gebaut hat. In der Nacht hatte ich so in meinem Zimmer immer etwas Angst, dass plötzlich so ein Vieh auftaucht, was natürlich nicht passiert ist. Vor dem Schlafengehen habe ich noch bei Kerzenlicht Tagebuch geschrieben und die Dschungelgeräusche auf mich einwirken lassen.

Am nächsten Morgen wurden wir schon um 4:30 Uhr geweckt! Wir wollten nämlich schon eine Stunde später zu einer 6-stündigen Dschungelwanderung aufbrechen und davor noch frühstücken. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, einem Bambusstock, langer Kleidung und viel Mückenschutzmittel haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Jetzt ging es das erste Mal richtig in den Dschungel! Na ja, auch nicht so ganz, denn schliesslich liefen wir auf angelegten Wegen und nicht durch das dichte grüne Dickicht. Das war aber schon beschwerlich genug, da die Wege teilweise sehr matschig waren und man oft fast bis zum Knie eingesunken ist. Durch die Umgebung wurde man aber mehr als entschädigt! Wir sahen viele exotische Pflanzen, Insekten, Frösche und Schmetterlinge in allen Farben und Grössen. Ab und zu haben wir uns auch ganz vorsichtig an einen schönen Vogel angeschlichen. Obwohl es dort unglaublich viele Tiere gibt, unter anderem auch Jaguare, ist es leider sehr schwierig diese auch zu sehen. Der Wald bietet ihnen einfach einen zu guten Schutz und sie sind natürlich sehr scheu. Als wir vergeblich nach Affen geschaut haben, lief plötzlich ein Ozelot an uns vorbei! Dieses sieht aus wie ein kleiner Jaguar. Ich habe es aber leider nur noch weglaufen gesehen. Unser Guide hat uns auch unglaublich viele Heilpflanzen gezeigt. Wenn er krank ist geht er nicht zum Arzt sondern in den Dschungel. Dort gibt es einfach Pflanzen gegen alles! Gegen Krebs, Fieber, Durchfall, zur schnelleren Wundheilung... Er liess uns auch viele Pflanzen und Früchte probieren. Wir sind auch an 60m hohen Bäumen mit unglaublich dicken Stämmen vorbei gekommen, sowie an Kautschukbäumen und dem so genannten Knoblauchbaum. Dessen Rinde riecht wie Knoblauch und wird von den Einheimischen auch als Mückenschutzmittel benutzt. Vor einem dieser unglaublich dicken Baumstämme hat der Argentinier die Fahne seines Lieblingsfussballclubs ausgepackt und sich fotografieren lassen - das sind Fans! Dann sind wir auch noch auf zwei seltsame Palmen gestossen. Zum einen war das die laufende Palme, deren Wurzeln schon ein gutes Stück über dem Boden anfangen, so dass es aussieht, als stehe sie auf ganz vielen Beinen. Die Wurzeln wachsen wohl auch immer auf der sonnenbeschieneneren Seite, so dass sie sich mehr Richtung Sonne bewegt und man den Eindruck bekommen kann sie laufe. Zum anderen sahen wir die erotische Palme. Deren Wurzeln, die ebenfalls weit über dem Boden wachsen, sehem dem männlichen Geschlechtsteil sehr ähnlich und haben so schon viele Dschungelbesucher in Verlegenheit gebracht.
Nach etwa drei Stunden und vielen neuen Eindrücken sind wir an unserem Ziel angekommen, an einem grossen See. In diesem See leben die vom aussterben bedrohten Riesenotter, die wir von weitem mit dem Fernglas beobachten konnten. Ausserdem sahen wir noch viele grosse, schöne Vögel und haben einfach im Kanu gesessen und diese wunderbare Stille auf dem See genossen. Da haben selbst die Moskitos und die intensive Sonneneinstrahlung kaum gestört.
Auf dem Rückweg hatten wir doch noch das Glück und haben eine ganze Horde kleiner Affen gesehen, die waghalsig von Baum zu Baum entlang des Weges gesprungen sind. Fotografieren lassen wollten sie sich leider nicht wirklich, obwohl sie sehr neugierig und gar nicht scheu waren. Ein süssen kleines Baby war auch dabei. Total erschöpft, denn es war inzwischen schon Mittag und drückend heiss, kamen wir wieder in der Lodge an.
Den Nachmittag über haben wir uns ausgeruht. Wir waren immer noch sehr kaputt und es ist einfach viel zu heiss, um etwas zu unternehmen. Ausserdem hat man morgens einfach die besten Chancen, Tiere zu sichten. Ich habe den Nachmittag lesend auf der Veranda in einem Liegestuhl verbracht. Trotz der Mücken kann man sich dort wunderbar entspannen. Man schaut in den Regenwald und hört die ganzen beruhigenden Dschungelgeräusche.
Vor dem Abendessen haben wir noch eine kleine Nachtwanderung gemacht. Der Regenwald ist einfach stockdunkel! In der Nacht kann man besonders gut Insekten, Frösche und nachtaktive Schmetterlinge sehen. Wäre unser Guide nicht gewesen , so hätte ich viele Tiere gar nicht gesehen, da sie wunderbar getarnt sind. Die Rücken der Frösche sehen Blättern zum Beispiel zum Verwechseln ähnlich. Wieder haben wir eine kleine Besinnungspause eingelegt und unsere Taschenlampen ausgestellt. Man sah nicht einmal die eigene Hand vor den Augen. Im Dunkeln und in der Stille konnte man die Geräusche und Atmosphäre besonders gut auf sich wirken lassen.
Beim Abendessen hat uns unser Guide dann erzählt, dass er die ganze Zeit ein Tapier gehört hat. Am Tag hatten wir Tapirspuren gesehen und die sind beängstigend gross! Um uns keinen Schrecken einzujagen, hat er es uns lieber erst nachher erzählt.

Am nächsten Tag konnten wir richtig ausschlafen, das heisst bis 5 Uhr. Da der Betrieb aber immer schon so um 4 Uhr los geht und die Dschungelgeräusche recht laut sind, war ich um diese Uhrzeit schon hellwach, was mir sonst nie passiert. Wir sind zu einer kleinen Papageienlehmlecke gefahren. In gut getarnten Häusschen mit nur einem kleinen Sehspalt und mit Ferngläsern bewaffnet haben wir auf die Papageien gewartet. Doch sie wollten nicht kommen! Es trieb sich nämlich ein Raubvogel um die Lehmlecke herum und so haben sich nur vereinzelte Papageien hergetraut. Diese waren grün und selbst mit Fernglas im Laub nur schwer zu entdecken. Nach einer Stunde sind wir etwas enttäuscht wieder aufgebrochen. Doch wir hatten Glück, denn die Papageien sind zu einer anderen Stelle am Flussufer ausgewichen, so dass wir sie vom Boot gut beobachten konnten. In Scharen kamen sie an und sassen an der Lehmwand, wo sie den Lehm assen. Das tun sie wohl, weil der wertvolle Mineralien enthält und ihren Körper von Giftstoffen befreit. Es war auf jeden Fall ein tolles, farbiges Spektakel!
Nach dem Frühstück haben wir uns noch die lodgeeigene kleine Ausstellung der Pflanzen und Tiere der Umgebung angeschaut. Wir sahen handgrosse Käfer, Piranhaskellette mit ihren langen scharfen Zähnen, eingelgte riesige Schlangen und viele unheimliche Tiere mehr. Da war ich ganz froh, dass die Tier doch so scheu sind.
Nach einer kurzen Pause haben wir eine Gemeinde von Einheimischen besucht. Doch leider war niemand von ihnen anzutreffen. Viele Familien sind auch in die Stadt, nach Puerto Maldonado, gezogen. Die Einheimischen besitzen ein grösseres Stück Sekundärwald, das sie bewirtschaften dürfen. Im Reservat selber darf weder Landwirtschaft betrieben werden, noch gejagt werden. Die Lodge hat ein enges Verhältnis zu einer der Familien. Der Besitzer hatte der Familie einst das Stück Land abgekauft, auf dem heute die Lodge steht. Er musste der Familie nicht nur Geld zahlen, sondern auch garantieren, dass die Lodge ihre Früchte von der Familie bezieht, Familienmitglieder einstellt und dass die Familie die Boote der Lodge mitbenutzen kann. Das nenne ich eine lobenswerte Kooperation. Wir wurden auf dem Grundstück der Familie herumgeführt und durften viele Früchte probieren. So assen wir Orangen, Sternfrucht, die leckere Frucht der Kakaopflanze und Cocoçao, eine brasilianische Frucht, aus der man besonders gut Cocktails machen kann. Ausserdem sahen wir Kaffeepflanzen, Bananenstauden und die Yukapflanze, deren Wurzeln man essen kann und die etwas an Kartoffeln erinnert. Diese Früchte kennt man bei uns nur aus dem Supermarkt und es war toll sie sich direkt vom Baum pflücken zu können und sie dann zu essen. Mmmh!
Am späten Nachmittag haben wir uns nochmal zu einem kleinen Dschungelspaziergang aufgemacht, aber leider ausser Insekten und Fröschen und den vielen Pfanzen nicht mehr gesehen. Danach sind wir zum Flussufer gelaufen, von wo aus man ganz wunderbar den Sonnenuntergang beobachten kann. Dieser war total farbintensiv und zu der Umgebung einfach richtig schön!
Damit war auch schon mein letzter Tag in der Lodge vergangen. Es ging einfach viel zu schnell! Andererseits braucht man aber auch sehr lange, um sich an das anstrengende Klima zu gewöhnen und ich habe mich schon wieder auf das frische Cusco gefreut.

Nach einem FRÜHstück sind wir auch schon mit dem Boot nach Puerto Maldonado aufgebrochen. Während der Bootsfahrt habe ich noch ein letztes Mal die tolle Dschungelatmosphäre genossen, die ich so schnell bestimmt nicht mehr erleben werde.

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